Johannes Brenz, Antwort auf das Verzeichnis, das auf die Frage gestellt ist, ob eine weltliche Obrigkeit das Recht habe, in Glaubensangelegenheiten mit dem Schwert zu handeln [Antwort auff die vertzeichnus, so auff diße frag (Ob ein weltliche oberkait recht habe, in des glaubens sachen mit dem schwert zu handeln) gestelt ist, 1530]: „Aber wenn es nicht beim Glauben im Herzen und beim persönlichen mündlichen Bekenntnis bleibt, sondern so weit geht, dass man sich versammelt – sei es öffentlich oder heimlich –, ein neues Lehramt aufrichtet und beginnt zu lehren, dann beginnt es, Sache der weltlichen Obrigkeit zu werden, sich in solches Handeln einzumischen. Dann kann sie solche Versammlungen und Lehrämter fördern, wenn sie nützlich und friedlich erscheinen, oder sie verhindern, wenn sie aus triftigen Gründen als schädlich und unfriedlich erkannt werden.“

Georg Frölich anonym verfasste Gutachten „Ob eine weltliche Obrigkeit das Recht habe, in des Glaubens Sachen mit dem Schwert zu … Mehr

Wenn das Volk murrt … hat man da noch Töne? Gerold Jaspers über das Murren in der Bibel: „Gegenüber schweren Schickungen Gottes oder dem Leiden überhaupt bedeutet das Nichtmurren keineswegs ein fatalistisches Sichabfinden, sondern ein williges Aufsichnehmen der Last, die um Gottes oder Christi willen getragen werden will. Gleichzeitig erweist sich darin das Vertrauen zu Gott, dessen Liebe sich in der Auferstehung Christi so unverhüllt zu erkennen gegeben hat, daß alle Dunkelheiten des Lebens, und wäre es das Sterben selbst, dem Glaubenden nur als Gelegen­heiten göttlicher Hilfe und Rettung erscheinen (bis hin zur Auferstehung zum ewigen Leben), aber keinen Grund zum Murren bieten.“

Murren, murmeln in der Bibel Von Gerold Jaspers Das Wort begegnet als Aus­druck der Unzufriedenheit mit widerwärtigen Ereig­nissen und Taten, … Mehr

Kardinal Jean-Marc Avelines Missionstheologie in seiner Predigt in Québec vom September 2024: „Zunächst scheint mir wichtig, dass wir uns daran erinnern, dass der Grundauftrag der Kirche darin besteht, dem Liebesdienst Gottes an der Welt zu dienen. ‚Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt‘, schreibt der heilige Johannes, ‚dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern ewiges Leben hat‘ (Joh 3,16). Eine solche Weise, die Mission zu leben, rückt die Kirche aus ihrer Selbstbezogenheit heraus. Sie darf nicht von der Sorge um das eigene Überleben absorbiert sein, sondern soll Jesus in sich lebendig halten – ihn, der ‚der Weg, die Wahrheit und das Leben‘ ist (Joh 14,6), der sie stets zu erneuern vermag und den sie zu verkünden hat – nicht so sehr durch spektakuläre Aktionen, sondern durch Präsenz, Nähe, und Aufmerksamkeit für jeden Einzelnen, besonders die Geringsten. Wir stehen nicht im Zentrum, sondern im Dienst einer Liebesbeziehung, die uns übersteigt und zugleich beansprucht.“

Kardinal Jean-Marc Aveline, Erzbischof von Marseille, ist im Frühjahr zum Vorsitzenden der französischen Bischofskonferenz gewählt worden. Wofür er missionstheologisch steht, … Mehr

Karl Barth, Die Hoffnung der Kirche und die Hoffnung der Welt. 18 Thesen (1951): „Die Kirche dürfte, müsste und könnte in der Welt die große, umfassende und endgültige Hoffnung vertreten und verkündigen: die bevorstehende Wiederkunft Jesu Christi als die allgemeine Offenbarung der Versöhnung der Welt mit Gott, die eben in Jesus Christus schon geschehen ist. Die Wahrheit und Kraft dieser Botschaft der Kirche hängt zu allen Zeiten und in allen Verhältnissen davon ab, ob die Kirche selbst die Lektion, die sie der Welt lehren möchte, schon gelernt hat, oder doch zu lernen ernstlich im Begriff steht, d.h. ob sie selbst in der großen, in Jesus Christus begründeten und auf ihn gerichteten Hoffnung für die Welt lebt: in der Zuversicht, dass diese letztlich die einzige, aber auch die ganz gewisse und genügende Hoffnung ist.“

Die Hoffnung der Kirche und die Hoffnung der Welt. 18 Thesen (1951) Von Karl Barth 1. Unter „Hoffnung“ ist zu … Mehr

Hans Joachim Iwand in seiner Predigtmeditation zu Lukas 6,36 (1950): „Könnten wir von hier aus denken, also von da aus, dass Gott barmherzig ist, dass alles, unser Sein und unser Erlöst-Sein, dies bezeugt und unter Beweis stellt, dann wür­den wir gewiß die tiefe, sich immer wieder gegen den Richter kehrende Problematik des Richtens begreifen, wir würden von uns aus mithelfen, dass die Umkehrung her­beigeführt wird, dass Gnade vor Recht kommt, Evange­lium vor dem Gesetz, Erbarmen vor dem Verurteilen, und würden so die Sache des Höchsten als unsere eigenste An­gelegenheit fördern und vertreten.“

