Norbert Lohfink über Kohelet: „Es kann kein Jenseits als Legitimation einer Flucht vor der Verantwortung dieses Augenblicks und als Vertröstung eingesetzt werden. Kohelet also als kritische Instanz gegen die latenten Gefährdungen christ­licher Rede! Doch dürfte auch Kohelets eigentliches Unternehmen, seine Destruktion überlieferter Formeln, die dem Menschen die Kenntnis der Zukunft vorspiegeln, seine Einladung, sich wieder ins Offene des jeweils nächsten Augenblicks zu stellen, einfach in Gottes Verfügung, bleibende Bedeutung haben.“

Über Kohelet Von Norbert Lohfink Kohelet analysiert das menschliche Dasein als Sein in der nur im gleiten­den Jetzt gegebenen und…

Daniel Goldhagen über den fränkischen Pfarrer Walter Höchstädter in seinem Buch „Hitlers willige Vollstrecker“ (1996): „In den Annalen der deutschen Geschichte während der NS-Zeit ist Höchstädters Brief mit seiner ausdrücklichen und uneingeschränkten Ablehnung des eliminatorischen Antisemitismus ein außerordentlich seltenes und leuchtendes Beispiel. Denn nahezu alle der wenigen Proteste und Bittschriften, in denen sich Deutsche gegen die Behandlung der Juden wandten, waren selbst von einem Antisemitismus durchtränkt, der irrational in seinen Überzeugungen und grausam in seinen praktischen Vorschlägen war und der nur dann als »gemäßigt« erscheint, wenn man ihn mit der mörderischen Variante vergleicht, der die Nationalsozialisten und die ganz gewöhnlichen Deutschen, die ihnen halfen, anhingen.“

Über den Pfarrer Walter Höchstädter (Hitlers willige Vollstrecker) Von Daniel Jonah Goldhagen Sicherlich haben nicht alle Kirchenmänner, Generäle, Juristen und…

Johnson Gnanabararam, Herzensgebet: „Herr, wenn ich einsam bin, schaffe in mir ein frohes Herz, das deine Gegenwart fühlt. Wenn ich schuldig geworden bin, schaffe ein in mir ein glaubendes Herz, das deine Vergebung empfängt. Wenn ich mit anderen zusammen bin, schaffe in mir ein mutiges Herz, das sich nicht scheut, ein Zeuge des Evangeliums zu sein.“

Herzensgebet Herr, wenn ich einsam bin,schaffe in mir ein frohes Herz,das deine Gegenwart fühlt. Herr, wenn ich erschöpft bin,schaffe in…

Jan Twardowski, Vom Glauben: „Wie oft muss man den Glauben verlieren / den amtlichen / den aufgeblasenen / den lebensversichernden / den Glauben „von hier — bis dahin“ — / um den einzigen zu finden / den unverglühten, grünen / den der einfach eine Begegnung im Dunkeln ist / da Ungewissheit zur Gewissheit wird / zum wahren, weil unglaublichen Glauben“

Vom Glauben Wie oft muss man den Glauben verlierenden amtlichenden aufgeblasenenden lebensversicherndenden Glauben „von hier — bis dahin“ —um den…

Eberhard Röhm über Hermann Stöhr (1898-1940): „Als einflußreiche Freunde den Sprecher des »Geist­lichen Vertrauensrats der Deutschen Evangelischen Kirche«, Landesbischof August Marahrens, drängten, ein Gnadengesuch des zum Tod verurteilten Stöhr zu unterstützen, lehnte dieser unter Hinweis auf ein Gutachten seiner Kirchenjuristen ab. Bei Stöhrs Begräbnis auf dem Berliner St. Johanniskirchfriedhof wurde die kirchliche Feier durch die anwesenden Gestapo­beamten abgebrochen, als in der Liturgie das Wort »Frieden« gefallen war.“

Hermann Stöhr Geb. 4. 1. 1898 in Stettin; gest. (hingerichtet) 21. 6. 1940 in Berlin-Plötzensee Von Eberhard Röhm Am 2.…

Alasdair MacIntyre, Sieben Eigenschaften für die Zukunft (Seven Traits for the Future, 1979): „Wer ein tugendhaftes Leben führen will, wird früher oder später kämpfen müssen – sei es waffenlos oder bewaffnet. Ohne Kampf ist kein wertvoller Staat je entstanden oder erhalten worden. Kampfbereitschaft – samt den dazu nötigen Fähigkeiten – ist daher selbst eine Tugend. Denn Krieg sollte man nur führen, wenn man ihn auch gewinnen will.“

Sieben Eigenschaften für die Zukunft (Seven Traits for the Future, 1979) Von Alasdair MacIntyre Das Problem, unsere Nachkommen zu gestalten,…

Alasdair MacIntyre, Die Natur der Tugenden (The Nature of the Virtues, 1981): „Keine Praxis kann lange Zeit ohne institutionelle Unterstützung bestehen. Tatsächlich ist die Beziehung zwischen Praktiken und Institutionen so eng – und damit auch zwischen den externen Gütern und den internen Gütern der betreffenden Praxis –, dass Institutionen und Praktiken charakteristischerweise eine gemeinsame Kausalordnung bilden. In dieser Ordnung sind die Ideale und die Kreativität der Praxis stets gefährdet durch die Besitzgier der Institution; die kooperative Fürsorge um gemeinsame Güter in der Praxis ist immer verwundbar gegenüber der Konkurrenzlogik der Institution. In diesem Zusammenhang wird die zentrale Funktion der Tugenden klar: Ohne sie – ohne Gerechtigkeit, Mut und Wahrhaftigkeit – könnten Praktiken der korrumpierenden Macht der Institutionen nicht standhalten.“

Die Natur der Tugenden: Von Homer bis Benjamin Franklin Von Alasdair MacIntyre Eine mögliche Reaktion auf die Geschichte des griechischen…

Ulrich Peter über Günther Dehn (1882-1970): „Dagegen sind Dehns Studien aus den zwanziger Jahren über die religiöse Lage der großstädtischen Arbeiterjugend weitgehend verges­sen. Der Pionier empirischer Religionssoziologie hatte hierzu mehrere beeindruckende Studien publiziert, die auf der Befra­gung mehrerer tausend Berliner Lehrlinge basierten.“

Günther Dehn Geb. 18. 4. 1882 in Schwerin; gest. 17. 3. 1970 in Bonn Von Ulrich Peter Günther Dehn wurde…