Brief an Lazarus Spengler über die Lutherrose (1530)
Von Martin Luther
Veste Koburg, 8. Juli 1530
Weil Ihr zu wissen begehrt, ob mein Petschaft rechtschaffen getroffen sei, will ich Euch, so wie es mir einfällt, meine Gedanken über mein Petschaft zu guter Gesellschaft anzeigen. Es soll ein Merkzeichen meiner Theologie sein: das erste sollte ein schwarzes Kreuz in einem Herzen sein, das seine natürliche (rote) Farbe hätte, damit ich mir selbst Erinnerung gäbe, daß der Glaube an den Gekreuzigten uns selig machet. Denn so man von Herzen glaubt, wird man gerecht (Röm. 10, 10). Wenn es nun auch ein schwarzes Kreuz ist, das Zeichen des Todes, und auch wehe tun soll, läßt es dennoch das Herz in seiner Farbe, verderbt die Natur nicht, das heißt: es tötet nicht, sondern behält lebendig. Der Gerechte wird aus Glauben leben (Röm. 1, 17), aber aus dem Glauben an den Gekreuzigten. Solch Herz aber soll mitten in einer weißen Rose stehen, um anzuzeigen, daß der Glaube Freude, Trost und Friede gibt, und (ihn) kurzum in eine weiße, fröhliche Rose versetzt. (Das geschieht) nicht so, wie die Welt Friede und Freude gibt, darum soll die Rose weiß und nicht rot sein. Denn die weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe. Solche Rose stehet in einem himmelfarbenen Felde, weil solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang der himmlischen zukünftigen Freude ist, die jetzt wohl schon drinnen einbegriffen und durch Hoffnung erfaßt, aber noch nicht offenbar ist. Und in solch Feld einen goldenen Ring (als Zeichen dafür), daß solche Seligkeit im Himmel ewig währet und kein Ende hat und auch kostbar über alle Freude und Güter hinaus ist, so wie das Gold das höchste, kostbarste Metall ist. Christus, unser lieber Herr, sei mit Eurem Geist bis in jenes Leben, Amen.
WA.Br 5, Nr. 1628.
Quelle: Luther-Werke, hrsg. v. Kurt Aland, Band 10, S. 210f.
Übertragen in heutiges Deutsch:
Auf der Veste Coburg, 8. Juli 1530
Weil Ihr wissen möchtet, ob mein Siegel richtig gestaltet ist, will ich Euch – so gut ich kann – erklären, was ich mir dabei gedacht habe. Es soll ein Zeichen meiner Theologie sein.
Zuerst sollte darin ein schwarzes Kreuz in einem Herzen stehen, das seine natürliche rote Farbe behält. Dadurch soll ich mich selbst daran erinnern, dass der Glaube an den Gekreuzigten uns selig macht. Denn wenn man von Herzen glaubt, wird man gerecht (Röm. 10,10).
Obwohl das Kreuz schwarz ist – also ein Zeichen des Todes und auch des Leidens –, behält das Herz dennoch seine Farbe und seine Natur. Das heißt: Der Glaube zerstört nicht, sondern erhält lebendig. „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ (Röm. 1,17), und zwar aus dem Glauben an den Gekreuzigten.
Dieses Herz soll mitten in einer weißen Rose stehen. Damit wird gezeigt, dass der Glaube Freude, Trost und Frieden schenkt und den Menschen gleichsam in eine weiße, fröhliche Rose versetzt. Allerdings nicht so, wie die Welt Frieden und Freude gibt. Deshalb soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn Weiß ist die Farbe der Geister und Engel.
Die Rose steht auf einem himmelblauen Feld. Das bedeutet: Solche Freude im Geist und im Glauben ist bereits ein Anfang der zukünftigen himmlischen Freude. Diese ist jetzt schon innerlich vorhanden und wird durch die Hoffnung erfasst, ist aber noch nicht sichtbar geworden.
Um dieses Feld herum steht ein goldener Ring. Er zeigt, dass diese himmlische Seligkeit ewig dauert, niemals endet und kostbarer ist als alle Freuden und Güter der Welt – so wie Gold das edelste und wertvollste Metall ist.
Christus, unser lieber Herr, sei mit Eurem Geist bis in das ewige Leben. Amen.
