Joseph Wittig, Das Buch der radikalen Wirklichkeit (1939): „Die Bibel ist das Buch von den Urgründen unseres Daseins in Ewigkeit und Einzeltag und darf nur als solches und muss als solches herausgegeben, umhegt und geschützt werden. Das Buch von den Urgründen, von dem, was wir nicht mehr sehen, nicht mehr erfahren, in dem wir aber doch wurzeln, aus dem es sich allein lohnt zu leben. In der Bibel spricht Gott zu den Men­schen. Wenn Gott nicht zu uns spricht, so ist unser Leben sinn­los. Aber in unserer Wirk­lichkeit spricht Gott nicht zu uns; in unserer Wirklichkeit sendet er uns keine Boten. Unsere Wirk­lichkeit hat ein Gesicht, als ob überhaupt kein Gott da sei. Wenn wir diese Wirklichkeit nicht durchdringen und eine andere, wahrere Wirklichkeit sehen können, dann sind wir wahr­haftig ein trostlos armseliges Geschlecht. Wenigstens manchmal muss der Nebel unserer Wirk­lichkeit zerreißen und das Himmelsblau dahinter sichtbar werden. Das Himmelsblau dahinter ist die ewige, unendliche Bibel, die sich uns in die Hände legt als ein abgeschlossenes Buch. Himmelsblau über uns wird uns oft ge­zeigt und gepredigt; wir heben unsere Augen und Hän­de em­por. Aber wir brauchen Himmelsblau unter uns und rings um uns, damit wir unsere wandernden Füße darauf setzen, damit wir darin handeln und leben können.“

Als Kurt Ihlenfeld 1939 im Hinblick auf eine Revision der Luther-Bibel von 1912 den Band „Das Buch der Christenheit. Betrachtungen … Mehr

Hermann Sasse im Kirchlichen Jahrbuch 1932: „Die Evangelische Kirche müsste mit dem offenen Geständnis beginnen, dass ihre Lehre eine vorsätzliche und permanente Beleidigung des „Sittlichkeits- und Moralgefühls der germanischen Rasse“ ist und dass sie demgemäß keinen Anspruch auf Duldung im Dritten Reich hat.“

Wie nur wenige andere evangelische Theologen hatte Hermann Sasse schon vor 1933 die grundsätzliche Unvereinbartkeit der nationalsozialistischen Ideologie mit der … Mehr

Wer bin ich wirklich? Warum persönliche Integrität kollektiver Identität vorzuziehen ist: „Wo ‚identitativ‘ argumentiert wird, werden andere Menschen mit denselben Eigenschaften zwangsläufig bevormundet bzw. vereinnahmt. Im Zusammenleben mit anderen Menschen geht es primär nicht um Identitäten, die es zu bestärken und zu verteidigen gilt. Vielmehr sind wir in unserer persönlichen Integrität ethisch herausgefordert.“

Wer bin ich wirklich? Warum persönliche Integrität kollektiver Identität vorzuziehen ist „Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn … Mehr

Johann Christoph Hampe über Joseph Wittig: „Man hat ihn einen modernen Hiob genannt, und der Vergleich mag darin wirklich stimmen, dass er das, was ihm widerfuhr, als ein Schicksal hinnahm, das ihn von diesem Gott und seiner Kirche nicht trennen konnte. Noch zuletzt hat er das Hiobschicksal in Protest und Ergebung durchdekliniert, als er die „schlesische Passion“ und seinen Auszug aus der geliebten Heimat als seinen „Roman mit Gott“ erlebte und formulierte.“

Über Joseph Wittig (1879-1949), dem er als Schlesier landsmännisch verbunden gewesen ist, hatte Johann Christoph Hampe 1966 ein sympathisches Porträt … Mehr

Elisabeth Schmitz, Denkschrift „Zur Lage der deutschen Nichtarier“ von 1935/36 (vollständiger Text): „Einer Judenverfolgung im Namen von Blut und Rasse muss eine Christenverfolgung notwendigerweise folgen. Einen Anfang davon hat die Bekennende Kirche, haben vor allem ihre Pfarrhäuser zu spüren bekommen. Aber trotz alles Leides wird es niemand ein­fallen, es in einen Vergleich setzen zu wollen zu dem Leid der deutschen Juden und Nicht­arier. Und ganz abgesehen von der Größe des Leides bleibt der große Unterschied: Der Christ leidet persönlich, der Jude und Nichtarier mit Kindern und Enkeln. Und selbst wenn die Glie­der der Bekennenden Kirche unter die Ariergesetzgebung gestellt würden, wären noch immer die Ver­wandten, die weitere Familie nicht mitbetroffen. Und die Hauptsache: Die Bekennende Kir­che leidet – und darf das wissen – um ihres Glaubens willen, der Nichtarier wird verfolgt, weil Gott ihn in eine bestimmte Familie hat hineingeboren werden lassen.“

Im Sommer 1935 wurde der Bekennende Kirche sowohl vom Völkischen Beobachter wie auch vom Stürmer vorgeworfen, dass sie die nationalsozialistische … Mehr

Segen statt Segnung. Was die evangelische Liturgie der römisch-katholischen promissorisch voraushat: „Im aaronitischen Segen wird ja das HERRliche Gutheißen (ברך brk) mittels der Redefigur der Anhäufung (congeries) dynamisch entfaltet. Dieser Segen sagt dem Gesegneten einen umfänglichen Gegenwartsraum des dreieinigen Gottes zu, in dem sich das eigene Leben bewegen darf. Nicht die Faktizität der Segnung und auch nicht das Gebet um den göttlichen Segen stehen in der evangelischen Liturgie im Vordergrund, sondern die promissorische Wirklichkeit des Segens, was auch katholische Christen als Mitgesegnete zu schätzen wissen.“

Segen statt Segnung. Was die evangelische Liturgie der römisch-katholischen promissorisch voraushat Eine Stärke der evangelischen Liturgie ist der zugesprochene Segen, sei … Mehr