Hermann Diem, Predigtmeditation zu Lukas 18,9–14 (1953): „Aber beachten wir: der Pharisäer im Gleichnis hat Gott auch gedankt, und zwar auch für seine Fortschritte in der Heiligung. Es ist sogar erstaunlich, wofür er alles danken konnte. Er hat durchaus den richtigen Maßstab für seine Selbstprüfung: die Zehn Gebote. Und wir haben keinerlei Recht zu der Annahme, dass es etwa nur Heuchelei gewesen wäre, die ihn für seine Erfüllung der Gebote danken ließ. Wir wollen uns lieber fragen lassen, ob es mit unserer Gesetzeserfüllung so gut bestellt ist wie mit der seinen. Und wofür dankt er? Dass er nicht ist wie die anderen Leute, die nach den Geboten Gottes nichts fragen, wie z. B. dieser Zöllner hier? Das scheint doch ein sehr frommes Gebet zu sein. Wer von uns hat denn Gott schon dafür gedankt, wenn er vor dem Weg des Zöllners bewahrt blieb? Was ist dem Pharisäer denn eigentlich vorzuwerfen?“

Predigtmeditation zu Lukas 18,9–14 Von Hermann Diem Dass Jesus die Geschichte ein „Gleichnis“ nennt, ermahnt uns, sie in der Gezieltheit … Mehr

Johannes Hamel, Christenheit unter marxistischer Herrschaft (1959): „Es werden dann die politischen Mächte hüben und drüben ihr dunkles Spiel mit einer Christenheit treiben, die darum in feindliche Parteien auseinander­fällt, weil sie gemeinsam sich nichts mehr sagen läßt. Hinter kirchlichen Gegnern erschei­nen die Schatten oder gar die Leiber der Poli­tiker des Kalten Krieges in der Gegenwart und eines drohenden Heißen Krieges in der Zu­kunft. Ein unheimlicher Sog verwandelt dann die Botenschar des souveränen Herrn in Reli­gionsgemeinschaften, die nachträglich das religiös-theologisch-christlich ‚untermauern‘, was die Politiker vorher entschieden, verkündet und getan haben. Man spricht es nicht aus, aber es liegt unausgesprochen in der Luft: es wird hüben die ‚Weltrevolution‘ und drüben ein Kampf für die ‚Freiheit‘ und die ‚Be­freiung‘, auch mit Atombomben, für christlich möglich, erlaubt, vielleicht sogar geboten er­achtet.“

Christenheit unter marxistischer Herrschaft Von Johannes Hamel unterwegs. eine evangelisch Zeitbuchreihe, Bd. 7, Berlin: Käthe Vogt Verlag, 1959 STICHWORTE DIE … Mehr

Die Reaktion des Speyerer Reichstages auf den Bauernkrieg (August 1526): „Und obwohl das einfache Volk und die Untertanen sich in den vergangenen Unruhen schwer verfehlt und sich grob gegenüber ihren Obrigkeiten verhalten haben, sollen sie dennoch die Gnade und Barmherzigkeit ihrer Herrschaften mehr spüren als die Strenge, die ihre törichte Tat eigentlich verdienen würde. Deshalb soll jede Obrigkeit die Befugnis haben, ihre Untertanen, die sich in Gnade oder Ungnade begeben haben oder bestraft wurden, nach eigenem Ermessen wieder in ihren früheren ehrenhaften Stand zu versetzen, ihnen das Recht zu geben, Rat und Gericht zu führen, Zeugnis zu geben und Ämter zu übernehmen. Auch sollen sie jederzeit in ihren Anliegen gnädig und wohlwollend angehört und entsprechend der Sachlage gerecht behandelt werden. Die Obrigkeit oder ihre Beamten sollen die Untertanen nicht ungerecht belasten, sondern diejenigen, die Recht suchen, beim Recht belassen und sie außerhalb des Rechts nicht belasten.“

Die Reaktion des Speyerer Reichstages auf den Bauernkrieg (August 1526) Die neuere Forschung hat den häufig wiederholten Mythos widerlegt, die … Mehr

