Franz Kafka, Vor dem Gesetz: »Alle streben doch nach dem Gesetz«, sagt der Mann, »wieso kommt es, dass in den vielen Jahren niemand außer mir Einlaß verlangt hat?« Der Türhüter erkennt, daß der Mann schon an sei­nem Ende ist, und, um sein vergehendes Gehör noch zu erreichen, brüllt er ihn an: »Hier konnte niemand sonst Einlass erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.«

Vor dem Gesetz Von Franz Kafka Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom Lande … Mehr

Romano Guardini, Die Kerze (Von heiligen Zeichen, 1922): „Wie sie steht, wo es gilt, vor Gott. Nichts an ihr flieht, nichts biegt aus. Alles klare Bereitschaft. Und sie verzehrt sich in ihrer Bestimmung unaufhaltsam zu Licht und Glut. Laufe deiner Bestimmung nicht weg. Harre aus. Frag’ nicht immer nach Warum und Wozu. Es ist der tiefste Sinn des Lebens, sich in Wahrheit und Liebe für Gott zu verzehren, wie die Kerze in Licht und Glut.“

Die Kerze Von Romano Guardini Wie ist es um unsere Seele doch so eigen bestellt! Mit allen Dingen der Welt … Mehr

Günther Bornkamms Nachwort zu Jean Paul, Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei: „Nun steht er, Christus selbst, der die Schrecken bannen und die Leiden lösen sollte, da er doch, wie der Glaube wähnte, dem Herzen des Vaters entsprungen, das Herz des Vaters erschloß, für die furchtbare Wahrheit der Enttäuschung ein: Er ist nicht!“

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Neutestamentler Günther Bornkamm Jean Pauls Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein … Mehr

Jean Pauls Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei als grandioser Alptraum des Atheismus: „Die entfärbten Schatten zerflatterten, wie weißer Dunst, den der Frost gestaltet, im warmen Hauche zerrinnt; und alles wurde leer. Da kamen, schrecklich für das Herz, die gestorbenen Kinder, die im Gottesacker erwacht waren, in den Tempel und warfen sich vor die hohe Ge­stalt am Altare und sagten: ‚Jesus! haben wir keinen Vater?‘ – Und er antwortete mit strö­menden Tränen: ‚Wir sind alle Waisen, ich und ihr, wir sind ohne Vater.’“

Jean Pauls Roman „Siebenkäs“ (Berlin 1796) enthält unter der Abteilung „Erstes Blumenstück“ die berühmte „Rede des toten Christus vom Weltgebäude … Mehr