Hans-Georg Gadamer über Rudolf Bultmanns Griechisch-Runde in Marburg: „Pünktlich um 8.15 Uhr begannen wir und lasen bis Schlag elf Uhr. Bultmann war ein strenger Mann. Dann erst begann die Nachsitzung. Rauchen durfte man vorher, nur dass Bultmann keine Zigaretten liebte, sondern schwarze Brasil oder Pfeife, und nur für Schlier hatte er aus besonderer Nach­sicht die sogenannten Schwächlingszigarren, die mit einem blonden Deckblatt versehen waren.“

Über Rudolf Bultmanns Griechisch-Runde in Marburg Von Hans-Georg Gadamer Bultmann war nicht nur ein scharfer Theologe, sondern auch ein leidenschaftlicher…

Karl Jaspers Fundamentalkritik an Rudolf Bultmanns Entmythologisierungsprogramm „Wahrheit und Unheil der Bultmannschen Entmythologisierung“ von 1953: „Wie dürftig und spracharm unser Dasein, wenn mythische Sprache nicht in ihm gilt! und wie unwahr, wenn die unumgängliche mythische Denkweise mit albernen Inhalten erfüllt wird. Die Herrlichkeit und das Wunder der mythischen Anschauung muss gereinigt, aber nicht abgeschafft werden. Entmythologisierung ist fast ein blasphemisches Wort. Es ist nicht Aufklärung, sondern Aufkläricht, die das Wort Mythus so entwerten kann. Hört die Pracht des Sonnenaufgangs auf, eine leibhaftige, immer neue, beschwingende Wirklichkeit zu sein, eine mythische Gegenwart, auch wenn wir wissen, daß wir mit der Erde uns bewegen, also vom Aufgang keine Rede sein kann? Hört das Erscheinen der Gottheit auf dem Sinai, im Dornbusch, auf, ergreifende Wirklichkeit zu sein, auch wenn wir wissen, dass im Sinne raum-zeitlicher Realität hier menschliche Erlebnisse stattgefunden haben? Entmythologisieren, das würde bedeuten, ein Grundvermögen unserer Vernunft zum Erlöschen zu bringen.“

Wahrheit und Unheil der Bultmannschen Entmythologisierung Von Karl Jaspers Inhaltsübersicht Situation, aus der diese Kritik entspringt. I. Zwei brüchige Voraussetzungen…

Wilfried Joest, Amt und Ordination – unüberholbare Strukturen? (1971): „Das neutestamentliche Vorbild der Gemeinde ist nicht das einseitige Gegenüber eines in irgendeinem Sinne exklusiven Amtes zu ‚Laien‘, sondern das Zusammenwirken und die gegenseitige Dienstbarkeit besonderer Dienste untereinander, und wiederum der besonderen Dienste und des sie umgebenden und mitwirkend begleiten­den allgemeinen Priestertums aller Glaubenden.“

Amt und Ordination — unüberholbare Strukturen? Von Wilfried Joest Dieses Referat muß sich darauf beschränken, einige Thesen zu entfalten, zu…

Der Bauernkrieg. Ein schönes Lied, wie es den Bauern in ganz Deutschland ergangen ist (1525): „Der Bund, als er die Sache bedachte, / zog bald mit starker Macht / nach Leipheim an der Donau; / dreitausend Bauern lagen dort, / es ist ihnen nicht wohl bekommen. // Dreitausend, so wurde mir berichtet, / wurden dort erschlagen, man spricht, / achthundert sind ersoffen, / manchem wurde der Kopf abgeschlagen, viele sind davongelaufen.“

Thomas Kaufmanns neuem Buch „Der Bauernkrieg. Ein Medienereignis“ (Herder, 2024) enthält auch ein Unterkapitel „Die Erfindung und Wertung des ‚Bauernkrieges‘…

Søren Kierkegaard über Hiob und dessen Wort „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s ge­nommen, der Name des Herrn sei gelobt!“: „Nur der Weichling könnte wünschen, dass Hiob nicht da wäre; damit er je eher je lieber jeden Gedanken fahren lassen, jede Bewegung in der widerwärtigsten Ohnmacht aufgeben, sich selbst in der elendesten und erbärmlichsten Vergessenheit auslöschen könnte.“

Hiob Von Søren Kierkegaard Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, der Name des Herrn sei gelobt. „Da stand…

Philipp Melanchthons Vorwort zu Johann Reuschs „Zehn deutsche Psalmen Davids“ (1551): „Wer nun bedenkt, dass eine gute Regierung gewiss Gottes Gabe ist, und dass Unfrieden und Zerrüttung gerechter Regierungen den größten Schaden, die Zerstörung von Eltern und Kindern, die Vernichtung der Religion und aller guten Zucht und Künste und schließlich Verwüstung mit sich bringen, der sollte diesen Psalm oft singen und darüber nachdenken und Gott von Herzen um eine gnädige und selige Regierung bitten.“

Vorwort zu Johann Reuschs Zehn deutsche Psalmen Davids (1551) Von Philipp Melanchthon Obwohl viele Menschen in solcher Blindheit verharren, dass…

Max Scheler, Zur Rehabilitierung der Tugend (1915): „Ein Mensch, der sich selbst ganz zu durchschauen und zu verstehen vorgibt, zeigt nicht, er wisse mehr von sich als der Ehrfürchtige, dem auch aus sich heraus »vergrabenes Gold wie aus Bächen schimmert«, sondern nur, dass er den Weg nicht gehen will, sich die eigene Seinstiefe zur Sichtbarkeit zu bringen; denn dieser Weg ist die Ehrfurcht vor dem eigenen Selbst. Sie allein gibt uns das geheime Bewußtsein eines Reichtums und einer Erfülltheit, wo unsere klaren, abgegrenzten Gedanken und Gefühlsinhalte uns nur Leere und Spärlichkeit geben; sie gibt uns das Gefühl noch ungehobener und in der irdischen Lebensdauer unhebbarer Schätze unserer Existenz und Kräfte.“

Zur Rehabilitierung der Tugend Von Max Scheler Das Wort Tugend ist durch die pathetischen und rührseligen Apostrophen, welche die Bürger…