Max Horkheimers Notiz über Aufklärung und Religion: „Je weiter die Naturerkenntnis fortschreitet und je gerechter und durchsichtiger die Gesellschaft wird, so dass keine gesellschaftlich bedingten Unterschiede, kein gesellschaftlich bedingtes Leid den Finger Gottes als Erklärung fordern, desto weniger werden die Menschen der Religion bedürfen. Aber, so könnten sie erwidern, werden wir dann nicht der Religion bedürfen, weil wir doch sterben müssen und weil die Kreatur, die nichtmenschliche, durch die Natur und vor allem durch die unbarmherzige Menschheit leidet? Bedarf es nicht immer der Religion, weil die Erde, auch wenn die Gesellschaft in Ordnung wäre, das Grauen bleibt?“

Über Aufklärung und Religion (1959/60) Von Max Horkheimer Der Begriff von Göttern oder Gottes, so sagten die Aufklärer der Nationen, … Mehr

Religionismus im Lexikonformat – was Meyer’s Konversationslexikon unter ‚Religion‘ versteht (1889): „Zunächst kann ein abschließendes Wort über Begriff und Wesen der Religion erst gesprochen werden als Ergebnis vergleichender Untersuchungen, wie die allgemeine Religionsgeschichte sie anstellt. Übersichtliches, klares Wissen um den Entwickelungsgang der Religion in der Menschheit ist die erste Vorbedingung zur Lösung der Aufgabe. Unsre Zeit strebt nach Erfassung des Weltzusammenhanges auf Grund der Erfahrungswissenschaften, nach spekulativen Resultaten auf der Unterlage empirisch gesicherter Prämissen, nach deduktiver Zusammenfas-sung von auf induktivem Wege gefundenen Erkenntnissen.“

Artikel „Religion“ in Meyers Konversationslexikon (1889) Religion (lat.), ein im Gesamtleben der Menschheit ebenso bedeutsames wie in seiner begrifflichen, ja … Mehr

Diätetik statt Sinnstiftung. Eine Erörterung der Frage: Was ist eine gute Religion?: „Der Ausfall jener unsichtbaren Mächtesphäre dürfte wohl der Grund sein, warum in Europa viel von Religion die Rede ist, ohne dass Menschen religiös tätig wären. Für ko­gnitive «Sinnstiftung» oder «Kontingenzbewältigung» lohnt es sich nicht, wirklich religiös zu sein. Religion bleibt so zwangsläufig auf das Ästhetische reduziert. Sie hat, da eine religiöse Diä­tetik nicht greifen kann, auf Dauer kaum Be­standsaussichten in Europa.“

Fünf Jahre Theologie unterrichten in einer anderen Kultur verändert eigene Sichtweisen in Sachen Religion. Ich habe dazu einen Artikel in … Mehr