Joseph Addison (1672-1719) über die Träume: „Was ich hier bemerken möchte, ist die wunderbare Kraft in der Seele, bei diesen Gelegenheiten ihre eigene Gesellschaft herzustellen. Sie unterhält sich mit zahllosen Wesen ihrer eige­nen Schöpfung und lässt sich in zehntausende von Szenen ihrer eigenen Regie transportieren. Sie ist selbst Bühne, Schauspieler, Zuschauer.“

Über die Träume Von Joseph Addison … Cum prostrata soporeUrget membra quies, et mens sine pondere ludit.Petronius Obwohl viele Autoren…

Martin Buber, Vertrauen (1926): „Einem Menschen vertrauen heißt, an die Wahrheit glauben, der man dienen kann, an die Wahrheit, die nicht von unsern Gnaden, sondern von deren Gnaden wir bestehn. An Menschen glauben, daraus bündelt sich zu allen Zeiten und in allen Völkern der große Fascio der Heiden – Menschen vertrauen, daraus wächst zu allen Zeiten und in allen Völkern der »heilige Stamm« Israels. Ich sehe immer deutlicher unsern rechten Weg dahin, daß an die Stelle des »Glaubens« an Menschen das Vertrauen trete. Wir brauchen Führer. Aber wir brauchen Führer, denen wir nicht um ihretwillen folgen, sondern um ihrer Dienstherrin, um ihres Dienstherrn willen – wie immer sie ihn nennen: an ihrer Dienstart erkennen wir, daß es der rechte ist. Und geht ihnen die Fähigkeit ab, mit aufrührendem oder anordnendem Wort sicher und sicherheitweckend die Menge zu bewegen, sie vermögen das Unscheinbare und Wichtigste: das Raten, das Mahnen, das Weisen. Sie stellen uns immer wieder vor die strengen Strahlen der Wahrheit. Sie führen, indem sie lehren. Ihrer ist die heimliche Weltgeschichte.“

Vertrauen Von Martin Buber Es gibt zwei Gattungen führerischer Menschen. Von dem einen sagt man: »Ich glaube an ihn«. Von…

Hans Schneider über Nikolaus Ludwig von Zinzendorf: „Im Rückblick des Sterbenden auf das, was der Heiland an den zerstreuten Kindern Gottes getan habe, klang noch einmal sein philadelphisches Lebens­thema auf. Und die Gewißheit, daß er ganz in den Willen seines Herrn ergeben und dieser ganz mit ihm zufrieden sei, war die letzte Artikulation seines vertraulichen Umgangs mit dem Heiland, dem charakteristischen Kenn­zeichen seiner Frömmigkeit seit den Tagen seiner Kindheit.“

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf Von Hans Schneider Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, neben Spener und Francke die dritte große Gestalt des…

Martin Buber, Zur Verdeutschung der Preisungen (1935): „Die Bibel will als Ein Buch gelesen werden, so dass keiner ihrer Teile in sich beschlossen bleibt, vielmehr jeder auf jeden zu offengehalten wird; sie will ihrem Leser als Ein Buch in solcher Intensität gegenwärtig werden, dass er beim Lesen oder Rezitieren einer gewichtigen Stelle die auf sie beziehbaren, insbesondre die ihr sprachidentischen, sprachnahen oder sprach­verwandten erinnert und sie alle einander erleuchten und er­läutern.“

Zur Verdeutschung der Preisungen (1935) Von Martin Buber Der Übersetzer der Schrift wird durch die »Preisungen«, ihrer Gestalt und ihrem…

Klaus Koch und Jürgen Roloff, Gott in der Bibel: „Glaube ist keine mögliche Haltung im Blick auf das Dasein Gottes oder die Heilsgeschichte, sondern einzig die Zuversicht auf grundlegendes künftiges Eingreifen Gottes. Eher schon ist Furcht Gottes vor seiner menschenüberlegenen Heiligkeit ständig angemessen, als inneres Erleben und Ergriffensein.“

Gott in der Bibel Von Klaus Koch und Jürgen Roloff 1. Vorbemerkung Die biblische Gottesauffassung ist die selbstverständliche Voraussetzung jeder…

Jan Twardowski mit seinem Gedicht: „Hundertfach heiliger Gott, / starker und lächelnder – / denn du erschufest den Papagei, / die Blindschleiche, das gestreifte Zebra – / riefest ins Leben das Eichhörnchen und die Flusspferde – / die Theologen kitzelst du mit des Maikäfers Schnurrbart. // Heute, da es mir traurig und schwül und düster zumute ist – / o, lächle über mir.“

Hundertfach heiliger Gott Hundertfach heiliger Gott,starker und lächelnder – denn du erschufest den Papagei, die Blindschleiche, das gestreifte Zebra –…

Hannah Arendt, Von der Menschlichkeit in finsteren Zeiten. Rede über Lessing (1959): „In der Geschichte sind die Zeiten, in denen der Raum des Öffentlichen sich verdunkelt und der Bestand der Welt so fragwürdig wird, dass die Menschen von der Politik nicht mehr verlangen, als dass sie auf ihre Lebensinteressen und Privatfreiheit die gehörige Rücksicht nehme, nicht selten. Man kann sie mit einigem Recht »finstere Zeiten« (Brecht) nennen.“

Von der Menschlichkeit in finsteren Zeiten. Rede über Lessing Von Hannah Arendt I Die Auszeichnung, die eine freie Stadt verleiht,…