Stephen E. Hanson und und Jeffrey Kopstein (The Assault on the State) über die Wiedergeburt des Patrimonialismus als Herrschaftsform: „Viele dieser Führer sind an die Macht gekommen, indem sie relativ freie und faire Wahlen gewonnen haben. Diese Männer als ‚antidemokratisch‘ darzustellen, kann bei ihren Anhängern das Gefühl schüren, dass das ‚liberale Establishment‘ heuchlerisch ist: Wenn Liberale Wahlen verlieren, nennen diese die Gewinner dann „Autoritäre“. Wir sind der Meinung, dass der treffende Begriff ‚Patrimonialismus‘ des deutschen Soziologen Max Weber die Bedrohung, die diese Führer für moderne Institutionen darstellen, besser beschreibt. Diese Männer geben sich als ‚Väter‘ ihrer Nationen aus, führen den Staat als eine Art ‚Familienunternehmen‘ und verteilen Staatsvermögen und Schutz an Loyalisten.“

In ihrem Buch The Assault on the State. How the Global Attack on Modern Government Endangers Our Future (John Wiley … Mehr

Hans G. Ulrich, »Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn« (Römer 14,8): „Es ist zu fragen, warum das Sterben, wie es zum Menschen gehört, in den verschiedenen Diskursen nicht wirklich als eben menschliches, als dem Men­schen so zukommendes und auch gewährtes in den Blick kommt – mit all dem, was an Hilfe und Beistand geleistet werden kann, aber vor allem mit all dem, was von jener anderen Geschichte im Sterben präsent wird. Das Bleiben in der Anfech­tung wie das Bleiben in der Geschichte, für die wir selbst nicht einstehen müssen, lässt uns befreit sein davon, das Sterben in die Regie nehmen zu müssen. Dies macht die ars moriendi und eine ihr entsprechende seelsorgliche Praxis aus, die in der Botschaft enthalten ist, dass wir Menschen gewürdigt sind, dieser anderen Geschichte zuzugehören, die Gott mit uns angefangen hat und die er weiterführen wird – in alle Ewigkeit.“

»Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn«[1] »Sterben« im Verständnis christlicher Tradition, auch im Blick auf die seelsorgerliche … Mehr

Manès Sperber, Mein Judesein (1979): „Ich fühle mich keineswegs verpflichtet zu allem, was die Eigenen tun, ja zu sagen, sondern eher im Gegenteil dazu berechtigt, schärfer als sonst alles zu kritisieren, was bei ihnen ungerecht, unwürdig, zu anspruchsvoll oder opportunistisch und daher unecht sein kann. Solche Strenge habe ich selbst erfahren und sie mir ohne Zögern zu eigen gemacht. Jedoch hat es seither Jahre gegeben, da Jude sein unentrinnbares Leiden bedeutete und ein unaufhörliches Mitleiden; es blieb keine Strenge, sondern nur ein winziger Rest von Zuversicht zurück und der Wille zum Widerstand, doch zumeist keine Möglichkeit, ihn zu leisten.“

Mein Judesein Von Manès Sperber I Ich schreibe diese Zeilen mitten in der Stadt, deren Na­men ich als Kleinkind im … Mehr

Sind Pfarrerinnen und Pfarrer etwa auch „symbolische Kapitalisten“ im Sinne Musa al-Gharbis (We Have Never Been Woke)? „Unsere Berufe bieten Freiheit, sozialen Status, Prestige. Wie rechtfertigen wir das? Indem wir laut behaupten: ‚Das alles ist nicht um unserer selbst willen! Wenn ihr uns diese Privilegien gebt, ist das für jeden besser, besonders für die Geringsten unter uns, besonders für die Ausgegrenzten und Benachteiligten!'“

Sind Pfarrerinnen und Pfarrer etwa auch „symbolische Kapitalisten“ Das ist wohl eine Ansage, das Buch des amerikanischen Soziologen Musa al-Gharbi … Mehr

