Karl Barth, Frohe Botschaft (Weihnachten 1946): „Die heimliche — aber für die, die hören, gar nicht heimliche — Wahrheit der Welt und des Menschenlebens heißt: dass Gott für uns ist. Was uns regiert, ist also nicht der Unsinn, mit dem wir uns selbst und mit dem wir uns gegenseitig belasten und unglücklich machen. Auch nicht die Ungerechtigkeit, gegen die wir uns offen oder heimlich empören und an der wir doch auch irgendwie beteiligt sind. Und so auch nicht die Gräber, in denen man uns alle einmal mit Ehren und Unehren versorgen wird. Indem Gott für uns ist, wie es in jener Nacht ausgesprochen wurde, ist das alles zur Lüge gemacht, gegen die wir — immer, wenn wir es hören könnten und wollten — die Köpfe erheben und getrosten Mutes hoffen und trotzen dürfen.“

Frohe Botschaft (Weihnachten 1946) Von Karl Barth Ich stelle mir die Menschen vor, die diese Weihnachtsnummer der «Schweizer Illustrierten Zeitung» … Mehr

Ernst Fuchs, Das Weihnachtsevangelium (1959): „Das bessere Gleichnis für Gottes Stille wäre eine ruhige Nacht friedlichen Schlafes, ohne Lärm und Schrecken. Aber selbst die ruhigste Nacht kann hier auch nur ein Gleichnis sein. Sie müsste ja zur heiligen Nacht werden können. Und das könnte nur ge­schehen, wenn in solcher Nacht das helle, das wahre himmlische Licht aufleuchten würde, um uns in seinen Schein hereinzuneh­men. Aber würde diese Nacht dann nicht zum Tag? In einer derart heiligen Nacht bräche ja der wahre Tag an, der Tag des Herrn, der nicht nur Frieden gibt, sondern Frieden macht.“

Das Weihnachtsevangelium (1959) Von Ernst Fuchs „Da, in jenen Tagen, ging ein Erlaß vom Caesar Augustus aus, die ganze Oekumene … Mehr

Helmut Gollwitzer, Predigt über Jesaja 9,1-6 (Weihnachten 1938): „Das Kind antwortet: ‚Eure Herren brauchen eure Kraft. Darum saugen sie euch auch aus, und je kräftiger sie sich darstellen, desto schwächer werden die Knechte. In meiner Armseligkeit seht ihr, dass ich eure Kraft nicht brauche. Euer Gott ist nur in den Starken mächtig; aber mein Gott ist in den Schwachen mächtig, – und das sollt ihr jetzt sehen!‘ Wir sind erschrocken: ‚Es tritt keiner ungestraft an unsere Stelle! Siehst du nicht, wie unsere Ohnmacht mächtiger ist als Gottes Macht?‘ ‚Darum wird dies auch nun so gehen, dass ich jetzt schon zum Tod verurteilt bin und das Kreuz hinter der Krippe aufgerichtet steht. Ihr werdet mich bestaunen und bewundern und dann bekämpfen, und schließlich mich ganz zugrunde richten mit eurer Ratlosigkeit und eurer eigenen Kraft und mich totschlagen.‘“

Predigt über Jesaja 9,1-6 (Weihnachten 1938) Von Helmut Gollwitzer Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; und … Mehr

Ernst Fuchs, Adventsansprache (1963): „Wo Gott wohnt, wird alles anders, da hat alles Zukunft, da gibt es keine Mietprobleme, da weicht die Finsternis, da ist Zu­kunft, da liebt die Liebe und spricht: ’siehe, ich mache alles neu!‘ Der Glaube macht das Warten zur Erwartung. Was erwarten wir von Gott? Der Glaube erwartet von Gott, daß sich Gott im Leben und Sterben durchsetzt. Und so tun wir alle gut daran, uns auch am Weihnachtsfest dieses so viel Trauriges bergenden Jahres dem Glauben hinzugeben.“

Adventsansprache (1963) Von Ernst Fuchs Wir versuchen, auf jenen Satz zu hören, den wir Joh 1,14 und 16 lasen: „Und … Mehr

Karl Barth, Euch ist heute der Heiland geboren (Weihnachten 1941): „Wer den Ernst der Weihnacht in sich hineingehen lässt, der glaubt. Alles andere ist Ersatzglaube. Es wäre viel einfacher, gerade recht zu glauben und also den Ernst der Weihnacht in sich hineingehen zu lassen. Wir können uns ja auch heute gesagt sein lassen, was heute geschehen und was heute zu uns gesagt ist. Dass der Heiland geboren und in seiner ganzen Hilflosigkeit mächtig auf dem Plane ist, das können heute auch solche realisieren, die sich noch gestern nichts davon träumen ließen. Der Ernst der Weih­nacht kann einem jeden, und er kann in allen Verhältnissen sofort greifbar und praktisch lebendig werden. Er kann von einem jeden gelebt werden. Laß dir geholfen — von dem Helfer, der uns heute geboren ist, geholfen sein! Lebe als ein solcher, dem durch ihn geholfen ist! Mehr ist nicht nötig, aber das ist nötig. Es kann ja einem jeden einleuchten — wirklich in einen jeden hineinleuchten —, dass dem Todesernst, der der menschlichen Existenz immer eigen ist, und dem besonderen Todesernst gerade unserer Zeit nur der Ernst der Weihnacht gewachsen ist, dass dieser aber eben darum in uns hineingehen und unser eigener Ernst werden muss.“

