Søren Kierkegaard, Die Wildgans – ein Bild: „Gewiß ist der wahre Christ, über den der Geist herrscht, vom gewöhnlichen Menschen verschieden wie die Wildgans von den zahmen Gänsen. Aber das Christentum lehrt ja gerade, wozu ein Mensch im Leben werden kann. Hier ist also Hoffnung, dass eine zahme Gans zu einer Wildgans werden kann. Deshalb bleibe bei ihnen, diesen zahmen Gänsen, bleibe bei ihnen, nur mit dem einen beschäftigt, sie für die Verwandlung gewinnen zu wollen – aber um Gottes im Himmel willen achte auf eines: Sobald du merkst, dass die zahmen Gänse anfangen, Macht über dich zu bekommen, dann fort, auf und davon mit dem Zug.“

Die Wildgans – ein Bild Von Søren Kierkegaard Jeder, der auch nur ein kleines bißchen Kenntnis vom Leben der Vogelwelt … Mehr

Vom Segen des Segens: „Unter der Bedingung des Glaubens versagt sich der Segen einer eigenmächtigen Wortmagie. Nur im Glauben an den dreieinigen Gott kann der zugesagte Segen wirklich wahr werden. Das Ja-Wort des Segens – wie es im Kreuzzeichen (signa crucis) sinnfällig wird – ist Jesus Christus, ist er doch „das Ja zu allem, was Gott verheißen hat“ (2Korinther 1,20). Im Zeichen des Kreuzes hat diese Ja-Wort auch dort Bestand, wo eigene Lebenserfahrung durch Leid, Schmerz oder Verlust sich nicht im Segen wiederfinden kann.“

Vom Segen des Segens Die evangelische Liturgie zeigt sich in ihrer formulierten Sprache im Vergleich zur katholischen Messe eher wortkarg … Mehr

Günther Bornkamm, Nachwort zu Jean Paul, Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei (1947): „In dieser letzten, an die Grenze der Lästerung rührenden Fassung ist sie zur Rede des toten Christus geworden, da dem Atheismus auch das Wort des Bürgen der göttlichen Wahrheit sich in sein Gegenteil ver­kehrt – bewegend und aufrührend freilich doch darin, dass er als der menschlichste Mensch zum Munde der klagenden Menschheit wird. So muss er, der für den Glauben der Geringsten eintrat und ihre Engel allezeit vor Gottes Angesicht stehen sah, sie in das Nichts hinabsinken lassen. Nun ist die Ewigkeit zur unendlichen Leere geworden, die Welt zum Chaos. das Leben zum flatternden Schatten, das Dasein zur unermeßlichen Einsamkeit: ‚Wie ist jeder so allein in der weiten Leichengruft des Alls!‘ – ‚Ist das neben mir noch ein Mensch? Du Armer! Euer kleines Leben ist der Seufzer der Natur oder nur sein Echo.‘ Und die Kirche auf Erden, die Stätte, da die Welt ihren Grund finden sollte, ist zur Stätte geworden, da sie diesen Grund ver­liert und ins Bodenlose stürzt.“

Nachwort zu Jean Paul, Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei Von Günther Bornkamm Nach dem … Mehr

Jean Pauls Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott sei als grandioser Alptraum des Atheismus: „Die entfärbten Schatten zerflatterten, wie weißer Dunst, den der Frost gestaltet, im warmen Hauche zerrinnt; und alles wurde leer. Da kamen, schrecklich für das Herz, die gestorbenen Kinder, die im Gottesacker erwacht waren, in den Tempel und warfen sich vor die hohe Ge­stalt am Altare und sagten: ‚Jesus! haben wir keinen Vater?‘ – Und er antwortete mit strö­menden Tränen: ‚Wir sind alle Waisen, ich und ihr, wir sind ohne Vater.’“

Jean Pauls Roman „Siebenkäs“ (Berlin 1796) enthält unter der Abteilung „Erstes Blumenstück“ die berühmte „Rede des toten Christus vom Weltgebäude … Mehr