Sibylle Lewitscharoff, Beim Namen gerufen: „Niemals war der Name Schall und Rauch, niemals nur ein leicht obenauf sitzendes Häubchen, zufällig und ephemer, immer war zwischen dem Namen und dem, der ihn trägt, eine innige Beziehung gestiftet. Im Namen wohnt eine Zwingkraft. Sie zwingt die Gestalt zu bleiben, und sie verbürgt, daß der windige, sich selbst immerzu entflatternde Mensch sich in seiner Gestalt wieder versammeln kann. Ist mehr als ein Name da, können die Namen in die Wechselrede eintreten und darin belebend wirken.“

In ihren Frankfurter Poetikvorlesungen sowie ihren Zürcher Poetikvorlesungen 2011 befasste sich Sibylle Lewitscharoff wie schon vor ihr Ingeborg Bachmann mit … Mehr

Ingeborg Bachmann über die Strahlkraft des Namens: „Es gibt nichts Mysteriöseres als das Leuchten von Namen und unser Hängen an solchen Namen, und nicht einmal die Unkenntnis der Werke verhindert das triumphierende Vorhandensein von Lulu und Undine, von Emma Bovary und Anna Karenina, von Don Quijote, Rastignac, dem Grünen Heinrich und Hans Castorp. Ja, der Umgang mit ihnen in Gesprächen oder in Gedanken ist uns so selbstverständlich, so geheuer, dass wir nicht ein einziges Mal fragen, warum ihre Namen in der Welt sind, als wäre jemand mit ihnen besser getauft als wir mit unseren Namen, als hätte da eine Taufe stattgefunden, bei der zwar kein Weihwasser hat herhalten müssen und von der kein Schriftzug in einem Register spricht — als hätte da eine Namensgebung stattgefunden, die endgültiger und von einem Vorzug ist, an dem kein Lebender teilhat. Diese Namen sind eingebrannt in erdachte Wesen und vertreten sie zugleich, sie sind dauerhaft und so mit diesen Wesen verbunden, dass, wenn wir sie ausborgen und Kinder so nennen, diese zeitlebens mit der Anspielung herumgehen oder wie in einem Kostüm: der Name bleibt stärker an die erschaffene Gestalt gebunden als an den Lebenden.“

Es sind Schriftstellerinnen (und weniger die Theologen), die es zur Sprache bringen können, welche Macht und Bedeutung Namen haben. Im … Mehr

Martin Luthers über den Glauben an den Namen des Herrn (Auslegung zu Galater 2,16, 1519): „Siehe zu, dass du den Namen des Herrn hörest oder sein gedenkest, nämlich dass Gott gerecht, gut, heilig ist. Dann hänge dich geschwind an ihn und glaube fest, dass er so zu dir sei [wie sein Name sagt]: dann bist du mit ihm auch schon so, bist ihm gleich. Den Namen des Herrn wirst du aber nirgends leuchtender erblicken als in Christus.“

Luther hat in seiner Vorlesung über den Galaterbrief von 1519 Folgendes über den Glauben an den Namen des Herrn geschrieben: … Mehr