Reinhold Krause’s antisemitic Sports Palace speech of November 13, 1933: „If we National Socialists are ashamed to buy a tie from a Jew, then we ought to be even more ashamed to accept anything that speaks to our soul, the innermost religious, from a Jew. (Sustained applause.) To this belongs also that our church may no longer admit into its ranks any people of Jewish blood. We have not only fought against Jewish mission, but we have always emphasized: people of Jewish blood do not belong in the German People’s Church (strong applause)—neither in the pulpit nor under the pulpit. And where they stand in the pulpit, they must disappear as quickly as possible. (Cheers, applause.) It will also be necessary for our regional church to concern itself with removing all obviously distorted and superstitious reports from the New Testament, and to declare a fundamental renunciation of the whole scapegoat and inferiority theology of the rabbi Paul.“

Speech by the District Leader of the „German Christians“ Faith Movement in Greater BerlinDr. [Reinhold] KrauseDelivered in the Sports Palace … Mehr

Jantine Nierop, Die Aktualität von K.H. Miskottes Notizen über die Sprache der Predigt: „Ein Text, der selbst – in seiner Form – den Dabar-Charakter hat, verbietet streng genommen die Formulierung eines Themas; ein Text hingegen, der eine Beschreibung oder einen Spruch enthält, führt oder zwingt sogar zur Formulierung eines Themas; die rechte Predigt hat kein in sich ruhendes ‘Thema’, das man behandeln kann.“ Laut Miskotte hat die Predigt also Dabar-Charakter, das heißt: Sie ist ein Wort, das zugleich eine Tat ist, ein Wort, das geschieht. Anders gesagt: Die Predigt verweist nicht nur auf eine andere Wirklichkeit, sondern stellt das, wovon sie spricht, selbst gegenwärtig. Den Gottesdienst bezeichnet Miskotte deshalb auch als eine „Begegnung Gottes mit seinem Volk, die Realisierung einer besonderen Gegenwart“.

„Am liebsten auch in der Wortform ein Gotteswort“. Die Aktualität von K.H. Miskottes Notizen über die Sprache der Predigt Von … Mehr

Gerhard Friedrich über Hans Joachim Iwand (1969): „Iwand war ein Mann des Ostens. Er liebte die Menschen wie das Land des Ostens. Das heißt aber nicht, dass er sich einer östlichen Ideologie verschrieben hatte. Einige Wochen vor seinem Tode be­kannte er, er sei Preuße und denke in vielen Stücken ganz ähnlich wie Schoeps, er sei weder Sozialist noch Kommunist, sondern Kapitalist. Seine Herkunft aus Preußen und sein Preußentum lassen es verstehen, dass er im Grunde genommen ein konservativer Mann war, der die Ver­bindung mit dem Osten nicht aufgeben wollte und konnte und der aus seinem preußischen Konservatismus heraus revolutionär gegen das westliche Abendland und gegen den Amerikanismus wurde.“

Hans Joachim Iwand (11. Juli 1899-2. Mai 1960) Von Gerhard Friedrich Am 2. Mai 1970 jährt sich zum zehnten Mal … Mehr

Gerhard von Rad, Erwägungen zum Prediger Salomo (1941): „So ist Kohelet dem unenträtselbaren Geheimnis der Dinge und Geschehnisse deckungslos ausgeliefert. Es fehlt ihm das Wort Gottes, eine direkte Anrede von Gott her; den Weg zu Hiob 42,1—5 ist er nicht geführt worden. Eine merkwürdige Inkonsequenz liegt allerdings darin, dass Kohelet von seiner radi­kalen Skepsis aus doch nicht den letzten Schritt zum Nihilismus, zum völligen Bankrott des Glaubens getan hat. Darin haben ihn, wie wir sahen, einige Reste des alten Gemeindeglaubens bewahrt; er wird trotz all seines Kampfes gegen die weisheitliche Tradition doch gerade von ihr noch über dem Abgrund gehalten.“

Erwägungen zum Prediger Salomo. Im Anschluß an den Kommentar von Kurt Galling Von Gerhard von Rad Handbuch zum Alten Testament … Mehr