Hans Joachim Iwands Entwurf eines Friedenswortes für die Synode der EKD in Berlin-Weißensee 1950: „Wir bitten Gott, dass der letzte dieser Kriege die Wendung der Menschheit zum Frieden einleitete und dass, was jener zerstörte an Leib und Seele, eine neue und junge Generation aufbauen könne, zur Ehre Gottes und in der Kraft unseres Erlösers, Jesus Christus. Wir kommen von Ostern her und gehen Pfingsten entgegen. Hinter uns steht die Tat der Versöhnung der Welt mit Gott und der Sieg des gekreuzigten Jesus von Nazareth über den Tod. Wir sind eingeschlossen in seinem Triumph. Vor uns steht die Verheißung des Pfingstgeistes, der den Geist von Babel mit seiner Sprachenverwirrung aufzuheben vermag. Wir wissen, dass wir nichts anderes sein können als Gottes Zeugen in der Welt und vor der Welt.“

Entwurf eines Friedenswortes für die Synode der EKD in Berlin-Weißensee 1950 Von Hans Joachim Iwand Auf der Bruderratssitzung vom 9./10. … Mehr

Verena Pfenninger-Stadler, Zur religiösen Begründung der Frauenbewegung innerhalb des Protestantismus (1931): „Prüfen wir also, wem wir dienen sollen und wessen Rechte wir fordern. Oft verdammen gerade die den Kampf um Rechte, die ihre eigenen Vorrechte nicht aufgeben wollen. Dann aber müssen wir fragen: Ist es nicht gerade aus dem Geist der Liebe heraus geboten, für die Unterdrückten und Entrechteten zu kämpfen? Worum geht es in der Frauenbewegung? Um das Erwachen der Frau zu größerer Selbständigkeit und Verantwortung. Wir kämpfen nicht nur um Rechte, sondern darum, unsere Gaben zum Wohl aller einzusetzen. So dürfen wir Rechte fordern, um rechten Dienst tun zu können.“

Zur religiösen Begründung der Frauenbewegung innerhalb des Protestantismus Von Verena Pfenninger-Stadler Die Katholikin, die in Nr. 12 des Frauenblattes im … Mehr

Hans Joachim Iwand, Daß ihr bestehen könnt. Dortmunder Abschiedspredigt zu Epheser 6,10-17 (1945): „Ihr lebt in einer gefährlichen Welt, ihr seid selbst Menschen, verwundbar, verführbar, allen Anfechtungen preisgegeben, in euch selbst lebt der Verräter, der nur allzu gern und allzu leicht mit dem Feinde, der die Festung berennt, paktiert, der nur allzu leicht Gleiches mit Gleichem ver­gilt und für den und für dessen Praxis die Parole ‚Auge um Auge, Zahn um Zahn‘ nur zu verständlich ist. Hütet euch. Nehmt den Helm des Heils. Laßt euch beschirmen von der Heilsbotschaft, die über euch erklungen ist. Ihr seid gerettet, ihr dürft darauf vertrauen, daß jene Tat, am Kreuz geschehen, für euch da ist, dass dieses Heil von Christus erwirkt, auch euch umschließt.“

Daß ihr bestehen könnt Abschiedspredigt gehalten in der Notkapelle von St. Marien Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, … Mehr

Heino Falcke, Christus befreit – darum Kirche für andere (1972): „Christus bringt nicht eine religiöse Sonderfreiheit oder Seelenfreiheit. Er fasst die Knechtschaft des Menschen an der verborgenen Wurzel, denn er hat sie bis ins tiefste durchlitten. Er wurde nicht nur Bruder der Ausgestoßenen und Armen, Opfer politischer, religiöser, gesellschaftlicher Unterdrückung. Er hing für uns am Kreuz in der tiefsten Knechtschaft der Schuld und des Todes. Aus dieser Knechtschaft, die kein Mensch wenden kann, ist Gott für uns und mit uns aufgebrochen, als er den Gekreuzigten auferweckte. Dieser Auszug führt zum Reich der Freiheit, das mit den Mächten der Sünde und des Todes alle Knechtschaft der Welt zerbrechen will. Noch sind wir auf dem Weg, noch trägt die Freiheit Christi Kreuzesgestalt, aber aus der Kraft einer großen Hoffnung. Sie greift über alle menschlichen Freiheitsbewegungen hinaus, aber gerade so greift sie in sie ein, richtet Zeichen der Befreiung auf und gibt eine Zuversicht, die nicht resignieren muss.“

Christus befreit – darum Kirche für andere (1972) Von Heino Falcke Heino Falckes Hauptreferat bei der BEK-Synode vom 30. Juni … Mehr

Eberhard Jüngel, Mut zur Angst. Dreizehn Aphorismen zum Jahreswechsel (1978): „Allein gelassene Angst setzt sich allerdings gern absolut. Darin gleicht sie der dem angstfreien Dasein verpflichteten Aufklärung. Doch indem sie einander auszuschließen trach­ten, werden beide abstrakt. Und so verhindern sie den ein­zig möglichen Weg zur Überwindung der Angst, zu einem wenigstens auf Zeit angstfreien Dasein und dem ihm ent­sprechenden Handeln. Angst allein macht keinen Mut zur Angst, sondern macht eher mutlos ängstlich. Aufklärung allein macht ebenfalls keinen Mut zur Angst, sondern eher Angst vor der Angst. Der Mut zur Angst muß von wo­anders her kommen. Er hat sicherlich mancherlei Quellen. Eine von ihnen ist der Mensch gewordene Gottessohn, der die Angst überwunden hat. Er ermutigt zugleich zu einer Bestimmung des Verhältnisses von Angst und Aufklärung.“

