Karl Barth, Der Einzelne in dieser Zeit (1957): „Wer ist er denn, dieser Einzelne, wenn er sich als solcher einmal recht statt schlecht verstehen wollte? Wirklich der arme Einsame, der Angst haben muss, zu kurz zu kommen, wenn er sein Leben nicht für sich haben und führen kann, der darum auf das Recht seines Eigensinns und Eigenwillens pochen, der darum zur Privatperson und damit zum Räuber und damit zum Totengräber seiner Freiheit werden muss? Es ist klar, wie die liebe Sonne: Er ist in der ihm gegebenen Besonderheit, Einzigartigkeit und Einmaligkeit, in der er dieser und dieser Mensch ist und die niemand ihm nehmen kann, einer unter anderen, die in der ihnen gegebenen Besonderheit, Einzigartigkeit und Einmaligkeit wie er selbst einzelne sind. Er ist es also gerade nicht ohne sie. Und er ist es nicht weniger, aber auch nicht mehr als sie. Sie gehören ihm nicht, er kann über sie nicht verfügen, wie er auch nicht ihnen gehört, wie sie auch über ihn nicht verfügen können. Er ist schlicht ihr Nächster, ihr Nachbar und sie sind die seinigen. Er ist mit ihnen und sie sind mit ihm. Er und sie sind gerade als einzelne Menschen Mitmenschen.“

Der Einzelne in dieser Zeit (1957) Von Karl Barth Vermute ich recht, wenn ich annehme, daß Sie bei dem Thema … Mehr

Ellen F. Davis und Richard B. Hays, Jenseits der Kritik: Die Kunst, die Bibel neu zu lesen (2004): „Die Schrift erzählt wahrhaftig die Geschichte von Gottes schöpferischem, richtendem und rettendem Handeln. Gott ist der Hauptakteur der biblischen Erzählung. Der dreieinige Gott, den Christen verehren, ist der Gott Israels, der sein Volk aus der Sklaverei führte, ihm die Tora gab und Jesus von den Toten auferweckte. Derselbe Gott wirkt auch heute in der Welt. Er ist keine Projektion menschlicher Religiosität. Wer die biblische Geschichte reduziert – als Symbol der menschlichen Psyche oder als Machtinstrument –, verfehlt ihre zentrale Botschaft. Die Schrift offenbart Gottes Wort, das Dinge ins Dasein ruft, unsere Vorurteile richtet und unvorstellbare Gnade schenkt.“

Jenseits der Kritik: Die Kunst, die Bibel neu zu lesen Von Ellen F. Davis und Richard B. Hays (1948-2025) Eine … Mehr

Leonhard Ragaz in Sachen religiös-sozialistische Fremdenfeindlichkeit 1917: „Von allen Seiten brandet die Flut fremden Volkstums heran und überschwemmt fast unmerklich Stück für Stück unseres Landes. Im Osten sind es die Tiroler und Italiener, im Süden die Italiener allein, im Westen die Franzosen, im größten Teil der Schweiz aber und ein wenig überall die Deutschen. In unseren Städten bilden die Fremden da und dort zwei Fünftel bis fast die Hälfte der Einwohner. Diese Fremden haben wenig Lust, Schweizerbürger zu werden. So kommt man denn und rechnet uns kaltblütig vor, dass, wenn es so weitergeht, in fünfzig Jahren mehr Fremde in unserem Lande wohnen werden als Schweizerbürger. Während des Krieges sind ganze Heere von uns weggezogen zu den Fahnen der verschiedenen Völker. Das sind unerhörte Zustände. Kein Volk der Erde kennt etwas Ähnliches. Auf dieser Linie rückt uns das Finis Helvetiae zum Greifen nahe.“

Auch das kann zu einem (national-)religiösen Sozialismus gehören – Fremdenfeindlichkeit, so Leonhard Ragaz in seiner Programmschrift „Die neue Schweiz“ 1917: … Mehr

Martin Luther, Predigt über Matthäus 11,25-30 (1546): „Siehe, so sind die Weisen der Welt verworfen, damit wir lernen, nicht uns selbst weise zu dünken und alle hohen Personen aus den Augen zu tun und überhaupt die Augen zuzutun, allein an Christi Wort uns zu halten und zu ihm zu kommen, wie er uns ja auch aufs Freundlichste lockt, und zu sagen: du bist allein mein lieber Herr und Meister, ich bin dein Schüler. Das und viel mehr wäre von diesem Evangelium weiter zu sagen, aber ich bin zu schwach, wir wollen’s hierbei bleiben lassen.“

Predigt über Matthäus 11,25-30 (1546) Von Martin Luther Luthers letzte Predigt, gehalten am 15. Februar 1546 – drei Tage vor … Mehr

