Paul Lehmann über Vergebung: „Ein christlich-ethischer Zugang zur Vergebung unterstreicht daher die Praxis der Liebe durch Vergebung und Gerechtigkeit. Als Handlungen Gottes zeigen diese Beziehungen Gottes freie Initiative gegenüber dem Menschen sowie seine tragende, erneuernde und erfüllende Fürsorge und Gemeinschaft mit seinen menschlichen Geschöpfen. In der Liebe wendet Gott sich der Menschheit in Treue mit seiner Gegenwart und Gnade zu. In der Vergebung ’schickt‘ Gott menschliche Ablehnungen und Verletzungen dieser göttlichen Initiative ‚fort‘, ‚verzeiht‘ sie oder ‚bedeckt‘ sie.In der Gerechtigkeit wird Gottes Gegenwart in, mit und unter dem menschlichen Streben und Ringen, menschlich zu sein, erkannt und erfahren – in der Wiederherstellung dessen, was in persönlichen und sozialen Beziehungen nicht recht ist.“

Vergebung (Forgiveness) Von Paul Lehmann Streng genommen ist Vergebung ein Begriff und eine Erfahrung, in der religiöse und ethische Empfindungen, … Mehr

Iwan Karamasows Protest wider Pathodizee, Theodizee und den Ruf nach Vergebung in Dostojewskis Roman ‚Die Brüder Karamasow‘ (1880): „Ich will keine Harmonie, aus Liebe zur Menschheit will ich keine Harmonie. Lieber bleibe ich bei meinem ungerächten Leid und meinem ungestillten Zorn, mag ich auch im Unrecht sein. Noch dazu ist diese Harmonie viel zu teuer, der Eintrittspreis übersteigt unsere Verhältnisse. Darum beeile ich mich, mein Billett zu retournieren. Und als anständiger Mensch bin ich verpflichtet, dies so früh wie möglich zu tun. Und das tue ich auch. Nicht, dass ich Gott nicht hinnähme, Aljoscha; ich retourniere nur ehrerbietigst das Billett.“

Protest wider Pathodizee, Theodizee und den Ruf nach Vergebung (Die Brüder Karamasow, 1880) Von Fjodor M. Dostojewski In seinem Roman … Mehr

C. S. Lewis, Über Vergebung: „Oft, wenn ich meine, Gott um Vergebung zu bitten, erbitte ich in Wirklichkeit (außer ich achte sehr sorgfältig auf mich) etwas ganz anderes. Ich bitte ihn nicht, mir zu vergeben, sondern mich zu entschuldigen. Aber zwischen vergeben und entschuldigen besteht ein Riesenunterschied. Vergebung heißt: »Ja, du hast das getan, aber ich nehme deine Abbitte an; ich werde es dir nie vor­halten, und alles zwischen uns beiden wird genauso sein wie vorher.« Entschuldigen aber heißt: »Ich sehe, du konntest nicht anders handeln, oder es war nicht beabsichtigt; du bist nicht eigentlich schuldig.«“

Über Vergebung Von C. S. Lewis Wir sagen vieles in der Kirche (und außerhalb der Kirche auch), ohne das Gesagte … Mehr

Jochen Klepper über die Vaterunser-Bitte „Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern“ (1940): „Nur in der Vergebung ist Klar­heit. In ihr gewinnen wir Anteil an der Klarheit — der Reinheit und Wahrheit — Gottes und Klarheit über uns selbst. Darum kann auch alle menschliche Klugheit und Stärke der Vergebung nicht entbehren, der Mensch müßte sonst verzichten auf sein allererstes Vorrecht: Klarheit zu erhalten über sich selbst.“

Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern Von Jochen Klepper Diese Bitte ist’s, die alle anderen Bitten … Mehr

Timothy Keller, Was zu wenig Vergebung mit uns macht (New York Times): „Wenn Vergebung im Kleinen und im Großen tief in unserer Kultur verankert wäre, würde sie uns politisch verändern und der Demagogie ein Ende setzen, die niemals ein Fehlverhalten zugibt und die Gegner verhöhnt und herabsetzt. Sie würde uns gesellschaftlich verändern, indem sie der rassistischen Stereotypisierung, der Diskriminierung und der mangelnden Bereitschaft, einander zuzuhören, ein Ende setzt. Sie würde jede Bewegung für Gerechtigkeit weniger anfällig dafür machen, auszubrennen, zu weit zu gehen oder zu entfremden.“

Was zu wenig Vergebung mit uns macht Von Timothy Keller Virginia wird von zwei Massenerschießungen in weniger als einem Monat … Mehr

Timothy Radcliffe, Warum es für ein volles Leben heißt zu hoffen und zu vergeben: „Unsere jungen Menschen sind also mit dem Versa­gen belastet, moralische Perfektion zu erreichen, und haben oft keine Vorstellung von Verge­bung. Und die Autorität der Kirche, Vergebung zu predigen, ist durch die Krise des sexuellen Missbrauchs zutiefst in Frage gestellt. Wer sind wir, dass wir anderen Menschen sagen, dass Sünden vergeben werden müssen? Wie können wir es wagen?“

Warum es für ein volles Leben heißt zu hoffen und zu vergeben Von Timothy Radcliffe Vollkommen lebendig zu sein bedeutet … Mehr

Hans Joachim Iwand, Predigt über Matthäus 18,21-35 (1958): „Er ist offenbar in seiner großen Stunde kein Königskind geworden, sondern ein Knecht ge­blieben. Das ist das Schreckliche. Er hat nicht begriffen, dass er einbezogen wurde in die Gottesherrschaft Jesu Christi, unter das königliche Recht der Gnade. Dorthin, wo niemand mehr fragt: Wie oft, wievielmal kann man eigentlich seinem Mitbruder vergeben? Dieser Mann ist trotz allem ein Knecht geblieben, in der ganzen Niedrigkeit eines Knechtes, der nun, kaum dass er selbst frei ist, sich aufmacht, um seinerseits Herr zu spielen.“

Predigt über Matthäus 18,21-35 (Der Schalksknecht) Von Hans Joachim Iwand Die Geschichte, die wir eben gehört haben, hat eine doppelte … Mehr