„Freiheit und Politik“ heißt der Vortrag, den Hannah Arendt 1958 im Rahmen des Vortragszyklus »Erziehung zur Freiheit« im Schweizerischen Institut … Mehr
Kategorie: Politische Ethik
Martin Niemöller, Was schuldet der Christ dem Staat heute? (1957): „Der Staat, der sich selbst zum Zweck macht, der sich selber verabsolutiert, der Staat, der zur Totalität und zur Omnipotenz strebt, der richtet sich selbst zugrunde und zugleich die Menschen, die — was Recht und Frieden angeht — seiner Sorge anvertraut sind. Gott will nicht, dass der Staat an seine Stelle tritt und sich zum Gott macht; das ist Majestätsbeleidigung, das ist das crimen laesae majestatis, denn Gott duldet keine Usurpatoren, keine Konkurrenten. — So schuldet es der Christ dem Staat heute, ihn nicht nur an seinen Auftrag, sondern auch an seine Grenzen zu erinnern, weil der Staat, der seine Grenzen nicht erkennt und anerkennt, nicht nur sich selber, sondern auch seine Menschen tödlich gefährdet, und der Christ kann ja nicht im Blick auf die Menschen, d. h. auf die anderen erklären: ‚Soll ich meines Bruders Hüter sein?‘. Er ist es, oder er verleugnet sein Christsein.“
Auf Einladung der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin (Ost) hielt Martin Niemöller am 24. Mai 1957 im Auditorium Maximum vor … Mehr
José Ortega y Gasset über den Populismus in ‚Der Aufstand der Massen‘ (1929): „Der Massenmensch findet sich vollkommen. Der hervorragende Mensch muss, um sich vollkommen zu finden, ausgesprochen eitel sein. Die Überzeugung von seiner Vollkommenheit ist ein Fremdkörper in seinem Wesen; sie ist nicht ursprünglich in ihm, sondern ein Produkt seiner Eitelkeit und trägt sogar für ihn selbst einen vorgetäuschten, scheinhaften und fragwürdigen Charakter. Darum braucht der Eitle die anderen, damit sie ihm die Meinung, die er gern von sich selber hätte, bestätigen. Dem mittelmäßigen Menschen unserer Tage, dem neuen Adam, dagegen fällt es nicht ein, an seiner Gottähnlichkeit zu zweifeln. Sein Selbstvertrauen ist paradiesisch wie Adams; es hindert ihn daran, sich mit anderen zu vergleichen, was die erste Bedingung für die Entdeckung seiner Unzulänglichkeit wäre. Er müsste dazu eine Weile aus seinem eigenen Leben hinaus- und in das seines Nächsten hinüberwandern. Aber die gemeine Seele versteht sich nicht auf Seelenwanderungen – den sublimsten Sport.“
José Ortega y Gassets „Der Aufstand der Massen“ (La rebelión de las masas) erschien 1929 auf Spanisch und 1931 in … Mehr
Ernst Wolf, ‚Politischer Gottesdienst‘. Zum 80. Geburtstag des ‚Politikers‘ Karl Barth (1966): „Karl Barth musste der kulturprotestantischen, weithin lutherischen Tradition, er musste einem christlichen Nationalismus und einer kirchlichen Interessenpolitik in Deutschland einfach anstößig werden, denn er hat ihre Tabus angegriffen und zum Teil dann sogar entmachtet. Gerade damit aber hat er dem Christen in der Daseinsgemeinschaft mit Nicht- und Nichtmehr-Christen zu jener dienstbaren Freiheit verholfen, aus der allein echtes politisches Handeln am Gemeinwohl in Partnerschaft, an der salus publica sinnvoll und auch realisierbar ist, sofern es seine reine Weltlichkeit erkennt und bejaht.“
„Politischer Gottesdienst“. Zum 80. Geburtstag des „Politikers“ Karl Barth Von Prof. D. Dr. Dr. Ernst Wolf I. Man hat immer … Mehr
Menschen unseres Vertrauens – wenn es ums Wählen geht: „Bei der Landtagswahl wählen wir keine Parteiprodukte, sondern Volksvertreter, die im Parlament eine Regierung wählen und gesetzgeberisch Regelungen für unser zukünftiges Zusammenleben vorsehen. Dazu muss uns als Bürger auch Unliebsames oder schwer Verständliches zugemutet werden. Was es für unsere Wahl braucht, ist das persönliche Vertrauen in Kandidaten und damit auch in die zukünftigen Volksvertreter.“
Menschen unseres Vertrauens – wenn es ums Wählen geht Zwei Wahlen stehen im Oktober an, am 14. die Wahl zum … Mehr
Zur Ethik der Zahlen: „Wenn hinter Zahlen nicht länger wertzuschätzende Güter stehen, werden sie selbst zur alles bestimmenden Wirklichkeit. Es entsteht ein zahlengetriebenes Handeln, das sich selbst nur noch zahlenwertig darzustellen und sich darin mit anderen Zahlengefügen zu vergleichen weiß. Die allumfassende Relativität der Zahlen lässt nichts gelten, was auf sich selbst beruhen kann. Zahlen sind in ihrer komparativen Eigendynamik nicht satisfaktionsfähig; ihnen fehlt die Genugtuung.“
Wenn Zahlen uns die alles bestimmende Wirklichkeit sind. Zur Ethik der Zahlen Zahlen sind uns alltäglich gegenwärtig, vorrangig im beruflichen … Mehr
Ernst-Wolfgang Böckenförde, Wie können die Religionen friedlich und frei beisammen leben? (2007): „Mithin bleibt als Grundfrage, wieweit der Islam seiner Art nach auf eine grundsätzliche Trennung von Religion und Staat und die Anerkennung des säkularisierten Staates hin vermittelbar ist. Man muss hier genau auf die Auffassungen im Islam hinsehen und darf sie nicht vorschnell mit Äusserungen islamistischer Gruppen gleichsetzen.“
Wie und unter welchen Umständen kann der Islam in Deutschland toleriert werden? Dazu hat der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht und … Mehr