John Donne über die Probleme des Gebets: „Es muss mein eigenes Gebet sein, und kein Gebet ist so wahrhaft oder so rechtmäßig mein eigenes wie das, welches die Kirche mir überliefert und empfohlen hat. Wenn wir also wollen, dass ER herabkommt, unsere Schlachten kämpft oder unsere Leiden lindert, dann sollen wir zuerst zu ihm aufsteigen — in demütigem und innigem Gebet. Dass er das Evangelium dort bewahre, wo es ist, es zurückbringe, wo es verloren ging, und es hintrage, wo es noch nie gehört wurde; Nächstenliebe bedeutet, alles für alle zu tun — und der Ärmste unter uns kann dies für jeden tun.“

Über die Probleme des Gebets Von John Donne Aber wenn wir mit religiösem Ernst die vielfältigen Schwächen selbst der stärksten … Mehr

Johannes Evangelista Goßner, An die Sänger dieser Lieder (Sammlung auserlesener Lieder von der erlösenden Liebe, 1822): „Da aber Gott ein Geist ist und alle, die ihn anbeten, ihn im Geiste und in der Wahrheit anbeten müssen, so soll unser Gesang kein bloßes Lippenwerk, sondern ein geistiges, herzerhebendes, lebendiges Hinnahen zu Gott und Christus sein, wobei der Geist mehr als die Kehle, das Herz mehr als die Stimme zu tun hat. Darum sagt Paulus: ‚Singet dem Herrn in euren Herzen.‘ Erhebet vielmehr das Herz als die Stimme. Der Herr sieht das Herz an und hört die Stimme doch, wenn sie auch nicht so laut tönt. Ferne sei von euch bei dem heiligen Gesange das Geschrei, ferne jene eitle Eitelkeit der Kunstsänger auf der Schaubühne, die sich hören lassen, ihre Stimme und Kunst bewundern – und bezahlen lassen. O Lieber! Nicht dich, nicht dich – die Wahrheit, das Wort, das du besingst, sollst zuerst du selbst hören und fühlen, und über diesem Gefühl dich und deine Stimme vergessen. Und dann sollen auch andere vielmehr deine Andacht und den Eindruck von der besungenen Wahrheit dir abfühlen, als von deiner Stimme unterhalten werden.“

An die Sänger dieser Lieder. Vorrede zur zweiten Auflage der Sammlung auserlesener Lieder von der erlösenden Liebe Von Johannes Evangelista … Mehr

Kindergebet in Anschluss an Jesu Lobpreis (Matthäus 11,25-26): „Du lässt dich auf Kindersprache und Kinderbilder ein, schaust staunenden Kindern liebevoll in deren Augen. Kinderlieder sind Dir ein Wohlgesang. So loben und preisen wir Dich als Kinder, die Dir nicht entwachsen sind. Dir sei Ehre und Dank, alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit.“

Vater, Herr des Himmels und der Erde,Deinen Ratschluss, deine gute Nachrichthast Du nicht Theologen zukommen lassen.Was mit komplizierten Sätzen Dir … Mehr

Paul Gerhard Braune, Denkschrift Betrifft: Planwirtschaftliche Verlegung von Insassen der Heil- und Pflegeanstalten (1940): „Auch eine andere ernste Frage taucht auf. Wie weit will man mit der Vernichtung des sogenannten lebensunwerten Lebens gehen? Das bisherige Massenverfahren hat bewiesen, dass man viele Leute erfasst hat, die weithin klar und zurechnungsfähig sind. In einem mir besonders gut bekannten Fall sollten sechs Mädchen mitverlegt werden, die dicht vor ihrer Entlassung aus der Anstalt standen, um in Arbeitsstellen als Hausgehilfinnen vermittelt zu werden. Will man nur die völlig Hoffnungslosen, etwa die Idioten und Blöden treffen? Das Merkblatt führt, wie schon oben gesagt, auch die Alterserkrankungen auf. Die neueste Verordnung der gleichen Behörden fordert die Erfassung der Kinder mit schweren angeborenen Leiden und Mißbildungen jeder Art, ihre Sammlung und Erfassung in besonderen Anstalten. Welche ernsten Befürchtungen müssen da aufsteigen. Wird man vor den Tuberkulosen haltmachen? Bei den Sicherungsverwahrten sind scheinbar die Maßnahmen der Euthanasie schon begonnen. Werden auch andere Anormale und Asoziale erfasst? Wo liegt die Grenze? Wer ist anormal, asozial, wer ist hoffnungslos krank? Wer ist gemeinschaftsunfähig? Wie wird es den Soldaten gehen, die sich im Kampf für das Vaterland unheilbare Leiden zuziehen? Solche Fragen sind schon in ihrem Kreise aufgetaucht. Hier steigen ernsteste Fragen und Sorgen auf. Es ist ein gefährliches Unterfangen, die Unverletzlichkeit der Person ohne jeden Rechtsgrundsatz preiszugeben. Jedem Rechtsbre­cher wird der gesetzliche Schutz gewährt, soll man gerade die Hilflosen ohne Schutz lassen? Wird es nicht die Ethik des ganzen Volkes gefährden, wenn das Menschenleben so wenig gilt?“

Denkschrift – Betrifft: Planmäßige Verlegung der Insassen von Heil- und Pflegeanstalten Von Paul Gerhard Braune Der Lobetaler Anstaltsleiter, Pastor Paul … Mehr