Euch ist heute der Heiland geboren (Weihnachten 1941) Von Karl Barth Die Redaktion von «Du» hat mich eingeladen, für dieses … Mehr

Rolf Wischnath, Peinlich. In Windeln gewickelt gleich zweimal: „Seit dieser Nacht, in der der Sohn Gottes geboren und gewickelt wurde, gehört jeder Mensch unserem Gott. Keiner und keine ist ihm so fern gerückt, dass Gott in der Solidarität mit diesem Wickelkind, mit dem Mann vom Kreuz – ihm oder ihr, Dir und mir – nicht auch noch die Deu­tung sagen könnte – nämlich die Liebeserklärung: Du Menschenkind gehörst auch zu mir, – und Dich habe ich lieb, gerade Dich, Dich auch. Die Windeln sind das Deutezeichen seiner Lie­be?“

Peinlich. In Windeln gewickelt gleich zweimal Von Rolf Wischnath Die Sache mit den Windeln ist die peinlichste Stelle in der … Mehr

Eberhard Jüngel, Menschlich bis in den Tod hinein. Weihnachten ist das Fest des liebenden Gottes (1971): „Ganz und gar Liebe — das ist unser Leben nicht. Und das mag denn am Christfest besonders deutlich werden: uns fehlt, was gefeiert wird; es mangelt unserer Welt an Liebe. Doch hätte man nicht vom Weihnachtsengel vernehmen können, dass ein anderer in dem reich ist, worin wir arm sind? Dieser Reichtum ist nicht auf Kosten anderer entstan­den. Liebe ist ursprünglicher Überfluß. Sie kommt aus sich selbst und strömt über – oder sie wäre nicht Liebe. Als Empfänger dieser überströmenden Liebe ist der Mensch geschaffen. Kein Mensch kann von sich aus lieben, sowenig er von sich aus sprechen und lachen kann. Der Mensch zehrt von einem Plus, das nicht erst er geschaffen hat. Von diesem Plus redete der Weihnachtsengel, als er aller Welt große Freude verkündete.“

Menschlich bis in den Tod hinein. Weihnachten ist das Fest des liebenden Gottes (1971) Von Eberhard Jüngel I Es sei … Mehr

Hans Joachim Iwand, Predigtmeditation zu 2. Korinther 1,18–22 (1953): „Gerade die bedeutendsten Prediger und Theologen, die uns das Ja Gottes in Jesus Christus in anfechtungsvoller Zeit bezeugt haben, sind heute der Kirche durch solch einen Schatten verdunkelt. Könnte nicht der letzte Sonntag vor Weihnachten eine Gelegenheit sein, vor der offenen Tür dem Ja Gottes in Jesus Christus sich neu an die Hand zu fassen, ‚uns mit euch‘! zu sagen, und so die Gemeinde von dem Argwohn zu befreien, als wollten wir Herr sein über ihren Glauben, um vielmehr von neuem Mitarbeiter zu werden an ihrer Freude.“

Predigtmeditation zu 2. Korinther 1,18–22 (1953) Von Hans Joachim Iwand Ja und Nein zugleich war keine gute Theologie (Shakespeare, König … Mehr

Eberhard Jüngel, Predigt über Matthäus 11,2-6 (1968): „Liebe Kommilitonen: Jesus hat den Täufer sehr wahrscheinlich enttäuscht. Doch desavouiert hat er ihn nicht. Es bleibt die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt. Der Richter wird kommen. Doch er wird uns nicht fremd sein. Der himmlische König wird kommen. Doch er war als der Bettlerkönig schon da. Gott selber wird kom­men. Doch er heisst Jesus Christ. Bevor er Euch fordert, gibt er Euch Gnade. Bevor er sich anbeten lässt, lässt er sich bitten. Bevor es zu spät ist, ist er bei uns zur Stelle – nicht um zu Fall zu bringen, sondern um sich zu den Gefallenen herabzubeugen. Die unten am Boden, die richtet er – auf. Denn das ist Gottes Bewegung: Zu uns hinab und mit uns hinauf. Lasst Euch bewegen! Amen.“

Predigt über Matthäus 11,2-6 Von Eberhard Jüngel Da aber Johannes im Gefängnis von den Werken Christi hörte, sandte er zwei … Mehr