Peter Sängers Annäherung an Hans Joachim Iwand: „Mit der Wechselbeziehung von Leben und Lehre lässt dieses Lebensbild auf eine Wende in der theologischen Entwicklung Iwands schließen, wenn nicht gar auf eine Mehrzahl von voll­zoge­nen Brüchen. Dementgegen ist zunächst die Festigkeit her­vorzuheben, mit der er auf dem einmal Erkannten beharrte. Er hat es sich niemals und nirgends leicht gemacht, früher bezo­gene Positionen aufzugeben. Für ihn sieht es eher so aus, dass er seinen Lehrern und Freunden bis zum Äußersten theologisch die Treue hielt. Er konnte mitunter nicht glauben, dass sie ihn im Stich ließen. Er besaß aber ein Gespür für die Hinfälligkeit und das Zerbrechen so mancher geistiger Voraussetzungen, etwa im nationalen Sinn, die für Grundlagen der evangelischen Kirche und des deutschen Protestantismus gehalten wurden.“

Peter Sängers Einleitung in das Buch „Hans Joachim Iwand. Theologie in der Zeit“ bietet eine gute Einführung in das theologische … Mehr

Hans Joachim Iwand im Brief an Karl Barth (1959): „Ich schäme mich, dass ich so lange nicht geschrieben habe. Aber mir ging es nicht gut, im Frühjahr gar nicht gut, und ich fürchtete schon, dass ich aus dem Geschirr genommen werden müsste. Denn alle meine Gedanken liefen mir weg, und sie wa­ren wie wilde Pferde, die ich nicht mehr an der Leine hatte. Ein bißchen davon erlebt man ja in allen Zweifeln und in den An­fechtungen, aber meist fängt man sich dann doch wieder ein. Aber im Frühjahr sah es nicht gut aus – mein Kopf war wie ein leeres Vogelbauer, in dem sich allerlei Getier einnistete. Das wurde dann aber doch besser, und seit meinem Schwedenur­laub mit Baden und viel Luft und Wald geht es mir wieder gut. Es ist auch das für mein Alter angemessene Maß von Lebenslust wieder da. Manchmal wünschte ich sogar, noch einmal jung zu sein, wenn ich sehe, in wie fa­der, fauler Luft wir hier leben und unser rein aus Gnade geschenktes, neu geschenktes Leben ver­fallen lassen. Das Leben ist eben doch der Güter höchstes nicht. Dass es mir damals nicht gut ging, kann seinen Grund darin gehabt haben, dass ich ein sehr starkes Mittel gegen hohen Blut­druck bekam – es muß nicht unbedingt den Anfang von Irresein bedeuten! Das ist noch beruhigend.“

Der Brief an Karl Barth vom 31.12.1959 gibt das Stimmungsbild von Hans Joachim Iwand wenige Monate vor seinem Tod wieder: … Mehr

Hans Joachim Iwand im Brief an Karl Barth über den Tod seiner Frau Ilse (1951): „Als Ilse starb, saßen Anemone, meine älteste Tochter und ich am Tisch, der Atem wurde leicht wie Flocken, die zergehen, dann ging Ilse still und sanft hin­aus und was eben noch letzte Ahnung ihrer Erscheinung unter uns war, lag da, wie ein Gewand, das sie abgeworfen hatte. Wir lasen noch 1. Korinther 15 an ihrem Bett und gingen dann heim, der letzte, schwerste Dienst in diesem schön­sten Abschnitt meines Lebens war getan. Nun ist sie eingestiegen – und ich bin am Ufer zurückgeblieben, wie ein armer Bettler, der nicht mitgenommen wurde auf die große Fahrt.“

Brief an Karl Barth nach dem Tod seiner Frau Ilse Als seine Frau Ilse (geb. Ehrhardt, 1901-1950) kurz vor Weihnachten … Mehr

Hans Joachim Iwand, Predigt über Lukas 5,1-11 (1947): „Wie ei­ner, der aus dem Tode ins Leben tritt, wie einer, der gerettet ist, aber um den Preis, dass er nun seinem Retter gehört, hört Petrus, wie nun über sein Leben entschieden wird: Du wirst von nun an Menschen fangen. Du wirst – das ist ausgemacht von Gott – es ist keine Frage, auch kein Befehl, es gibt kein Ja oder Nein zu diesem Beruf, es gibt nur dies eine, daß sich erfüllt, was Gott im Sinne hat. Und mit einemmal versteht Petrus die ganze Ge­schichte, vom Ende her enthüllt sich der Sinn dieser seltsamen Erlebnisse. Die Fahrt aufs hohe Meer wird das Sinnbild seines Lebens sein, der Nachen das Sinnbild der Kirche, die ihn trägt, das Meer Bild der Welt, die sein Ar­beitsfeld werden soll, das Netz Bild für das Wort, mit dem er fischen muß, und der Fang Verheißung der Gemeinde, die gewonnen wird.“

Predigt über Lukas 5,1-11. Jesus und die Kirche Von Hans Joachim Iwand Es begab sich aber, da sich das Volk … Mehr