Karl Barth, Rudolf Bultmann. Ein Versuch, ihn zu verstehen (1952): „Kann ich irgendeinen anderen, irgendeinen (z. B. einen mythischen!) Text echt und recht verstehen, wenn ich mich von ihm nicht in der größtmöglichen Offenheit gefragt finde? Ich will den Mund nicht zu voll nehmen und also nicht von unbedingter, vorbehaltloser Offenheit reden, weil es dergleichen weder in unserem Verhältnis zum Worte Got­tes noch zu einem Menschenwort so bald geben dürfte. Aber geht es, wenn es ums Verstehen gehen soll, jemals und irgendwo ohne prinzipielle und also ohne die größte jeweils mögliche Offenheit? Ver­stehe ich irgendeinen anderen, wenn ich nicht bereit bin, mir von ihm auch etwas ganz Neues sagen zu lassen: etwas, was ich mir zuvor durchaus nicht selbst sagen zu ‚können‘ meinte, etwas wogegen ich zuvor ein Vorurteil oder viele und vielleicht sehr wohl begründete Vorurteile hatte?“

Rudolf Bultmann. Ein Versuch, ihn zu verstehen (1952) Von Karl Barth Der Name Rudolf Bultmann und der Begriff „Verstehen“ werden … Mehr

Julius Schniewind über Martin Kähler (1944): „Sein gesamtes Denken war gesättigt mit biblischer Anschauung. Und ein entscheidendes Stück seiner Lebensarbeit be­stand in dem Unternehmen, die Bedeutung der Bibel neu herauszu­stellen. Er verzichtete auf die Inspirationslehre in jeder Form; auch ‚Urkunde der Offenbarung‘ kann die Bibel nicht sein; denn Gottes Offenbarung lässt sich nicht, wie ein Stück menschlicher Historie, beurkunden. Wohl aber ist die Bibel ‚die Urkunde der kirchen­gründenden Predigt‘.“

Martin Kähler Von Julius Schniewind Martin Kähler (6.1. 1835—7.9. 1912) gehörte seit seiner Stu­dentenzeit fast ausschließlich unserer Universität an. Promoviert … Mehr

Janet Martin Soskice über Metaphern in der Bibel: „Moderne Studien haben gezeigt, dass die Auffassung, Metaphern seien bloß schmückendes Beiwerk, unzureichend ist; vielmehr wird etwas Neues ausgedrückt, das auf keine andere Weise gesagt werden könnte. Dies wird besonders bei komplexen poetischen Bildern deutlich. So vergleicht Philip Larkin, wenn er von Religion als ‚jenem riesigen, mottenzerfressenen, musikalischen Brokat, geschaffen um vorzutäuschen, wir sterben nie‘ (Aubade) spricht, die abgenutzte Religion nicht einfach nur mit altem Stoff.

Metapher Von Janet Martin Soskice Es ist fraglich, ob eine einzige Definition der Vielfalt sprachlicher Verwendungen gerecht werden könnte, die … Mehr

Edmund Schlink über den Antichrist (1957): „Dass in dem Auftreten antichristlicher Gestalten, in ihrem Weg, in ihren Worten und »Heilstaten« und in dem Zeugnis der ihnen den Weg bereitenden »Propheten« die Strukturen des Christus-Geschehens in eigentümlicher Verzerrung wiederkehren, macht ihre verwirrende und selbst für die Christenheit versucherische Bedeutung aus. Die Kirche ist hier zur Wachsamkeit gerufen und hat die Pflicht, diese Gestalten öffentlich zu entlarven. Wo dies aber geschieht, da erkennen die Glaubenden trotz aller sich wider sie wendenden Lüge und Gewalt die Ohnmacht dieser Gestalten. Der Antichrist hat weder eigene Gestalt noch Macht, sondern er ist nur das äffische Gegenbild Jesu Christi und besteht nur durch die Geduld dieses Herrn.“

Antichrist III. Dogmatisch Von Edmund Schlink Die Dogmatik handelt vom Antichrist im Rahmen der Lehre von den Vorzeichen der Parusie … Mehr

Martin Luther, Summarien über die Psalmen und Ursachen des Dolmetschens (1531-1533): „Was ist’s Not, über alle Worte solche Rechenschaft zu geben? Wir haben fürwahr keinen Fleiß noch Mühe gespart. Wer’s besser machen kann, dem ist’s wohl gegönnt. Aber ich nehme an: wenn er unsern Psalter dazu nicht gebraucht, werde er den Psalter so verdeutschen, dass weder viel Deutsch noch Hebräisch darinnen bleibt. Das wirst du daran merken, wenn du unsern Psalter mit dem seinen vergleichen und seine eigene Kunst, d.h. die bei uns gestohlenen Worte, finden wirst.“

