Martin Buber, Hoffnung für diese Stunde. Eine Ansprache (1952): „Die Hoffnung für diese Stunde ist auf die Hoffen­den selber, auf uns selber gestellt. Ich meine damit: auf die unter uns, die die Krankheit des heutigen Menschen am tiefsten empfinden und in seinem Namen das Wort sprechen, ohne das es keine Heilung gibt: Ich will leben. Die Hoffnung für diese Stunde geht auf eine Erneuerung der dialogischen Unmittelbarkeit zwischen den Menschen.“

Martin Bubers Ansprache vom 6. April 1952, die er in Carnegie Hall in New York gehalten hatte, ist immer noch…

Dietrich Bonhoeffer, Predigt über Matthäus 8,23-27 (1933): „Die Bibel, das Evangelium, Christus, die Kirche, der Glaube – sie alle sind ja das eine große Kriegsgeschrei gegen die Furcht im Leben der Menschen. Die Furcht – das ist irgendwie der Urfeind selbst. Die Furcht sitzt dem Men­schen im Herzen. Sie höhlt ihn innerlich aus, bis er plötzlich widerstandslos und machtlos zusammenbricht. Sie zerfrisst und zernagt heimlich alle Fäden, die den Menschen mit Gott und den anderen verbinden, und wenn der Mensch in seiner Not sich an sie klammern will, dann zerreißen sie und hilflos und verzweifelt sinkt der Mensch unter dem Gelächter der Hölle in sich selbst zurück. Und nun grinst ihn die Furcht unverhohlen an und sagt zu ihm: Jetzt sind wir beide allein, du und ich, nun zeige ich dir erst mein wahres Gesicht.“

Am 15. Januar 1933 hatte der junge Dietrich Bonhoeffer in der Berliner Dreifaltigkeitskirche eine Predigt gehalten, die für unsere gegenwärtige…

Martin Luther, Der 82. Psalm ausgelegt: „Aber gleichwie er auf dieser Seite dem Unfrieden des Pöbels wehrt und ihn darum unter Schwert und Gesetz wirft, so wehrt er auch auf der andern der Obrigkeit, dass sie solche Maje­stät und Gewalt nicht zu ihrem Mutwillen, sondern zum Frieden gebrauchen soll, für den sie von ihm gestiftet und erhalten wird. Trotzdem will er dem Pöbel nicht erlauben, die Faust wider sie aufzuheben oder zum Schwert zu greifen, als dürfte er die Obrigkeit strafen und richten. Nein, das soll er lasten, Gott wills nicht und hats ihm nicht befohlen. Darum soll er nicht selber Richter sein und sich nicht selber rächen oder mit Frevel und Gewalt fahren, son­dern er selbst, Gott, will die böse Obrigkeit strafen und der Obrigkeit Gesetz und Recht setzen und stellen. Er will über sie Richter und Meister sein. Er will sie wohl finden, bester als sie sonst jemand finden kann, wie er denn bisher von der Welt Anfang an getan hat.“

Der 82. Psalm ausgelegt (1530) Von Martin Luther Psalm 82 ist für Martin Luther neben Psalm 101 und Psalm 127…

Joseph Wittig, Wo der Heiland zu Welt kommt (Leben Jesu in Palästina, Schlesien und anderswo): „»Wo liegt denn nun aber Nazareth?« fragte ich. »Drin in der Stube, um die Hobelbank des Zimmermanns.« »Und wo Bethlehem?« »Wo der Heiland zur Welt kommt!« So waren wir wieder aus der Geographie in die Mystik hin­eingekommen. Maria kehrte aus den Bergen heim. Großmutters Füße wurden von Tag zu Tag kräftiger, und am nächsten Sonntag konnte sie schon wieder ins Dorf zum Hochamt gehen. Wenn das Heilige wandern will, kuriert es auch die Füße, die es tragen oder begleiten sollen.“

Wo der Heiland zur Welt kommt Von Joseph Wittig Da war noch von narrativer Theologie keine Rede, als Joseph Wittig…

Chassidische Geschichte über den Baal-schem und die Wirklichkeit der Nacherzählung von Samuel Joseph Agnon: „Auch er ging in den Wald und sagte: ‚Wir können kein Feuer mehr anzünden, und wir kennen auch die geheimen Meditationen nicht mehr, die das Gebet beleben, aber wir kennen den Ort im Walde, wo das al­les hingehört, und das muss genügen.‘ — Und es genügte. Als aber eine Generation später Rabbi Israel von Rischin jene Tat zu voll­bringen hatte, da setzte er sich in seinem Schloss auf seinen golde­nen Stuhl und sagte: ‚Wir können kein Feuer machen, wir können keine Gebete sprechen, wir kennen auch den Ort nicht mehr, aber wir können die Geschichte davon erzählen.‘ Und — so fügt der Er­zähler hinzu — seine Erzählung allein hatte dieselbe Wirkung wie die Taten der drei anderen.“

Der Baal-schem und die Wirklichkeit der Nacherzählungen In seinem Werk „Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen“ (Frankfurt/Main: Suhrkamp, 5. A.,…

Fridolin Stier über Martin Buber (1966): „Es galt, im amor­phen Gewirr des Überlieferten das Wahre aus der Mengung mit Falschem, das Lebendige aus Totem, den Funken aus der Asche zu scheiden, um dem chassidischen Geist Sprache und Gestalt einer ‚Botschaft an den abend­ländischen Menschen‘ zu bereiten. Martin Bubers Deutung chassidischer Begriffe mag in einzelnem an­fechtbar sein (G. Scholem). Tatsachentreue ist Sache des Historikers, die des Jüngers ist Treue zur Sache. Aneignend wirkt diese Treue, und darum in der Vollmacht neuen Formens. Ihre In­stanz ist das eigene Selbst. Er habe ein Sieb gebraucht, sagte man ihm; ‚ich bin ein Sieb‘, antwortet er. Es ist vor allem die chassidische Haltung zur Welt, die sich ihm einwirk­te. Nach dem kabbalistisch-gnostischen Mythos wohnen, dem Urlicht entsprüht, göttliche Funken in allen Dingen und Wesen, selbst im ‚bösen Trieb‘, verbannt, harrend des Men­schen, dem es gegeben ist, sie zu ‚erlösen‘, sie durch die rechte ‚Richtung‘ (qawwanah) des Sinnes, im liebenden Umgang mit allem Umwesenden zu ‚heben‘, um das Göttliche in die Einheit seines Ursprungs zurückzuführen.“

Martin Buber (1966) Von Fridolin Stier Martin Mordechai Buber, geboren am 8. Februar 1878 in Wien. Vom dritten bis zum…