Karl Barth über die Judenfrage und ihre christliche Beantwortung (1949): „Ist es wahr, daß Israel, später das Volk der Juden genannt, das erwählte Volk dieses treuen Gottes ist? Dass Gott diesem Volk die Treue hält, obwohl es ihm laut seinen eigenen heiligen Schriften immer wieder untreu war: Treue auch in allem Unheil, das seine Untreue nach sich zog? Ist es schließlich wahr, dass diese Treue Gottes darin zum Ziel kam, daß er selbst in der Person und im Tod jenes einen Juden mit der Untreue seines Volkes und mit der ganzen Menschheit radikal Schluß, mit ihm und mit der ganzen Menschheit einen neuen Anfang gemacht hat?“

Die Judenfrage und ihre christliche Beantwortung Von Karl Barth Die Judenfrage ist seit 1900 und mehr Jahren immer eine Frage … Mehr

Karl Barth, Der Pfarrer, der es den Leuten recht macht. Predigt über Hesekiel 13,1-16 (1916): „Der falsche Prophet ist der Pfarrer, der es den Leuten recht macht. Er ist dafür da, um von Gott zu zeugen, aber er sieht Gott nicht und will ihn nicht sehen, weil er zu viel Anderes sieht. Er folgt seinen eigenen menschlichen Gedanken, bleibt innerlich ein ruhiger, bequemer und sicherer Mann, vermeidet gewandt allen Anstoß, hofft und erwartet wenig oder nichts von Gott.“

Der Pfarrer, der es den Leuten recht macht. Predigt über Hesekiel 13, 1-16 gehalten in Safenwil am Sonntag, den 6. … Mehr

Karl Barth, Zum 400. Todestag Calvins (1964): „Niemand sollte sich heute einbilden, daß er, um von Vergnügen nicht zu reden, mit gutem Gewissen in dem von Calvin regierten Genf hätte leben können! Es kam dazu, daß er einen gewissen platonisierenden Dualismus in der Verhältnisbestimmung zwischen Leib und Seele, auch zwischen Himmel und Erde, Diesseits und Jenseits zeitlebens nicht los geworden ist. Er erlaubte ihm nicht, den Menschen in der Ganzheit seines Daseins, seines Elends, aber auch seiner Erlösung zu Gesicht zu bekommen und zur Sprache zu bringen: ein Mangel, der eine seiner Ethik, aber auch und vor allem seiner Zukunftserwartung eigentümlich lebensfremde Kälte nach sich ziehen mußte.“

Zum 400. Todestag Calvins Von Karl Barth Wer heute die Erinnerung an den am 27. Mai 1564 in Genf gestor­benen … Mehr

Karl Barth, Rechtfertigung und Recht (1938): „Anders steht es mit der Frage, ob der Staat das Recht hat, zur Verstärkung seiner Macht seine Untertanen und Bürger in irgend einer Form innerlich für sich in Anspruch zu nehmen und also eine von ihm her bestimmte Weltanschauung oder doch weltanschauungsmäßige Sentiments und Ressentiments von ihnen zu fordern. Diese Frage ist vom Neuen Testament her rundweg zu verneinen. Forderungen dieser Art dürften in keiner Verlängerung der Linie von Römer 13 möglich und also von Rechts wegen weder zu erheben noch zu beachten sein. Hier droht vielmehr in irgend einer Nähe oder Ferne das Tier aus dem Abgrund, während der rechte Staat gerade diesen Anspruch weder nötig hat noch auch erheben wird. Die Forderung der Liebe ist Römer 13 deutlich genug von den Forderungen, deren Erfüllung wir dem Staate schuldig sind, abgehoben. Wenn der Staat anfängt, Liebe zu fordern, dann ist er immer schon im Begriff, zur Kirche eines falschen Gottes und damit zum Unrechtsstaat zu werden. Der Rechtsstaat braucht keine Liebe, sondern nüchterne Taten einer entschlossenen Verantwortlichkeit. Eben diese sind es, die ihm durch die Kirche der Rechtfertigung gewährleistet werden.“

Rechtfertigung und Recht (1938) Von Karl Barth Die Überschrift „Rechtfertigung und Recht“ hat die Bedeutung eines Stich- und Merkwortes für … Mehr

Karl Barth über die Mystik in seiner Kirchlichen Dogmatik: „Der Mystiker wird auch die gefährlichsten Dinge, etwa über die heimliche Identität des Innen und des Außen, des Ich und des Gottes, immer sehr fromm, immer im Anschluß an die scheinbar das Gegenteil behauptende religiöse Überlieferung sagen; er wird diese sozusagen zu einem Zeugen gegen sich selbst zu machen suchen. Er wird nur für solche Deutung der Überlieferung Freiheit fordern, nicht etwa die Freiheit, die Über­lieferung einfach zu beseitigen.“

Über die Mystik (Kirchliche Dogmatik I/2) Von Karl Barth Auch die Mystik bedeutet, daß der Mensch mit ihr, sofern sie … Mehr

Karl Barth, Kirche in Erneuerung (1968): „Die Kirche ist ein in Freiheit lebendes Volk. Wenn von Freiheit die Rede ist, sollte nie vor allem das interessant sein dürfen, wovon man frei ist oder werden möchte. Die Kirche jedenfalls ist frei für – eben für ihren Dienst, für Gott und die Menschen. Es ist die Ehre des Gottes­volkes, in diesem Dienst zu stehen: Gott und so auch den Menschen dienen zu dürfen.“

Kirche in Erneuerung[1] Von Karl Barth Das Problem der Wiedervereinigung der Kirchen steht bei dieser unserer Zusammenkunft in seiner ganzen … Mehr

Karl Barths Vorwort zu seinem Büchlein „Gebete“ (1963): „Meine Vorstellung dabei ist nicht einfach die, dass die Gebete von den Gemeinden bzw. von ihren Predigern so, wie sie dastehen, übernommen werden sollten, wohl aber die, sie möchten von Dem und Jenem als Anregung zu einer energischen Besinnung darüber gelesen werden: ob er das Beten in und mit der zum Gottesdienst versammelten Gemeinde nicht ganz anders als heute üblich zum Gegenstand seiner eigenen besonders sorgfältigen Aufmerksamkeit und Arbeit machen sollte?

Vorwort zu „Gebete“ (1963) Von Karl Barth Daß unter meinem Namen noch einmal ein Gebetbüchlein erscheinen werde, hätte ich mir … Mehr

Brief eines jungen Pfarrers aus der DDR an Karl Barth 1958: „Ohne weitere Punkte aufzählen zu wollen, dürfen wir abschließend das Urteil wagen, daß sich die Ideologie der SED mehr und mehr zur Ideologie des Staates auswächst, die Identifikation von Partei und Staat in zunehmendem Maße vollzogen wird und der Christ sich nicht mehr nur von einer militant-aggressiven atheistischen Propaganda gefordert sieht, sondern einer ungeniert atheistischen Staatsmacht ausgesetzt ist.“

Brief eines jungen Pfarrers aus der DDR an Karl Barth 1958 Da schrieb ein junger Pfarrer zusammen mit einem Kollegen … Mehr