Gerhard Friedrich über Hans Joachim Iwand (1969): „Iwand war ein Mann des Ostens. Er liebte die Menschen wie das Land des Ostens. Das heißt aber nicht, dass er sich einer östlichen Ideologie verschrieben hatte. Einige Wochen vor seinem Tode be­kannte er, er sei Preuße und denke in vielen Stücken ganz ähnlich wie Schoeps, er sei weder Sozialist noch Kommunist, sondern Kapitalist. Seine Herkunft aus Preußen und sein Preußentum lassen es verstehen, dass er im Grunde genommen ein konservativer Mann war, der die Ver­bindung mit dem Osten nicht aufgeben wollte und konnte und der aus seinem preußischen Konservatismus heraus revolutionär gegen das westliche Abendland und gegen den Amerikanismus wurde.“

Hans Joachim Iwand (11. Juli 1899-2. Mai 1960) Von Gerhard Friedrich Am 2. Mai 1970 jährt sich zum zehnten Mal…

Gerhard von Rad, Erwägungen zum Prediger Salomo (1941): „So ist Kohelet dem unenträtselbaren Geheimnis der Dinge und Geschehnisse deckungslos ausgeliefert. Es fehlt ihm das Wort Gottes, eine direkte Anrede von Gott her; den Weg zu Hiob 42,1—5 ist er nicht geführt worden. Eine merkwürdige Inkonsequenz liegt allerdings darin, dass Kohelet von seiner radi­kalen Skepsis aus doch nicht den letzten Schritt zum Nihilismus, zum völligen Bankrott des Glaubens getan hat. Darin haben ihn, wie wir sahen, einige Reste des alten Gemeindeglaubens bewahrt; er wird trotz all seines Kampfes gegen die weisheitliche Tradition doch gerade von ihr noch über dem Abgrund gehalten.“

Erwägungen zum Prediger Salomo. Im Anschluß an den Kommentar von Kurt Galling Von Gerhard von Rad Handbuch zum Alten Testament…

Karl Barth, Die Frage der Eidesleistung in der deutschen Bekenntniskirche (Memorandum, 1938): „Die Vereidigung gehört im Dritten Reich zu einer Reihe von Maßnahmen, die alle das Ziel haben, sich von Seiten der Staatsleitung in möglichst vollständiger Weise jedes Einzelnen so zu versichern, dass auf ihn gerechnet werden kann. Die Eidesleistung steht auf derselben Linie wie die übrigen Maßnahmen der Durchorganisierung und Uniformierung aller Reichsangehörigen. Alle sollen in eine Linie gebracht werden.“

Die Frage der Eidesleistung in der deutschen Bekenntniskirche (1938) Von Prof. Dr. Karl Barth Wenn ich heute etwas sagen soll…

Rudolf Bultmann, Wie spricht Gott durch die Bibel zu uns? (How Does God Speak to Us through the Bibel, 1934): „Das Wort Gottes wird niemals zu unserem Eigentum. Ob wir es wirklich recht gehört haben, zeigt sich daran, ob wir bereit sind, es immer wieder neu zu hören, es in jeder Entscheidung unseres Lebens zu erfragen; ob wir bereit sind, es im Augenblick der Entscheidung eingreifen zu lassen; ob wir zulassen, dass es uns von unserem Nichts überzeugt, zugleich aber auch von Gottes Barmherzigkeit, die uns von allem Hochmut befreit – ‚Was hast du aber, das du nicht empfangen hast?‘ –, aber ebenso von aller Mutlosigkeit – ‚als die nichts haben und doch alles besitzen‘. Die Bereitschaft, das ganze Leben dem Wort Gottes zu unterstellen, Gottes Wort immer wieder zu hören, das heißt: es in jedem Augenblick neu zu vernehmen, ist zugleich die Bereitschaft zur Liebe. Wenn Gottes Wort uns von uns selbst befreit und uns durch seine Liebe zu neuen Menschen macht, dann macht es uns auch frei, andere zu lieben. Wir bleiben nur dann in ihm, wenn seine Worte in uns bleiben, wenn wir seine Gebote halten. Und sein Gebot ist die Liebe.“

Wie spricht Gott durch die Bibel zu uns? (How Does God Speak to Us through the Bibel, 1934) Von Rudolf…

Rudolf Bultmann, Ein Rückblick auf die Diskussion um die Entmythologisierung (1960): „Es ist unglaublich, wie viele Menschen sich ein Urteil über meine Arbeit anmaßen, die nie ein Wort von mir gelesen haben. Ich konnte unmöglich auf alle Zuschriften antworten. In manchen Fällen habe ich es getan, und zwar besonders dann, wenn der Angriff auf meine Person besonders heftig war, wenn mir z. B. geweissagt wurde, dass ich so schrecklich enden werde wie Voltaire oder Nietzsche. Ich habe dann gefragt, worauf sich das Urteil des Schreibers gründe, und was er von meinen Schriften gelesen habe. Die Antwort lautete regelmäßig, ohne Ausnahme: nichts gelesen von meinen Schriften! Aber aus einem Sonntags- oder Gemeindeblatt erfahren, dass ich ein Irrlehrer sei. Ich halte es für unverantwortlich, dass Sonntags- und Gemeindeblätter das Thema – sollte wohl sagen: das Schlagwort – der Entmythologisierung vor Laien bringen, ein Thema, von dem sie nichts verstehen oder das sie notwendig missverstehen, weil das Verstehen theologische Bildung voraussetzt.“

Ein Rückblick auf die Diskussion um die Entmythologisierung (1960) Von Rudolf Bultmann Die Post, die in den letzten Jahren täglich…

Johannes Evangelista Goßner, Brief an die Gemeinde Sarata (1823): „Im Himmel möchte ich meine Feder eintauchen können, in die ewige Trost- und Kraftquelle Gottes, des unendlich Freundlichen und Liebevollen, um euch wahrhaft trösten, stärken und beruhigen zu können. Balsam aus Gottes Fülle möchte ich holen können, um eure Wunden zu heilen, euren Schmerz zu lindern, um eure Seele aus dem Jammer zu reißen, in den ihr durch den Verlust eures teuren Hirten und Freundes versetzt werdet. Ach, ihr Herzgeliebten! Wie wunderbar ist der Rat des Herrn! Aber glaubet, glaubet fest und gewiss, Er führt es herrlich hinaus, es sehe noch so bunt und wunderlich aus! – Das Unerwartetste muss man erwarten in den Tagen der Trübsal; – das sehet ihr jetzt. Aber ebenso unerwartet wie die großen Leiden kommen, sind auch die großen Freuden, die der Herr dadurch bereitet. – Der die Wunde schlägt, der muss sie auch wieder heilen, und Er wird es tun. Der da tötet, der macht auch wieder lebendig; – der in die Grube führt, geht mit in die Grube und führt auch wieder heraus.“

Brief an die Gemeinde Sarata Von Johannes Evangelista Goßner Nachdem Ignaz Lindl 1823 aus dem Zarenreich ausgewiesen wurde, schrieb Johannes…