Rudolf Landau, Abraham beweint Sara (nach einem Wasserfarbengemälde von Marc Chagall). (Ein) Monolog für Gott: „Aber du ahntest es. Hast du immer. Die Liebe ahnt Schlimmes. Du sahst meinen starren Blick an jenem Morgen, der dir auswich, meine harten Züge, als ich dir nur einen flüchtigen Abschiedskuss gab, da ahntest du: ein Kuss des Vaterverrates an unsrer Liebe und am Sohn unse-rer Liebe; es passiert etwas Fürchterliches. Abraham hat in der Nacht wieder mit seinem Gott geredet, immer nachts: warum meidet Er die Sonne, das Leben, immer nachts: da, wenn es um Gefahr und lauernden Tod geht … Und du hast Isaak in die Arme genommen, es war dem Jungen ganz peinlich vor den Knechten, hast ihn nicht mehr loslassen wollen, bis ich mit eisesbrüchiger Stimme befahl: los jetzt, wir gehen …“

Abraham beweint Sara (nach einem Wasserfarbengemälde von Marc Chagall). (Ein) Monolog für Gott Von Rudolf Landau Sara war hundert sieben … Mehr

Hans-Georg Gadamer, Wer bin ich und wer bist Du? Zu einem Gedicht von Paul Celan: „Wer ist dieses Du? Es klingt fast, als wisse da einer, wieviel er dem Ich aufladen kann, wieviel das hoffende Herz des Menschen erträgt, ohne daß es die Hoffnung sinken läßt. Ein unbestimmtes Du, das viel­leicht in dem Du des Nächsten, vielleicht in dem Du des Fernsten seine Konkretion findet, oder gar in dem Du, das ich mir selbst bin, wenn ich meiner eigenen Zuversichtlichkeit die Grenzen des Wirklichen fühl­bar mache. In jedem Fall ist das Zusammenspiel von Ich und Du, das den Fang verheißt, das, was in diesen Versen eigentlich präsent ist und dem Ich seine Wirklichkeit verleiht.“

Wer bin ich und wer bist Du? Zu einem Gedicht von Paul Celan Von Hans-Georg Gadamer In den späteren Gedichtbänden … Mehr

Albrecht Goes, Karfreitag 1945: „Der Platz war leicht zu finden. Schon von weitem sah man das Bild, nicht oft mehr würde ich es sehen, denn es ging dem Ende zu: die Truppe angetreten wie einst zur Vereidigung — im offenen Rechteck. Groß und hell das Bir­kenkreuz. Vor mir ein breiter Tisch, weiß gedeckt. So decken sie zur Stunde drüben in meiner schwäbischen Dorfkirche den Altar, und ich bin’s nicht, der dort Dienst tun darf. Mein Platz ist hier bei den schwarzen Panzersoldaten, zweihundert mögen es sein oder zweihundertfünfzig. »Wis­sen Sie, was Sie da vor sich hatten, Herr Pfarrer?« fragte der Oberstleutnant, als wir nach dem Gottesdienst in sein Quartier gingen. »Das war eine Division … der evange­lische Teil, will ich sagen, einer ganzen Division. Nicht mehr viel übrig, wie?«“

Karfreitag 1945 (1948) Von Albrecht Goes Solange wir leben, wird es für uns keinen Frühling mehr geben ohne eine Erinnerung … Mehr

Albrecht Goes, Genesis: „Es ist möglich, das große Erzählungswerk der Genesis zu lesen als die kühne Schrift der Rechtfertigung, als Botschaft des Stolzes in Israel; aber die eigentliche Herrlichkeit dieser Texte erschließt sich doch nur dem, der das Wort ›Segen‹ gehört und angenommen hat als Gottes Wort: ›Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein‹, und der so denn nicht die nationalen Triumphe zuerst feiert, sondern das unerschöpfliche und unauslöschliche Geschenk des Ewigen, gültig für die Zeiten: von Abraham bis zu Salomo in sei­nem Glanz, und weiter zu Jeremia, zur babylonischen Gefangen­schaft; neu aufleuchtend in Judas Makkabäus, und überdauernd auch die dürren Tage der Synagoge von Hannas und Kaiphas und die Jahrhunderte dann: segnend Jehuda Halevi, den Dichter Israels, und den erneuerten Ursprung in der Geschichte der Chassidim, ein Wander- und Leidvolk begleitend ins Getto von Warschau und in die Todeslager von Auschwitz und Majdanek, und weiter bis ›Erez Israel‹, Vertraute und Fremde gleichermaßen erinnernd an ihre wirklichste Wirklichkeit: dass sie – um dieses Segens wil­len – bleiben, was sie sind: Abrahams Kinder.“

Genesis (1956) Von Albrecht Goes Wer lange und immer von neuem unter großen, alten Bäumen sei­nes Weges zu gehen hat, … Mehr

Gottfried Bachl, Jede Verheißung: „Jede Verheißung, dass morgen auf der Welt eine menschenfreundliche Ordnung gelten wird, die Leben und Glück garantiert, kommt zu spät. In jedem künftigen Haushalt unserer Kultur werden die Listen der Opfer hängen. Wenn es nicht dazu kommt, dass sich die Menschheit zu den Blaumeisen zurückzüchtet, wird sich immer wieder der Geist zu Wort melden.“

Jede Verheißung Von Gottfried Bachl Jede Verheißung, dass morgen auf der Welt eine menschenfreundliche Ordnung gelten wird, die Leben und … Mehr

Siegfried Einstein, In meine Heimat nur im Tod … (1975): „In meine Heimat möchte ich nicht zurück, / Nicht an den Ort, aus dem sie mich vertrieben. / Ich fühl, solang ich leb, das harte Stück / Des Steines, den sie johlend mir verschrieben // „Zur Strafe für den Juden“, wie sie keuchten; / Vortrefflich zielten sie auf meine Stirn / Und als ich wankte, sah ich nur ein Leuchten: / Im Gleitflug kam mein Traum von Tod und Hirn.“

IN MEINE HEIMAT NUR IM TOD … In meine Heimat möchte ich nicht zurück,Nicht an den Ort, aus dem sie … Mehr