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Lukas 6,36) Gott ist barmherzig. Wir – obschon wir Staub und Asche … Mehr

Zur ethischen Problematik eigener Identifikationen (Sympathismus): „Statt unkritischer Identifikation ist passionierte Solidarität angebracht. Solidarität – im ursprünglichen Sinne als gemeinschaftliche Verantwortung bzw. Haftung verstanden – ignoriert kein Fehlverhalten, sondern spricht dieses um der göttlichen Gerechtigkeit willen an. Während Identifikation auf Selbstbestätigung in einem Gruppenideal aus ist, stellt sich Solidarität problematischem Gruppengeschehen bzw. -vergehen, die das eigene Gewissen versehren.“

Zur ethischen Problematik eigener Identifikationen (Sympathismus) Identifikation lässt sich unterschiedlich thematisieren. Kognitiv verstanden geht um das Wiedererkennen bzw. das begriffliche … Mehr

Solidaritätsherausforderung durch Christen aus dem Heiligen Land: „Am Montag, dem 7. Juli 2025, legten Siedler vorsätzlich ein Feuer in der Nähe des Friedhofs der Stadt und der historischen Kirche des Heiligen Georg (Al-Khadr), die aus dem 5. Jahrhundert stammt – einem der ältesten religiösen Wahrzeichen Palästinas. Wäre es nicht der Wachsamkeit der lokalen Bewohner und dem schnellen Eingreifen der Feuerwehr zu verdanken gewesen, hätte der Schaden weitaus katastrophaler ausfallen können. In einer Szene, die inzwischen provokant alltäglich geworden ist, lassen Siedler weiterhin ihr Vieh auf den landwirtschaftlichen Flächen Taybehs grasen – darunter auch auf familienbetriebenen Feldern und in der Nähe von Wohnhäusern – ohne dass es zu einer Abschreckung oder einem Einschreiten seitens der Behörden kommt. Diese Verstöße gehen über bloße Provokationen hinaus; sie verursachen unmittelbare Schäden an Olivenbäumen – einer lebenswichtigen Einkommensquelle für die Menschen in Taybeh – und hindern die Bauern daran, ihr Land zu erreichen und zu bewirtschaften.“

X-Kommentar von Nikodemus Claudius Schnabel OSB, Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem: „Der Hilferuf der drei Pfarrer von Taybeh, dem Griechisch-Orthodoxen, … Mehr

Der Leipheimer Pfarrer Conrad Daniel Kleinknecht (1691-1753) über den aus Giengen stammenden Steinheimer Pfarrer Bonifacius Stöltzlin (1603-1677) und dessen ‚Geistlicher Adlerstein oder Gebetbuch für Schwangere und Gebärende‘ (Ulm 1652): „Daraus ist also deutlich ersichtlich, warum unser seliger Herr Magister Bonifacius Stöltzlin dieses Buch für schwangere und gebärende Frauen mit dem Titel ‚Geistlicher Adlerstein‘ versehen hat. Mit dem beigefügten Wörtchen geistlich will er sagen: Selbst wenn dieser kostbare und nützliche Stein – der sogenannte Adlerstein – seiner natürlichen Eigenschaft nach eine solche Wirkung auf Schwangere und Gebärende haben mag oder auch nicht: Dieses mein Buch trägt doch mit Recht den Titel ‚Geistlicher Adlerstein‘, weil schwangere und gebärende Frauen darin eine schriftgemäße Anleitung, viele andächtige Gebete und Seufzer finden, wie sie sich während der Schwangerschaft, bei und nach der Geburt christlich verhalten sollen – und wie der allmächtige und barmherzige Gott um Christi willen, der der rechte, auserwählte, kostbare und bewährte Eckstein in Zion ist, ihnen und ihren Kindern mächtig und wunderbar helfen will.“

Neue Vorrede zu Bonifacius Stöltzlin, Geistlicher Adlerstein Von Conrad Daniel Kleinknecht (1691-1753) I. Über das Leben, Wirken und die Schriften … Mehr

Was wir glauben und was wir nicht glauben (Wat wij wel en wat wij niet geloven). Holländisches Bekenntnis gegen die nationalsozialistische Rassenideologie und den Antisemitismus (1941): „Wir glauben und bekennen, dass Gott von alters her das Volk Israel erwählt hat, um Seine Offenbarung zu empfangen bis zur Erscheinung Jesu, des aus diesem Volk geborenen Messias. Diese Berufung hat Israel durch eine Tat von Gottes unergründlicher, freier Gnade empfangen, denn an sich war Israel nicht besser, würdiger oder geeigneter als die anderen Völker. Aber diesem Volk hat der Herr Sein Wort anvertraut, damit alle, die zu Gott kommen, ‚in Israel eingepfropft‘ werden. Daher halten wir den Antisemitismus für etwas weit Schlimmeres als eine unmenschliche Rassenideologie. Wir halten ihn für eine der hartnäckigsten und tödlichsten Formen des Widerstands gegen den heiligen und barmherzigen Gott, dessen Namen wir bekennen.“

Was wir glauben und was wir nicht glauben (Wat wij wel en wat wij niet geloven, 1941)1 Der Text, den … Mehr