Gerhard von Rad, Fragen der Schriftauslegung im Alten Testament (1938): „Vom Alten Testament kön­nen wir nicht reden, wie über andere Bücher. Erst, wenn wir es gleichsam in die Hand Gottes zurückgelegt haben und es uns neu haben geben lassen, hat unser Fragen die Verheißung einer Klärung. Und dies nicht einmal, sondern im­mer wieder, so oft wir es aufschlagen, sollen wir es neu von Gott her nehmen. Glauben Sie mir, das ist mehr als eine erbauliche Rede. Wir würden es dann von Anfang an wissen, dass es im Letzten keine theologische Formel gibt, mit der wir das Alte Testament einfangen können; und das ist deshalb so, weil das Alte Testament Gottes Buch und unantastbar frei ist. Immer entzieht es sich unserm Zugriff. Das muss so sein, denn all unserem theologischen Fragen wohnt auch eine Lüsternheit des sich bemächtigen Wollens inne. Wir möchten eine Formel, wir suchen einen Nenner, aber so läßt sich das Alte Testament nicht beherrschen.“

Der Vortrag des 36jährigen Gerhard von Rad, gehalten am 29. Januar 1938 vor den Theologen der Universität Erlangen, findet sich … Mehr

Odo Marquard, Rechtfertigung. Bemerkungen zum Interesse der Philosophie an der Theologie (1980): „Was — angesichts des ‚context of justification‘, der ‚transzendentalen Deduktion‘, der ‚Theodizee‘ und der Tribunalsucht der modernen Revolutionen und Avantgarden — Rechtfertigung heißt, kann kein Philosoph explizieren, ohne darüber auch theologisch zu reden; sonst riskiert er, das Phänomen nur halb zu sehen und unterzubestimmen: Und das sollte er nicht tun. Darum war, was ich einschlägig dargelegt habe, ein Erläuterungsbeispiel für meine Grundthese, die da lautet: Ein Philosoph, der nicht das Theologische versteht und spricht, ist an vielen wichtigen Stellen seines Fachs nicht in der Lage, dessen Probleme unverkürzt zu artikulieren.“

Rechtfertigung. Bemerkungen zum Interesse der Philosophie an der Theologie Von Odo Marquard Sehr verehrter, lieber Herr Link! Sehr verehrter, lieber … Mehr

Karl Barth, Vom Nutzen der Historie. Zu Römer 4,17b-25 (Der Römerbrief, 1922): „Wir haben letztlich gar nicht die Möglichkeit, eine andere Art von Historie als die der Genesis, eine bloß analytische Historie zu treiben und besser wäre es, daran von vornherein zu denken. Wir sind nun einmal in das Selbstgespräch des Gleichzeitigen in Vergangenheit und Gegenwart verwickelt. Die Genesis sagt uns nun einmal von Abraham das, was uns angeht, auch wenn unser Bewußtsein davon sehr schwach ist und was wir werden hören müssen, auch wenn unsere Betrachtungsweise einer solchen Gestalt eine sehr andere ist als die der Genesis. Denn ‚wir glauben an den, der den Herrn Jesus von den Toten erweckte‘. Wir stehen schon in der Problematik, die uns die Genesis als die Problematik des Lebens Abrahams zeigt: auf der Grenze zwischen Tod und Leben, zwischen dem tiefen Gefallensein des Menschen, das die Verneinung Gottes bedeutet, und der Gerechtigkeit Gottes, die die Verneinung des Menschen bedeutet. Wir stehen mit dem Abraham der Genesis, der noch viel ‚unhistorischer‘ ist als die Analytiker sich träumen lassen, vor der Unmöglichkeit der Erkenntnis, vor der Unmöglichkeit der Auferstehung, vor der Unmöglichkeit der in Gott begründeten und von Gott zu erwartenden Einheit von Diesseits und Jenseits.“

Vom Nutzen der Historie. Zu Römer 4,17b-25 (Der Römerbrief, 1922) Von Karl Barth V 17b Abraham ist unser aller Vater … Mehr

Siegfried Kettling über die Auferstehung der Toten: „Auferstehung sagen, heißt den Horizont unserer Welt grundsätzlich überschreiten ins »Eschaton« (»Letzte«) hinein. Hier kann man nicht gegenständlich beschreiben, sondern nur das uns Verheißene hinweisend »bedeuten«. Das geschieht im Neuen Testament in der Sprache des Gleichnisses: Die griechischen Wörter nehmen den allmorgendlichen Vorgang des »Aufweckens« bzw. »Aufstehens« als Bild. Unsere deutschen Wörter »Auf-er-weckung« und »Auf-er-stehung« sind schon theologische Fachsprache. Dabei ist grundlegend das Wort, das Gott die Aktivität beilegt: Wir können nur »auferstehen«, weil Gott »auferweckt«.“

Auferstehung der Toten Von Siegfried Kettling 1. Zur Sprache Auferstehung sagen, heißt den Horizont unserer Welt grundsätzlich überschreiten ins »Eschaton« … Mehr

