Helmut Gollwitzers Predigt über Lukas 9,57-62 von 1939: „Wo ein Mensch pflügt, da muß er voraus aufs Ziel sehen, auf das Ende des Ackers, und wenn er sich umwendet und zurückwinkt und an einen denkt, der hinter ihm am Ende des Ackers steht, dann wird die Furche krumm, und der Pflug gräbt nicht tief genug. Ihr, sagt Jesus, seid Pflüger im Reich Gottes, Eure Furche muss gerade und tief werden, die ihr aufpflügt in dem Volk, das euch hört. Darum, eben darum darf kein Mensch, dem die Verkündigung Christi aufgetragen ist, darf also kein Christ nach links oder nach rechts sehen oder sich umwenden. Darum ist das Volk, das wir pflügen sollen, nicht Maßstab. Grenze und Ziel, sondern Raum, darin die große Ackerarbeit des Evangeliums geschieht. Einfältige Herzen braucht es, deren Augen einfältig auf das Ziel gerichtet sind.“

Nachdem Martin Niemöller am 1. Juli 1937 verhaftet worden war, übernahm Helmut Gollwitzer dessen Predigtdienst in Berlin-Dahlem. Von ihm stammt … Mehr

Martin Buber über Leitworte in biblischen Texten: „Unter Leitwort ist ein Wort oder ein Wortstamm zu verstehen, der sich innerhalb eines Textes, einer Textfolge, eines Textzusammenhangs sinnreich wiederholt: wer diesen Wieder­holungen folgt, dem erschließt oder verdeutlicht sich ein Sinn des Textes oder wird auch nur eindringlicher offenbar. Es braucht, wie gesagt, nicht dasselbe Wort, sondern nur derselbe Wortstamm zu sein, der solcherweise wiederkehrt; durch die jeweiligen Verschiedenheiten wird sogar oft die dynamische Gesamtwirkung gefördert.“

Über Leitworte in biblischen Texten Von Martin Buber Im Hinblick auf die Übersetzung der Hebräischen Bibel in das Deutsche und … Mehr

Hans Joachim Iwands „Gürtel“-Predigt über Jeremia 13,1-11 von 1936: „Gott in der Geschichte. — Das, was Jeremias hier seinem Volke vorspielen muß, ist Gott in der Geschichte, aber anders, als Ge­schichtsphilosophen und Heilspropheten von diesem Gott in der Geschichte träumen. Das ist kein Gott, der hinterherkommt, der sein Ja und Amen sagt zu dem, was nun einmal geschehen ist, son­dern sein Wort kommt vorher — und was danach kommt, das ist er selbst.“

Predigt über Jeremia 13,1-11 (Der Gürtel) Von Hans Joachim Iwand «So spricht der Herr zu mir: Gehe hin und kaufe … Mehr

Hans Joachim Iwands Predigtmeditation zu Lukas 18,31-43 (1950): „Aber dieser Blinde an der Straße, da Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem vorübergeht, nimmt den Augenblick wahr und wird ein Glaubender und weil er ein Glaubender wird, so kann er bitten, und weil er sich nicht schämt, Jesus zu bitten, schreit er laut und vernehmlich um Erbarmen! Er durchbricht das verstockte Schweigen aller derer, die Jesus nicht verstehen, er schreit. Er breitet sein Elend vor dem Herrn aus. Er wirft es ihm vor die Füße und lässt ihn nicht vorüber. Nicht zufällig steht diese Geschichte vom blinden Bettler gerade in dem Kapitel, das auch das Gleichnis von der bittenden Witwe und vom Zöllnergebet enthält. Der Blinde ist nicht nur ein Bild des in die Finsternis gestoßenen Menschen, sondern er ist zu­gleich ein Vorbild des aus der Finsternis herausgerissenen, geretteten, um seines Glaubens willen befreiten Menschen. Er ist ein Zeichen dafür, dass ‚bei Gott möglich ist, was bei den Menschen nicht möglich ist‘.“

Eine höchst anspruchsvolle Predigtmeditation zu Lukas 18,31-43 hatte Hans Joachim Iwand 1950 für den Sonntag Estomihi geschrieben: Predigtmeditation zu Lukas … Mehr

Gerhard von Rad, Predigt über Matthäus 20,1-15 (Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg): „Hier wird aus einer tiefen Solidarität heraus geurteilt. Dieses Offen­lassen des Letzten, diese verborgene Brüderlichkeit, die ist unter dem Schatten eines rein moralischen Gesetzes, eines nur menschli­chen Urteilens unmöglich, die gibt es nur da, wo man etwas von der anderen Wertung, von den Maßstäben des himmlischen Hausvaters weiß. Der wird am Ende allein recht behalten. Und er spricht auch! zu jedem von uns: »Mein Freund, ich tue dir nicht unrecht.« Amen.“

Im Kontext des Alten Testaments hatte Gerhad von Rad 1955 über Jesu Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg wie folgt … Mehr