Martin Luthers thymotische Anmerkung zu Silvester Mazzolini von Prierios Epitoma responsionis ad Martinum Lutherum (1520): „Mir scheint jedoch, wenn der Wahnsinn der Römer so weitergeht, gibt es kein anderes Mittel mehr, als dass der Kaiser, die Könige und Fürsten, bewaffnet und mit Gewalt, diese Übel der Welt angreifen und die Sache nicht länger mit Worten, sondern mit dem Schwert entscheiden. Was plappern denn die verlorenen Menschen, auch die ohne jeglichen Verstand, als ob sie uns wie Holzstöcke hätten? Wenn wir Diebe mit der Forke, Räuber mit dem Schwert, Häretiker mit Feuer bestrafen, warum sollten wir dann nicht vielmehr diese Meister des Verderbens, diese Kardinäle, diese Päpste und die ganze verderbliche Römer-Sodom-Menge, die die Kirche Gottes ohne Ende verderbt, mit allen Waffen angreifen und unsere Hände im Blut dieser Leute waschen, als ob wir uns und unsere Mitmenschen von einem gemeinsamen und gefährlichsten Feuer befreien wollten?“

An den Leser. Anmerkung zu Silvester Mazzolini von Prierios Epitoma responsionis ad Martinum Lutherum Von Martin Luther Martin Luthers publizistische … Mehr

Martin Luther über die zu beherzigende Sanftmut in seiner Auslegung zum 5. Gebot im Großen Katechismus: „Wir sollen also jene in ihrer Feindschaft toben und zürnen lassen; mögen sie tun, was sie können! So lerne ein Mensch, den Zorn zu stillen und ein geduldiges, sanftmütiges Herz in der Brust zu tragen – besonders denen gegenüber, die ihm Ursache zum Zornigwerden geben, d. h. gegenüber den Feinden.“

Über die zu beherzigende Sanftmut (Auslegung zum 5. Gebot im Großen Katechismus, 1529) Von Martin Luther So läuft nun dieses … Mehr

Nemesios von Emesa über den Thymos (Zornmut): „Es ist aber auch manchmal so, dass der Zornmut ein Verlangen nach Vergeltung ist; denn wenn wir Unrecht leiden oder meinen, Unrecht zu leiden, werden wir zornmütig, und dann wird die Seelenstimmung eine Mischung aus Begierde und Zornmut. Die Arten des Zornmütigen sind drei: Zorn – auch Galle und Bitterkeit genannt –, anhaltender Grimm und auf Vergeltung lauernder Groll.“

In Sachen politische Pathologie ist der Begriff des Thymos (Zornmut) unverzichtbar (vgl. Fukuyama und Sloterdijk). Nemesios von Emesas Begriffsbestimmung aus … Mehr

Wenn Vertragen der Vergeltung weicht: „Wo infolge einer ökonomischen (bzw. demographischen) Verlustdynamik Kooperationsgewinne nicht länger zu erwarten bzw. erlangen sind, nimmt die ‚Verträglichkeit‘ innerhalb einer Gesellschaft ab. Sieht man sich in Sachen Wohlstand ungerechterweise auf der Verliererseite, wächst der resonante Thymos – zorngewaltige Seelenenergie, die auf Beharrung, Vergeltung und Genugtuung aus ist. Gewinnt dieser die Überhand über eine kommunikative Vernunft, geht die gegenseitige Vertrags- bzw. Kooperationsfähigkeit verloren. Dass damit die Verlustdynamik beschleunigt wird, vermag man nicht einzusehen.“

Wenn Vertragen der Vergeltung weicht In Genesis 21,22-32 wird von einem Streit um einen Wasserbrunnen (Beerscheba = „Schwurbrunnen“) erzählt, den … Mehr

Über die Wut in der Gesellschaft, den Homo optativus und den fehlenden Sinn im Leben: „Der Homo optativus sieht sich in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation um seine Wahlmöglichkeiten gebracht und kommt mit Einschränkungen, Widerfahrnissen sowie Zumutungen schwerlich zurecht. In der geäußerten Wut als Lebenshaltung vergemeinschaftet er sich mit Gleichgesinnten.“

Über die Wut in der Gesellschaft, den Homo optativus und den fehlenden Sinn im Leben Juli Zeh hat jüngst im … Mehr

Über den Thymos und dessen schädigenden Auswirkungen: „Wo der wählerische Homo optativus immer weniger für sich selbst erreichen kann und immer mehr zu verlieren hat, lässt die Verlusterfahrung den Thymos über sich herauswachsen. Als Populismus oder Haltungsaktivismus kollektiviert zersetzt er in seinem Eifer den Gemeinsinn, senkt Toleranzschwellen und lässt Konflikte eskalieren. Ist die kommunikative Vernunft nicht länger einem kollektivierten Thymos gewachsen, zerfällt ein demokratischer Verfassungsstaat in einen Tribalismus oder wird durch eine Diktatur ersetzt.“

Über den Thymos und dessen schädigenden Auswirkungen Von der anthropologischen Tradition her unterscheidet man bezüglich des Menschseins zwischen Geist (pneuma/spiritus) … Mehr