Wenn der Glaube ausgesiebt wird …: „Hierzu ist es gut, sich selbst und auch anderen eigene Glaubenszweifel einzugestehen. Je mehr der Glaube für unser Leben fassen und tragen soll, desto eher wird er auch angezweifelt. Zweifel zeigen, dass es mir mit dem Glauben ernst ist und ich nicht einfach der Vernunft das letzte Wort geben möchte. Werden Zweifel nicht zur Sprache gebracht, legen sie sich als lautlose Hülle auf die Seele und drohen, den Glauben zu ersticken.“

Wenn der Glaube ausgesiebt wird …

Im Garten wird immer mal wieder ausgesiebt. Schüttet man den Erdaushub durch ein feinmaschiges Metallsieb und rüttelt dies, bleiben die Steine im Sieb zurück, während der feine Sand durchrieselt. Gewöhnlich wird der durchgesiebte Sand zurückbehalten, während die sperrigen und kantigen Steine aussortiert und weggeworfen werden.

So kann es bildhaft unserem Glauben ergehen, wenn er sich den Zweifel ersparen möchte. Überlieferten Glaubensinhalte bzw. Dogmen werden in das Sieb der eigenen Vernunft gegeben. Was vernünftigerweise hindurchpasst, behalten wir; was aneckt oder sich unserem Begreifen entzieht, sortieren wir aus. Zurück bleibt ein vernunftgerüttelter Glaube, der zwar leicht verständlich erscheint, aber keinen tragfähigen Grund bildet – gleichsam ein Baugrund aus feinem, homogenisiertem Sand, vor dem uns Jesus am Ende seiner Bergpredigt warnt (Matthäus 7,24–27). Was wir selbst begreifen und kontrollieren können, trägt unser Leben letztlich nicht.

Unsere ganze Aufmerksamkeit und Geduld verdient das, was im Sieb zurückbleibt. Die spitzfindigen Steine stehen für jene Glaubenswahrheiten, die uns herausfordern: die göttliche Dreieinigkeit, die Menschwerdung des Sohnes Gottes, der stellvertretende Sühnetod Jesu Christi am Kreuz, seine leibliche Auferstehung und seine leibliche Gegenwart im Altarsakrament. Was manch selbstgenügsame Vernunft voreilig aussieben möchte – da es sperrig oder anstößig erscheint –, will sich auf Dauer als tragfähiger Fels des Glaubens erweisen. Nicht das Homogenisierte, sondern das Widerständige erweist sich als dauerhaft tragfähig für das, was Christus über unsere eigenen Lebensmöglichkeiten hinaus verspricht. Es braucht jedoch eine liturgische, also gottesdienstliche Praxis mit einem Wiederkäuen im eigenen Herzen (ruminatio), um mit diesen Glaubensgeheimnissen vertraut zu werden.

Hierzu ist es gut, sich selbst und auch anderen eigene Glaubenszweifel einzugestehen. Je mehr der Glaube für unser Leben fassen und tragen soll, desto eher wird er auch angezweifelt. Zweifel zeigen, dass es mir mit dem Glauben ernst ist und ich nicht einfach der Vernunft das letzte Wort geben möchte. Werden Zweifel nicht zur Sprache gebracht, legen sie sich als lautlose Hülle auf die Seele und drohen, den Glauben zu ersticken.

Eigene Zweifel müssen nicht verschwiegen werden; wir dürfen sie mit unseren eigenen Worten ins Gebet nehmen, wie dies der Vater des besessenen Knaben gegenüber Jesus getan hat: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9,24). So darf auch unser eigenes Gebet lauten: „Jesus Christus, Sohn Gottes, komm mir nahe in meinem Zweifeln. Suche mich auf in der dunklen Nacht meiner Seele, damit mein Glaube zu dir findet. Ich glaube – hilf meinem Unglauben.“

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