Bernhard Waldenfels über Andere, Andersheit und Anderssein: „Die Andersheit des Andere durchbricht erst dann den Kreislauf der Vermittlungen und Spiegelungen, wenn sie als Fremdheit, also als Unzugänglichkeit, Ferne, Abwesenheit sowie von einem Geschehen des Aufschubs und der Ungleichzeitigkeit her gedacht wird. Dies geschieht auf anfängliche Weise schon in Husserls Theorie der Fremderfahrung, auf radikalere Weise dann in der französischen Phänomenologie, bei Sartre, der vom uneinholbaren Blick des Anderen ausgeht, bei Merleau-Ponty, der den Anderen in zwischenleiblichen Verflechtungen wiederfindet, und vollends bei Levinas, der in seiner Ethik der »Spur des Andere« nachgeht und darauf beharrt, dass der Andere uns in Anspruch nimmt, bevor wir uns miteinander über etwas verständigen.“

Andere/Andersheit/Anderssein Von Bernhard Waldenfels 1. Sprachliche Varianten Im alltäglichen Sprachgebrauch hat ›ander‹ (ähnlich wie griech. heteros/thateros, lat. alius, franz. autre, … Mehr

Bernhard Waldenfels über ‚fremd‘ und ‚Fremdheit‘: „Die neuzeitliche Freisetzung des Ich als eines denkenden Wesens, das sich kritisch prü­fend aus den natürlichen und sozialen Zusammenhängen heraus­hebt, entfacht einen Fremdheitsbrand, der über ethi­sche und religiöse Grenzerfahrungen hinausführt und in den Kern von Ich und Welt vordringt. Eine Seele, die sich gemeinschaftlich im All spiegelt oder in Gott geborgen weiß, mag sich überall daheim füh­len. Ein Ich dagegen, das selbst ins Zentrum rückt, sieht sich mit konkurrierenden ‹Fremd-Ichen› kon­frontiert, von denen es nicht bloß verschieden, son­dern durch eine Kluft geschieden ist.“

Fremd/Fremdheit Von Bernhard Waldenfels 1. Zu den Begriffen Die Tat­sache, dass sich hinter den dt. Ausdrücken ein be­sonders komplexer Bedeutungsgehalt … Mehr

Benjamin Franklins Brief an Joseph Priestley (1780): „Der rasche Fortschritt, den die wahre Wissenschaft nun macht, lässt mich manchmal bedauern, dass ich so früh geboren wurde. Es ist unmöglich sich vorzustellen, auf welche Höhe sich in 1000 Jahren die Macht des Menschen über die Materie steigern mag. Vielleicht lernen wir, großen Massen ihre Schwere zu nehmen und ihnen absolute Leichtigkeit zu verleihen, um den Transport zu erleichtern. Die Landwirtschaft könnte ihre Arbeit verringern und ihren Ertrag verdoppeln. Alle Krankheiten mögen durch sichere Mittel verhindert oder geheilt werden, selbst jene des Alters nicht ausgenommen, und unser Leben nach Belieben verlängert werden, sogar über das vorsintflutliche Maß hinaus.“

Benjamin Franklins Brief an Joseph Priestley Passy, 8. Feb. 1780 Sehr geehrter Herr, Ihr freundlicher Brief vom 27. September ist … Mehr

Søren Kierkegaard über die Freude: „»Ich freue mich an meiner Freude, aus, in, mit, bei, an, durch und mit meiner Freude« – ein himmlischer Kehrreim, der gleichsam plötzlich unseren übrigen Gesang abschneidet; eine Freude, die gleich einem Windhauch kühlt und erfrischt, ein Stoß des Passats, der vom Hain Mamre zu den ewigen Hütten weht.“

Über die Freude Von Søren Kierkegaard Es gehört sittlicher Mut dazu, zu trauern; es gehört religiöser Mut dazu, froh zu … Mehr

Die „Mobile“-Finanzierung in der Gesundheits- und Pflegewirtschaft und deren Risiken: „Trifft ein plötzlicher Windstoß auf das Mobile, wirkt eine äußere Kraft, die die Elemente aus ihrer Lage verschiebt. Der Schwerpunkt verlagert sich, entstehende Drehmomente können nicht mehr durch die Fadenspannungen ausgeglichen werden. Die Elemente kippen oder verhaken sich, das System findet nicht in seine Ordnung zurück und sackt ungeordnet zusammen. Ganz analog verhält es sich bei einer stark fremdfinanzierten, gemeinnützigen Unternehmensgruppe in der Pflege- und Gesundheitswirtschaft.“