Werner Elert, Der Christ und der völkische Wehrwille (1937): „Dass der Christ die Gemeinschaft seines Volkes nicht verleugnen kann, dass sein Glaube ihn nötigt, die Grundbedingung seiner irdischen Existenz aus der Hand Gottes entgegenzunehmen und dass er in Bereitschaft, Dienst und Liebe die praktischen Folgerungen daraus zieht, haben wir erwiesen. Aber die Durchführung des Wehrwillens bedeutet ja nun nicht nur irgendeinen Dienst und irgendeine Bereitschaft, sondern Waffendienst und Kampfbereitschaft. Der Wehrwille eines ganzen Volkes kann ohne diesen persönlichen Dienst und diese persönliche Kampfbereitschaft nicht durchgesetzt werden.“

Wer die Theologie Werner Elerts beurteilen will, muss sich dem stellen, was Elert während des Nationalsozialismus vorzutragen wusste und was … Mehr

Wenn Vertragen der Vergeltung weicht: „Wo infolge einer ökonomischen (bzw. demographischen) Verlustdynamik Kooperationsgewinne nicht länger zu erwarten bzw. erlangen sind, nimmt die ‚Verträglichkeit‘ innerhalb einer Gesellschaft ab. Sieht man sich in Sachen Wohlstand ungerechterweise auf der Verliererseite, wächst der resonante Thymos – zorngewaltige Seelenenergie, die auf Beharrung, Vergeltung und Genugtuung aus ist. Gewinnt dieser die Überhand über eine kommunikative Vernunft, geht die gegenseitige Vertrags- bzw. Kooperationsfähigkeit verloren. Dass damit die Verlustdynamik beschleunigt wird, vermag man nicht einzusehen.“

Wenn Vertragen der Vergeltung weicht In Genesis 21,22-32 wird von einem Streit um einen Wasserbrunnen (Beerscheba = „Schwurbrunnen“) erzählt, den … Mehr

Über das verfehlte Reden von Opfern: „Die Rede von verunfallten Todesopfern außerhalb von Kriegshandlungen stellt in aller Regel keinen Zweck einer Hingabe heraus und zeigt sich als problematischer Euphemismus. Bei soldatischen ‚Opfern‘ wird hingegen ein säkularisiertes ‚Opferevangelium‘ versucht. Der in einer Gefechtshandlung Verstorbene habe sein Leben für sein Volk bzw. für sein Vaterland selbst hingegeben, ohne dass sich dabei ein konkreter, willentlicher Opfergang ausmachen lässt.“

Über das verfehlte Reden von Opfern Wenn gegenwärtig in unserer Gesellschaft von Opfern die Rede ist, wird in aller Regel … Mehr

Lucie Adelsberger, Auschwitz. Ein Tatsachenbericht (1946): „Wenn wir nachts aus dem Schlaf erwachten – wir, die wir das sahen, und doch aßen und schliefen wie normale Menschen – war der Block innen hell erleuch­tet, beleckt von den Reflexen der Riesenglut. Und wenn ich aufstand und mich durch die hintere Türe des Blocks schlich und auf das gegenüberliegende Krematorium, das zweite, schaute, sah ich daneben die offenen Feuer im Freien, in die man die Kinderleiber schmiss, tote und auch lebende; hörte das Schreien der Kinder, sah, wie die Feuer mit den zarten Körpern spielten, und keine Metamorphose meines Seins, gleichviel in welcher Sphäre, wird dieses Gesicht aus meiner Seele je aus­radieren.“

Lucie Adelsberger (1895-1971) hatte als jüdischstämmige Fachärztin für Kinderheilkunde sowie Innere Medizin das KZ Auschwitz überlebt. Ihr 1946 abgefasster Text … Mehr

Wiedertäufermandat des pfälzischen Kurfürsten Ottheinrich nach einem Entwurf von Georg Frölich vom 25. Januar 1558: „Sollten sich jedoch einer oder mehrere solchermaßen aufsässigen und halsstarrigen Personen so weit vergehen, dass sie aufrührerisch werden, so wären wir gezwungen, sie entsprechend dem Verbrechen und den Reichsgesetzen an Leib und Leben nicht ungestraft zu lassen. Danach soll sich jeder richten.“

Georg Frölichs Gutachten in Sachen Religionstoleranz vom März 1530, das dieser als Nürnberger Kanzleischreiber verfasst hatte, ist in der frühen … Mehr