Warum der Religionsbegriff für Christen unpassend ist: „Wenn man von der eigenen christlichen Religion spricht, ist diese unvermeidlich dem Tod ausgesetzt. Glaubensinhalte sind nicht ‚unsterblich‘. So sterben Religionen mit der Zeit aus, wenn sie keine Anhänger mehr haben. Und Aussagen über eine postmortale Auferstehung der Toten gelten religiös nur solange wie man selbst am Leben ist. Stirbt der Mensch als ‚reli­giöses‘ Subjekt, ist damit für ihn die persönliche Glaubensüberzeugung ‚Leben nach dem Tod‘ erledigt. Sie mag ihm zu Lebzeiten Trost (im Falle des Todes eines Angehörigen) oder eigene Hoffnung (angesichts des eigenen bevorstehenden Todes) gegeben haben, aber letzt­endlich vernichtet der Tod Glaubensinhalte. Sie haben keine eigene Wirklichkeit, die den Tod überwindet. Was auch immer religiös gedacht, gelehrt oder praktiziert wird, findet im Tod ihr Ende. Im Tod ist es aus mit der Religion. Sie erweist sich letztendlich als unwirklich (anergetisch).“

Warum der Religionsbegriff für Christen unpassend ist Wenn vom Christentum als (Welt-)Religion mit Jesus als Religionsstifter – analog zu Mose, … Mehr

Max Horkheimers Notiz über Aufklärung und Religion: „Je weiter die Naturerkenntnis fortschreitet und je gerechter und durchsichtiger die Gesellschaft wird, so dass keine gesellschaftlich bedingten Unterschiede, kein gesellschaftlich bedingtes Leid den Finger Gottes als Erklärung fordern, desto weniger werden die Menschen der Religion bedürfen. Aber, so könnten sie erwidern, werden wir dann nicht der Religion bedürfen, weil wir doch sterben müssen und weil die Kreatur, die nichtmenschliche, durch die Natur und vor allem durch die unbarmherzige Menschheit leidet? Bedarf es nicht immer der Religion, weil die Erde, auch wenn die Gesellschaft in Ordnung wäre, das Grauen bleibt?“

Über Aufklärung und Religion (1959/60) Von Max Horkheimer Der Begriff von Göttern oder Gottes, so sagten die Aufklärer der Nationen, … Mehr

Religionismus im Lexikonformat – was Meyer’s Konversationslexikon unter ‚Religion‘ versteht (1889): „Zunächst kann ein abschließendes Wort über Begriff und Wesen der Religion erst gesprochen werden als Ergebnis vergleichender Untersuchungen, wie die allgemeine Religionsgeschichte sie anstellt. Übersichtliches, klares Wissen um den Entwickelungsgang der Religion in der Menschheit ist die erste Vorbedingung zur Lösung der Aufgabe. Unsre Zeit strebt nach Erfassung des Weltzusammenhanges auf Grund der Erfahrungswissenschaften, nach spekulativen Resultaten auf der Unterlage empirisch gesicherter Prämissen, nach deduktiver Zusammenfas-sung von auf induktivem Wege gefundenen Erkenntnissen.“

Artikel „Religion“ in Meyers Konversationslexikon (1889) Religion (lat.), ein im Gesamtleben der Menschheit ebenso bedeutsames wie in seiner begrifflichen, ja … Mehr