Summarien über die Psalmen und Ursachen des Dolmetschens (1531-1533) Von Martin Luther Allen frommen Christen Gnade und Friede in Christus. … Mehr

Aus dem Briefwechsel zwischen David Ben-Gurion und Simon Rawidowicz über den Name ‚Israel‘ und den Staat ‚Israel‘ (1954/55): „Die Gemeinden Israels (oder, wie du sagst, die Juden) überall auf der Welt müssen diese Namensrevolution (die zugleich eine Revolution des Herzens, der Seele und der Wirklichkeit ist) anerkennen und sich verpflichten, den Namen Israel aus ihrer Mitte zu entfernen. Ebenso müssen sie anerkennen, dass sie seit 1948 keinen Anteil und kein Erbe an Israel mehr haben, und dass jede Erwähnung Israels in unserer Literatur, in unseren Gebeten usw. – in Hebräisch wie in allen anderen Sprachen – bis 1948 nicht identisch ist mit dem Israel nach 1948.“

Auszüge aus einem Briefwechsel zwischen David Ben-Gurion und Simon Rawidowicz über den Staat Israel, die Diaspora und die Einheit des … Mehr

Brevard S. Childs, Die Bibel im kulturellen Wandel auslegen (1996): „Und doch liegt über vielen Erben der Aufklärung eine tragische Gleichförmigkeit, wenn Gott geschwächt und menschlicher Hochmut erhöht wird. Eine der großen Ironien der sogenannten ‚dritten Suche nach dem historischen Jesus‘, die in vielen akademischen Kreisen gerade in Mode ist, besteht darin, dass die alten Häresien des 19. Jahrhunderts in ermüdender Monotonie wieder auftauchen. Die Bibel ruft zur treuen Reflexion, aber ebenso zur treuen Handlung. Wo wahres Verständnis der Schrift vorhanden ist, entsteht notwendigerweise ein Auftrag zu Evangelisation und Mission, zur Fürsorge für die Armen und Leidenden.“

Die Bibel im kulturellen Wandel auslegen Von Brevard S. Childs Ich möchte die Frage aufwerfen, warum sich das Verständnis der … Mehr

Kristlieb Adloff, »Mein ist die Rache, redet Gott«. Zum Umgang mit den biblischen Feindpsalmen: „Was ist das für ein Gott, dem wir uns so, von aller frommen Maskerade entblößt, in rückhalt­loser Wahrhaftigkeit zumu­ten können? Das ist der Punkt, um den es geht, wenn wir uns den befremdli­chen »Feindpsalmen« aussetzen. Es geht um Gott selbst, um einen befremdlichen Gott, von dem wir uns kein Bild machen dürfen, und sei es das Bild eines Gottes der Liebe nach menschlichen Maßstä­ben.“

»Mein ist die Rache, redet Gott«. Zum Umgang mit den biblischen Feindpsalmen Von Kristlieb Adloff »Herr, Gott, des die Rache … Mehr

Jürgen Roloff, Das tausendjährige Reich (Exkurs zu Offenbarung 20,1-10): „Gott ist für Johannes der Schöpfer (4,11) und Allherrscher (1,8 u. ö.), dessen Geschichtsplan das Ziel hat, seine Macht und Herrschaft in allen Bereichen seiner Schöpfung sichtbar durchzusetzen. Gottes Herrschaft bedeutet darum die Unterstellung auch der vorfindlichen Welt mit ihrer Geschichte und Lebenswirklichkeit unter Gottes heilvolle Macht. Heil kann für Johannes niemals nur jenseitig und spirituell sein; es ist immer auch welthaft, ja politisch, weil Gott für ihn der Herr der Welt und der Geschichte ist. Das letzte Ziel Gottes ist auch für Johannes die Schaffung einer neuen Welt, aber ihm ist darüber hinaus gewiß, dass Gott diese alte Welt nicht völlig preisgibt, sondern sie zunächst auch voll unter seine Herrschaft heimholt und zugleich den ihm zugehörigen Menschen ihr Recht auf diese alte Welt zuteil werden lässt.“

Das tausendjährige Reich (Exkurs zu Offenbarung 20,1-10) Von Jürgen Roloff Das tausendjährige Reich ist seit alters das wohl umstrittenste Thema … Mehr