Werner Sylten wurde am 27. Februar 1941 verhaftet und ins KZ Dachau deportiert. Trotz Krankheit und Folter meldete er sich nicht krank, da dies einen Abtransport in den Tod bedeutete. Er wurde dennoch als krank eingestuft und wahrscheinlich am 12. August 1942 in die NS-Tötungsanstalt Hartheim gebracht, wo er vergast wurde. Offiziell gilt der 26. August 1942 als sein Todestag.
Gebet
«Wenn mir am allerbängsten / wird um das Herze sein,
so reiß mich aus den Ängsten / kraft Deiner Angst und Pein.»
[O Haupt voll Blut und Wunden, Strophe 9]
Christus allein kann Segen
auch schaffen aus dem Leid,
auf unbeschwerten Wegen
uns führ’n zur Ewigkeit,
die in dies dunkle Leben
voll Rätsel und voll Streit
kann Licht und Freude geben
und Fried’ und Ruh’ verleiht,
die uns die Welt bleibt schuldig,
die uns der Mensch nicht gibt.
Drum schaue nur geduldig
auf Christ, der uns geliebt,
daß er sein Leben tauchte
in Nacht und Gram und Tod,
und der am Kreuz noch hauchte:
«Mein Gott, dennoch, mein Gott.»
Mein Gott, auch in des Lebens
dunkler Weglosigkeit
laß uns doch nicht vergebens
Not und Verlassenheit
im Schauen auf Dich verwinden.
Reiß uns aus Angst und Pein
und laß am Kreuz Dich finden,
Dich unser Heiland sein.
Quelle: Du hast mich heimgesucht bei Nacht. Abschiedsbriefe und Aufzeichnungen des Widerstandes 1933-1945, hrsg. v. Helmut Gollwitzer, Käthe Kuhn und Reinhold Schneider, München: Chr. Kaiser, 1954, S. 395f.