Hans Joachim Iwand zur christlichen Kultur (1954): „Es gibt das Verhältnis einer völligen Auflösung des Christentums in die morali­schen und sozialen Werte unseres zeitlichen Daseins, es gibt aber auch eine solche Distan­zierung des christlichen Glaubens von aller innerweltlichen, staatlichen, sozialen, wissen­schaftlichen und künstlerischen Lebensbewegung, dass diese gänzlich ihren eigenen Gesetzen überlassen erscheint. Diese Tatsache, dass wirtschaftliche und politische Vor­gänge in kein echtes Verhältnis zum christlichen Glauben gesetzt wurden, zeitigte schließt das furchtbare Ver­hängnis des NS, welcher von den Christen aus dieser ihrer indifferenten Haltung gegenüber der Kultur anfäng­lich bejaht und unterstützt wurde. Er ist das eindeu­tige Urteil, wohin wir kom­men, wenn wir die Ver­antwortung des Christen für die kulturellen Vorgänge in der Welt vernachlässigen oder sie prinzipiell leugnen.“

Christliche Kultur Von Hans Joachim Iwand 1. Das Problem einer christlichen Kultur ist insofern ein echtes Problem, als es nicht … Mehr

Hans Joachim Iwand im Brief an Karl Barth (1959): „Ich schäme mich, dass ich so lange nicht geschrieben habe. Aber mir ging es nicht gut, im Frühjahr gar nicht gut, und ich fürchtete schon, dass ich aus dem Geschirr genommen werden müsste. Denn alle meine Gedanken liefen mir weg, und sie wa­ren wie wilde Pferde, die ich nicht mehr an der Leine hatte. Ein bißchen davon erlebt man ja in allen Zweifeln und in den An­fechtungen, aber meist fängt man sich dann doch wieder ein. Aber im Frühjahr sah es nicht gut aus – mein Kopf war wie ein leeres Vogelbauer, in dem sich allerlei Getier einnistete. Das wurde dann aber doch besser, und seit meinem Schwedenur­laub mit Baden und viel Luft und Wald geht es mir wieder gut. Es ist auch das für mein Alter angemessene Maß von Lebenslust wieder da. Manchmal wünschte ich sogar, noch einmal jung zu sein, wenn ich sehe, in wie fa­der, fauler Luft wir hier leben und unser rein aus Gnade geschenktes, neu geschenktes Leben ver­fallen lassen. Das Leben ist eben doch der Güter höchstes nicht. Dass es mir damals nicht gut ging, kann seinen Grund darin gehabt haben, dass ich ein sehr starkes Mittel gegen hohen Blut­druck bekam – es muß nicht unbedingt den Anfang von Irresein bedeuten! Das ist noch beruhigend.“

Der Brief an Karl Barth vom 31.12.1959 gibt das Stimmungsbild von Hans Joachim Iwand wenige Monate vor seinem Tod wieder: … Mehr

Hans Joachim Iwand im Brief an Karl Barth über den Tod seiner Frau Ilse (1951): „Als Ilse starb, saßen Anemone, meine älteste Tochter und ich am Tisch, der Atem wurde leicht wie Flocken, die zergehen, dann ging Ilse still und sanft hin­aus und was eben noch letzte Ahnung ihrer Erscheinung unter uns war, lag da, wie ein Gewand, das sie abgeworfen hatte. Wir lasen noch 1. Korinther 15 an ihrem Bett und gingen dann heim, der letzte, schwerste Dienst in diesem schön­sten Abschnitt meines Lebens war getan. Nun ist sie eingestiegen – und ich bin am Ufer zurückgeblieben, wie ein armer Bettler, der nicht mitgenommen wurde auf die große Fahrt.“

Brief an Karl Barth nach dem Tod seiner Frau Ilse Als seine Frau Ilse (geb. Ehrhardt, 1901-1950) kurz vor Weihnachten … Mehr