Martin Niemöller, Predigt über Römer 2,1-11 zum Buß- und Bettag 1969: „Wenn dort auf dem Hügel vor den Toren der Stadt Jeru­salem der Mann aus Nazareth, als sie ihn dort an den Galgen nagelten, seine Henker und Mör­der so angebrüllt hätte: »Ihr Verbrecher, wartet nur! Es ist noch ein Gott im Himmel, der wird es euch schon zeigen!« Wir wissen, was dann passiert wäre: Es wäre gar nichts passiert. Ein anständiger Mensch mehr wäre unrechtmäßiger Weise am Galgen hingerichtet worden wie Tausende vor ihm und Tausende nach ihm. Sonst wäre nichts geschehen. Es gäbe keinen Sohn Gottes, keinen, in dem Gott selber uns begegnet in seiner Güte, Geduld und Langmütigkeit; es gäbe keine Erlösung und keine Versöhnung und keine Vergebung und keine Gemeinde dieses Mannes von Nazareth und keine christliche Kirche. Seine Vergebung ist sein Gericht, und sein Gericht heißt Vergebung: »Vater, vergib ihnen!« Weil sein Gericht über seine Widersa­cher Vergebung heißt und weil er sich dazu bekennt, darum und nur darum sind wir hier, gibt es eine christliche Gemeinde, gibt es eine Christenheit, gibt es eine Frohe Botschaft, und da hören wir die wirkliche Bußpredigt, die christliche Bußpredigt.“

Predigt über Römer 2,1-11 zum Buß- und Bettag 1969 Von Martin Niemöller Verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und…

Das ausreichende Brot – Eine Geschichte von Joseph Wittig zu Erntedank: »Den allerschönsten Traum aber träumen einige Weizen­ähren. Sie träumen von einem gol­denen Altar und einem weißgedeckten Altartisch, und viele Kerzen leuchten auf sie nieder. Da kommt ein wunderbares Wort über sie, das Jesus einmal gesagt hat und das nun durch die ganze Welt geht und sich immer wieder einmal über ein Weizenbrot breitet. Und das heißt: ›Nehmet hin und esset alle davon, denn dies ist mein Leib!‹ Und wahrhaftig, jetzt sind sie nicht mehr Weizenbrot, jetzt sind sie Jesus selber!«

Das ausreichende Brot Von Joseph Wittig Es liegt eine Krone im tiefen Rhein, aber im Strom der Zeit und im…

Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit. Über die evangelische Parrhesia: „Die Parrhesia im Sinne Foucaults ist gesellschaftlich verantwortete Wahrrede, die sich dikato­rischer Verstummung, ideologischer Bevormundung, narzisstischer Selbstgerechtigkeit, popu­listischer Verdummung, suprematischer Hassrede wie auch fatalistischer Untergangsbe­schwö­rung widersetzt. Und doch lässt sich fragen, welches Vertrauen die martyrische Wahrrede trägt. Wenn Parr­hesia im Neuen Testament mit ‚Freimut‘ bzw. ‚Zuversicht‘ wiedergegeben wird, hat dies eine escha­tologische Ausrichtung. Das freimütige Reden gründet sich in der eschatologischen Christusgemeinschaft, zu der Johannes einlädt: ‚Und nun, Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er offenbart wird, freimü­tig reden (schṓmen parrhesían) und nicht zuschanden werden vor ihm, wenn er kommt.'“

Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit. Über die evangelische Parrhesia „Es gilt ein frei Geständnis / in…

Über die intratextuelle Einlegung in die Heilige Schrift: „Wer sich vom göttlichen Erzählgeschehen der Heiligen Schrift vereinnahmen lässt, von dem was der Gott an Israel und in seinem Sohn Jesus Christus zu unserem Heil getan hat, dem öff­net sich der Himmel, dem sagt sich der Geist der Wahrheit zu, der liest seinen eigenen Namen im göttlichen Buch des Lebens, das mit dem Blut des Lammes signiert ist. Wie hoffnungslos hingegen ist eine biblische Textauslegung, bei der der Mensch in seinem Selbstverständnis sich selbst überlassen bleibt.“

Intratextuelle Einlegung in die Heilige Schrift Die Schlüsselszene im Neuen Testament in Sachen Bibelverständnis findet sich in der Apos­tel­geschichte im…

Hans Christoph Hahn, Über Freimut und Zuversicht im Neuen Testament: „Die parrēsía Jesu findet ihre Fortsetzung in dem entschiedenen Zeugnis der Apostel. Im­mer wieder weiß die Apostelgeschichte davon zu berichten, dass Petrus, Paulus oder andere Männer auftraten und furchtlos Juden oder Heiden gegenüber die Taten Gottes verkün­deten. Dieser Verwunderung, Spaltung und Verfol­gung hervorrufende Freimut ist freilich keine dem Menschen verfügbare Größe, sondern eine Frucht des Heiligen Geistes, die immer wieder erbeten werden muss. So wird die parrēsía des Zeugen auch bei Paulus und Johannes gesehen. Sie kenn­zeichnet den Vollzug der rechten Predigt von dem Geheimnis des Evangeliums, die Ver­herrlichung Christi mit Leib und Seele. Da die Bewährung etwa in Gefangen­schaft gefordert wird, gewinnt parrēsía geradezu die Bedeutung Kühnheit, Mut. Solchen Mut aber hat der Mensch nicht aus sich her­aus, sondern nur in Gott bzw. in Christus.“

Parrhesia, auf Deutsch „Freimut“ bzw. „Zuversicht“ ist ein neutestamentlicher Begriff, der für die politische Ethik eine besondere Relevanz hat, auch…