Die „Mobile“-Finanzierung in der Gesundheits- und Pflegewirtschaft und deren Risiken In der Gesundheits- und Pflegewirtschaft entstehen zunehmend Firmenkonglomerate, die nicht … Mehr

Hans-Georg Gadamer über die Hermeneutik (1974): „Die Überlieferung, in der wir leben, ist nicht eine sogenannte kulturelle Überlieferung, die aus Texten und Denkmälern allein bestünde und ei­nen sprachlich verfaßten oder geschichtlich dokumentierten Sinn vermittelte. Vielmehr wird uns die kommunikativ erfahrene Welt selbst als eine offene Totalität beständig übergeben, «traditur», und hermeneutische Anstrengung gelingt überall da, wo Welt erfahren, Unvertrautheit aufgehoben wird, wo Einleuchten, Einsehen, Aneignung erfolgt, und am Ende auch dort, wo die Integration aller Erkenntnis der Wissenschaft in das persönliche Wissen des Einzelnen gelingt.“

Hermeneutik Von Hans-Georg Gadamer Hermeneutik ist die Kunst des ἑρμηνεύειν, d.h. des Verkündens, Dolmetschern, Erklärens und Auslegens. ‹Hermes› hieß der … Mehr

Günther Anders, Die Antiquiertheit des Hassens (1985): „Was ich nun auszusprechen im Begriff stehe, wird in den Ohren Friedliebender (auch in meinen) furchtbar klingen, aber es ist unverschweigbar: Gerade die Hasslosigkeit, die Hassunfähigkeit der In­strumente, gerade dieser Defekt ist es, an dem wir zugrunde gehen werden. Gute Zeiten waren das, als Krieger einander noch bedrohten und abschlachteten und als Kriege noch von Hassfähigen geführt wur­den. Die waren noch immerhin Menschen gewesen. Und die einander Hassenden konnten unter Umständen auch einmal aufhören, zu has­sen; und damit auch aufhören, zu kämpfen; und damit auch aufhören, zu vernichten; oder vielleicht sogar anfangen, einander zu lieben.“

Die Antiquiertheit des Hassens Von Günther Anders Erstes Stück: Vorgedanken I «Sie hassen nichts?» «Doch», antwortete Zeno. «Etwas schon.» «Und … Mehr

Immanuel Kant über Hiob (Über das Misslingen aller philosophischer Versuche in der Theodizee, 1791): „Der Schluss ist dieser: dass, indem Hiob gesteht, nicht etwa frevelhaft, denn er ist sich seiner Redlichkeit bewusst, sondern nur unweislich über Dinge abgesprochen zu haben, die ihm zu hoch sind, und die er nicht versteht, Gott das Verdammungsurteil wider seine Freunde fällt, weil sie nicht so gut (der Gewissenhaftigkeit nach) von Gott geredet hätten als sein Knecht Hiob. Betrachtet man nun die Theorie, die jede von beiden Seiten behauptete: so möchte die seiner Freunde eher den Anschein mehrerer spekulativen Vernunft und frommer Demut bei sich führen; und Hiob würde wahrscheinlicherweise vor einem jeden Gerichte dogmatischer Theologen, vor einer Synode, einer Inquisition, einer ehrwürdigen Classis, oder einem jeden Oberkonsistorium unserer Zeit (ein einziges ausgenommen), ein schlimmes Schicksal erfahren haben.“

Über Hiob (Über das Misslingen aller philosophischer Versuche in der Theodizee, 1791) Von Immanuel Kant Hiob wird als ein Mann … Mehr

Cesare Beccaria wider die Todesstrafe (1764): „Was sollen die Menschen denken, wenn sie die gelehrten Richter, die ernsten Priester der Gerechtigkeit sehen, wie sie mit gleichgültiger Ruhe im langsamen Aufzug einen Verbrecher zum Tode schleppen lassen, wenn sie sehen, wie der Richter, an dem Platz, wo eben der Unglückliche, von Todesangst ergriffen, dem verhängnisvollen Augenblick entgegenstarrt, in gleichgültiger Kälte, vielleicht sogar selbstgefällig seiner Macht gedenkend, vorübergeht, um die Bequemlichkeiten und die Freuden des Lebens weiter zu genießen?“

Von der Todesstrafe Von Cesare Beccaria Es war der italienische Rechtsphilosoph Cesare Beccaria (1738-1794), der sich mit seinem Werk Dei … Mehr