Und manchmal hört man Gott vorübergehn!
Um viele Einsamkeiten reicher
verlässt uns jede neue Nacht;
der Engel, der uns matt bewacht,
ist jeden Morgen müder, bleicher
und lässt uns ungestärkt die Tage sehn.
Wir ziehn die Trauer oft in allen Arten,
da steht sie in der Tränen blassem See
als Lilie, als Tulpe oder Klee –
als schwarze Rose krönet sie den Garten,
in dessen Mitte wir wie Fremde stehn.
Und manchmal hört man Gott vorübergehn!
Sein Gang ist schwer, so wie ein Abendlied,
und es kann sein, dass er den Garten sieht.
Dann bleibt er ab und zu ein wenig stehn,
wählt aus der Trauer irgendeine Art.
Er nimmt sich selten eine von den Rosen
und selbst die Tulpen lächelt er bloß an.
Die Lilien, wie müde und vertan,
berührt er kaum mit seinen warmen, großen,
geliebten Händen – nur ganz zart.
Nahm er sich einmal, ehe ich’s gewahrt,
aus meinem Garten einen blassen Klee …
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Er ließ dafür sein Abbild in dem See!
Quelle: Christine Lavant, Werke in vier Bänden, Band 3: Gedichte aus dem Nachlass, herausgegeben von Klaus Amann und Doris Moser, Göttingen: Wallstein Verlag, 2017.