Jürgen Moltmann, Der Gott, auf den ich hoffe. Warum ich Christ bin (1979): „Um Christi willen bin ich Christ. In ihm fand ich meine Verlassenheit und Gott, und Gott in meiner Verlassenheit. In ihm fand ich die Kraft einer Hoffnung, mit der ich glaube, leben und sterben zu können. Ob ich aber in diesem Sinne »Christ« bin, das weiß ich trotz der Argumente und der Geschichte nicht. Das Urteil steht weder anderen noch mir zu. Es liegt in der Hand dessen, dem ich mich anvertraue.“

Der Gott, auf den ich hoffe. Warum ich Christ bin Von Jürgen Moltmann Seltsam sieht mich diese Frage an. Wer … Mehr

Eberhard Jüngel, Das dunkle Wort vom „Tode Gottes“ (1968): „Das verstandene Wort »Gott ist tot« gehört also beiden: dem glaubenden Christen und dem Atheisten. Und beide täten gut daran, sich dessen zu erinnern, dass sie, wenn auch in sehr verschiedener Absicht, dasselbe sagen. Aber wenn zwei dasselbe sagen, so ist es noch nicht dasselbe oder – wie es in diesem Fall wohl heißen muß – so ist es nicht mehr dasselbe. Denn der ungläubige Atheist redet vom Tode Gottes am Kreuz Jesu Christi vorbei, während der glau­bende Christ davon redet, weil Jesus Christus gestorben ist. Immerhin ist der neuzeitliche Atheismus, der am Kreuz Jesu Christi vorbei davon redet, dass Gott tot ist, ohne den dem christlichen Glauben ursprünglich nachgesagten Atheismus geschichtlich überhaupt nicht zu verstehen.“

Das dunkle Wort vom „Tode Gottes“ (1968) Von Eberhard Jüngel I Eine Redeweise geht um in der ehemals christlichen Welt. … Mehr

Eberhard Jüngel, Ostern – Das Geheimnis des Gekreuzigten. Gedanken zum zentralen Inhalt der christlichen Botschaft (1971): „Es gehört zur Eigenart des Geheimnisses von Tod und Auferstehung Jesu, dass es alle Menschen angeht. Was zwi­schen Gott und Jesus geschah, war keine Privatgeschichte, sondern das ist Gottes öffentliche Geschichte mit der Menschheit, Weltgeschichte. Auf das Leben aller Menschen ist Gott zurückgekommen, als er auf Jesu Tod zurückkam. Das neue Verhältnis von Tod und Leben, das die Selbstiden­tifikation Gottes mit dem toten Jesus begründet hat, ist ein göttliches Angebot an die ganze Welt, deren Sein durch Tod und Auferstehung Jesu unwiderruflich bestimmt wird. Zum Zeichen dieser Bestimmung existiert die christliche Kirche.“

Ostern – Das Geheimnis des Gekreuzigten. Gedanken zum zentralen Inhalt der christlichen Botschaft (1971) Von Eberhard Jüngel I Von einem … Mehr

Ernst Fuchs, Freiheit im Neuen Testament (1958): „Dann wollen wir genau das, was Gott von Jesus her tut. So geht es dieser Freiheit nur noch um das, was zwischen Gott und dem Menschen heilsam in der Welt geschieht. Jesus wird selbst ihr Vorbild. Denn sie ist ja Freiheit zum Glauben, dass Gott vollendet, was er in Jesus angefangen hat; dass er die Geschichte der Sünde, des Todes und des Gesetzes in der Geschichte des Heils, des Lebens, der Liebe an uns zu Ende bringt. Aus dieser Freiheit zum Glauben erwächst dann von selbst die Freiheit von den Werken zu den Werken.“

Freiheit im Neuen Testament Von Ernst Fuchs 1. Voraussetzungen Im griech. Sprachgebiet ist Freiheit als Heil des Menschen gedacht worden, … Mehr

Hans Günther Ulrich, Sinn und Geschmack für Gottes Willen. Zum theologischen Verständnis des Urteilens: „Damit sind wir in der biblischen Ethik. Was so als Weltwirklichkeit erscheint, ist die Welt, in der so Gottes Wille präsent wird, die Welt, die Gott mit sich versöhnt hat. Diese Welt erscheint in diesem Ereignis der Versöhnung Gottes, dem die weitere Wahrnehmung folgt. Es geht um keine moralische Orientierung, die ohne Urteil auskommt. Die Welt nach Gottes Willen in dieser »Weltzeit« zu finden ist die – ästhetische, wahrnehmende und verstehende – Aufgabe des Urteilens. Sie folgt der mit Gottes Wirken gegebenen Geschichte. Sie folgt dieser und keiner anderen »Geschichte« und – ohnehin – ist das was »Geschichte« heißen könnte, kein Ganzes. Das Urteil kann nur Fragmente fassen.“

Sinn und Geschmack für Gottes Willen. Zum theologischen Verständnis des Urteilens Von Hans Günther Ulrich Das Thema, so gefasst, hat … Mehr