Mut zur Angst. Dreizehn Aphorismen zum Jahreswechsel Von Eberhard Jüngel 1. Noch ist es nicht Angst, noch ist es nur … Mehr

Jürgen Ebach, Dialektik der Aufklärung. Zu 1. Mose 3,9 ‚Mensch wo bist Du?‘: „Die Vertreibung aus dem Gottesgarten ist nicht die Strafe für die Übertretung des Verbots, sondern dessen zwangsläufige Folge. Man kann nicht Mündigkeit und Rundumversorgung zugleich wollen; die Bedürfnisse nach Freiheit und nach Sicherheit kommen einander oft in die Quere. Auch das ist ein Motiv, welches auf manche Anschlussbeobachtungen und -fragen führen kann. In größter Klarheit setzt unsere Erzählung den Preis der Autonomie ins Bild. Die Welt steht den mündig gewordenen Menschen offen, aber diese offene Welt ist nicht mehr die des geschützten Lebens im begrenzten Gottesgarten.“

Dialektik der Aufklärung Von Jürgen Ebach Der Text für die Bibelarbeit zum Kirchentag: 1. Mose 3 und darin die Losung … Mehr

Lothar Kreyssigs Schreiben an Reichsjustizminister Franz Gürtner wider die nationalsozialistische ‚Euthanasie‘-Aktion T4 (1940): „Die Frage nach dem Sinn solchen Lebens rührt an die tiefsten Daseinsfragen überhaupt. Sie führt unmittelbar auf die Frage nach Gott. So ist auch meine Stellung zu ihr und – denke ich – vieler anderer Deutscher und deutscher Richter durch meinen christlichen Glauben bestimmt. Von dort her ist die »Vernichtung lebensunwerten Lebens« überhaupt ein schwerer Gewissensanstoß. Leben ist ein Geheimnis Gottes. Sein Sinn ist weder im Blick auf das Einzelwesen noch in dessen Bezogenheit auf die völkische Gemeinschaft zu begreifen. Wahr und weiterhelfend ist nur, was Gott uns darüber sagt. Es ist darum eine ungeheuerliche Empörung und Anmaßung des Menschen, Leben beenden zu dürfen, weil er mit seiner beschränkten Vernunft es nicht oder nicht mehr als sinnvoll begreift. Ebenso wie das Vorhandensein solchen hinfälligen Lebens ist es eine von Gott gegebene Tatsache, dass es allewege genug Menschen gegeben hat, die fähig waren, solches Leben zu lieben und zu betreuen, wie denn rechte Liebe ihre Größe und den Abglanz ihrer göttlichen Herkunft gerade dort hat, wo sie nicht nach Sinn und Wert fragt.“

Schreiben des Vormundschaftsrichters Dr. Lothar Kreyssig wider die nationalsozialistische „Euthanasie“-Aktion T4 an Reichsjustizminister Franz Gürtner[1] Brandenburg/Havel, 8. Juli 1940 An … Mehr

Johannes Hamel, Predigt über 1. Timotheus 2,1-6 (1955): „Macht Gottes Retterwillen nicht wieder klein und schäbig! Er hat die Leute im Zuchthaus in Naumburg ebenso lieb wie die, die sie verurteilt haben und bewachen! Er hat uns in der Kirche ebenso lieb wie alle übrigen Naumburger! Er hat die Russen lieb zusammen mit uns Deutschen, den Amerikanern, den Chinesen und alle übrigen Völker der Erde. Er hat die böse Schwiegermutter, wenn sie böse ist, ebenso in alle Ewigkeit lieb wie ihre Schwiegerkinder! Der Funktionär der Partei, den Kaufmann, den Arbeiter, den Volkspolizisten, den Kapitalisten – sie alle haben eine Würde, sie alle sind adlig: Gott ist für sie alle da als ihr guter und gnädiger Gott durch Jesus Christus, unsern Heiland.“

Predigt über 1. Timotheus 2,1-6 (1955) Von Johannes Hamel Liebe Brüder und Schwestern! Was würdet Ihr tun, wenn in diesem … Mehr

Ernst Wolf über Nachfolge: „Im Unterschied zum idealistischen Verständnis der Nachfolge wird sie in biblisch-reformatorischen Sinn als jener Vollzug des Liebesgebotes zu be­greifen sein, der durch die selbstlose Sorge für das Menschsein des Menschen bestimmt ist, dafür, dass ihm sein Recht widerfährt. Sie verlangt die Verant­wortung und den Dienst jedes Christen als des ein­zelnen unter Verzicht auf eigenes Recht, eigene Ehre, eigene Würde, eigenes Gut. Eine evangelische Sozialethik wird den Gedanken der Nachfolge als kritisches Prin­zip tiefer und le­bendiger als bisher aufgreifen und entfalten müssen.“

Nachfolge Von Ernst Wolf Nachfolge knüpft als Leitwort von erheblich ethisch und sozialethischer Bedeutung in den versch. Zeiten der Kirche … Mehr