Leo Tolstoi, Was ist Geld (1890): „Auch die Frage, was Geld sei, wird alsdann ihre Lösung finden, und es wird sich herausstellen, dass das Geld durchaus nicht jenes un­schuldige Mittel der Wertmessung, der Verkehrserleichterung und der Sparmög­lichkeit ist, als welches die Wissenschaft es gegenwärtig darstellt, son­dern dass es das erste und vorzüglichste Mittel der Unterjochung des Menschen durch den Menschen ist, mit einem Wort, dass es ist: geron­nene Gewalt.“

Was ist Geld? Von Leo Tolstoi Geld! Was ist Geld? Geld ist ein Äquivalent für Arbeit. Ich habe gebildete Leute … Mehr

Max Horkheimers Gedanke zur Religion (1935): „Im Gottesbegriff war lange Zeit die Vorstellung aufbewahrt, daß es noch andere Maßstäbe gebe als diejenigen, welche Natur und Gesellschaft in ihrer Wirksamkeit zum Ausdruck brin­gen. Aus der Unzufriedenheit mit dem irdischen Schicksal schöpft die Anerkennung eines transzendenten Wesens ihre stärkste Kraft. Wenn die Gerechtigkeit bei Gott ist, dann ist sie nicht im selben Grade in der Welt. In der Religion sind die Wünsche, Sehnsüchte und Ankla­gen zahlloser Generationen niedergelegt.“

Gedanke zur Religion (1935) Von Max Horkheimer Im Gottesbegriff war lange Zeit die Vorstellung aufbewahrt, daß es noch andere Maßstäbe … Mehr

Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit. Über die evangelische Parrhesia: „Die Parrhesia im Sinne Foucaults ist gesellschaftlich verantwortete Wahrrede, die sich dikato­rischer Verstummung, ideologischer Bevormundung, narzisstischer Selbstgerechtigkeit, popu­listischer Verdummung, suprematischer Hassrede wie auch fatalistischer Untergangsbe­schwö­rung widersetzt. Und doch lässt sich fragen, welches Vertrauen die martyrische Wahrrede trägt. Wenn Parr­hesia im Neuen Testament mit ‚Freimut‘ bzw. ‚Zuversicht‘ wiedergegeben wird, hat dies eine escha­tologische Ausrichtung. Das freimütige Reden gründet sich in der eschatologischen Christusgemeinschaft, zu der Johannes einlädt: ‚Und nun, Kinder, bleibt in ihm, damit wir, wenn er offenbart wird, freimü­tig reden (schṓmen parrhesían) und nicht zuschanden werden vor ihm, wenn er kommt.'“

Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit. Über die evangelische Parrhesia „Es gilt ein frei Geständnis / in … Mehr

Michel Foucault über den Friedhof (Andere Räume): „In der Epoche, in der die Zivilisation, wie man gemeinhin sagt, ‚atheistisch‘ gewor­den ist, hat die abendländische Kultur den Kult der Toten installiert. Im Grunde war es natür­lich, dass man in der Zeit, da man tatsächlich an die Auferstehung der Leiber und an die Un­sterblichkeit der Seele glaubte, den sterblichen Überresten keine besondere Bedeutung zumaß. Sobald man jedoch nicht mehr ganz sicher ist, dass man eine Seele hat, dass der Leib auf­erstehen wird, muss man vielleicht dem sterblichen Rest viel mehr Aufmerksamkeit schenken, der schließlich die einzige Spur unserer Existenz inmitten der Welt und der Worte ist. Jeden­falls hat seit dem 19. Jahrhundert jedermann ein Recht auf seinen kleinen Kasten für seine kleine persönliche Verwesung; andererseits hat man erst seit dem 19. Jahrhundert be­gonnen, die Friedhöfe an den äußeren Rand der Städte zu legen.“

Über den Friedhof (Andere Räume, 1967) Von Michel Foucault Der Friedhof ist sicherlich ein anderer Ort im Verhältnis zu den … Mehr

Hannah Arendt über Freiheit und Politik (1958): „Will man die Menschen daran hindern, dass sie in Freiheit handeln, so muß man sie daran hindern, zu denken, zu wollen, herzustellen, weil offenbar all diese Tätigkeiten das Handeln und damit Freiheit in jedem, auch dem politischen Verstande mit implizieren. Daher glaube ich auch, dass wir das Phänomen der totalen Herrschaft durchaus missverstehen, wenn wir meinen, dass in ihr eine totale Politisierung des Lebens erfolgt, durch die Freiheit zerstört wird. Das gerade Gegenteil ist der Fall; wir haben es mit Phänomenen der Entpolitisierung zu tun, wie in allen Diktaturen und Despotien, nur daß diese Entpolitisierung hier so radikal auf­tritt, dass sie das politische Freiheitselement in allen Tätigkeiten vernichtet und sich nicht nur damit zufrieden gibt, das Handeln, also die politische Fähigkeit par excellence, zu zerstören.“

„Freiheit und Politik“ heißt der Vortrag, den Hannah Arendt 1958 im Rahmen des Vortragszyklus »Erziehung zur Freiheit« im Schweizerischen Institut … Mehr

Richard Schaeffler, Christlicher Glaube – Hoffnung aus Erinnerung (1978): „Wir erinnern uns an das Ende dieser Unheilswelt, in der wir heute noch leben, obgleich sie im Tode Jesu schon an ihr Ende geraten ist. Und des­halb erwarten wir eine kommende Welt, die für uns noch Hoffnung ist, gerade weil sie in Jesu Auferstehung schon begonnen hat. Unsere Erinnerung ist Danksagung, weil die Vergan­gen­heit, an die wir uns erinnern, die von Gott her schon gewirkte Zukunft ist, die sich für unsere Erwartung auftut.“

Der jüngst verstorbene katholische Philosoph Richard Schaeffler (1926-2019) hat als Sohn einer jüdischstämmigen Mutter eine besondere Sensibilität für eine anamnetische … Mehr

Hannah Arendt über die Lüge in der Politik: „Die bewusste Leugnung der Tatsachen – die Fähigkeit zu lügen – und das Vermögen, die Wirklichkeit zu verändern – die Fähigkeit zu handeln – hän­gen zusammen; sie verdanken ihr Dasein derselben Quelle: der Einbildungs­kraft. Es ist näm­lich keineswegs selbstverständlich, dass wir sagen können ‚Die Sonne scheint‘, wenn es tat­säch­lich regnet (gewisse Hirnverletzungen haben den Verlust dieser Fähigkeit zur Folge). Es be­weist vielmehr, dass wir mit unseren Sinnen und unserm Verstand zwar für die Welt gut ausgerüstet, dass wir ihr aber nicht als unveräußerlicher Teil eingefügt sind. Es steht uns frei, die Welt zu verändern und in ihr etwas Neues anzufangen. Ohne die geistige Freiheit, das Wirkliche zu akzeptieren oder zu verwerfen, ja oder nein zu sagen – nicht nur zu Aussagen oder Vorschlägen, um unsere Zustimmung oder Ablehnung zu bekunden, sondern zu Dingen, wie sie sich jenseits von Zustimmung oder Ablehnung unseren Sinnes- und Erkenntnisorga­nen darbieten –, ohne diese geistige Freiheit wäre Handeln unmöglich. Handeln aber ist das eigentliche Werk der Politik.“

Die Lüge in der Politik (Lying in Politics) Von Hannah Arendt Als 1971 Teile des sogenannten Pentagon-Papiere, ein Geheimdokument des … Mehr