Martin Niemöller, Zum Schuldbekenntnis (1945): „Wir haben wenig oder gar nichts getan, um dem Verderben Einhalt zu gebieten, und vor allem haben wir, d. h. die Kirche, versagt, denn wir haben um den falschen und den rechten Weg gewußt und haben die Menschen ungewarnt ins Verderben rennen lassen. Ich schließe mich von dieser Schuld nicht aus, sondern ich schließe mich jedesmal ausdrücklich ein, denn ich habe auch geschwiegen, wo ich hätte reden müssen! Wenn wir nicht umkehren und uns selber unserem Herzen eingestehen, daß wir einen falschen Weg gegangen sind aus Furcht und Unglauben, dann bleibt der Bann auf uns, und kein Prophet darf uns den Trost Gottes in unsere Verstocktheit hinein verkünden. Und wenn wir gar anfangen, jetzt, nachdem wir eine Welt mit Qualen, Blut und Leichen, mit Trümmern und Wüstenei angefüllt haben, den anderen ihre Sünden vorzuhalten, dann kann ich nur sagen: alles das ist ja nur ein Quäntchen gegenüber dem Zentnergewicht dessen, was wir auf unsere Gewissen geladen haben.“

Zum Schuldbekenntnis (1945) Von Martin Niemöller … Ihnen geht es um die „Schuldfrage“, und dazu hätte ich viel zu sagen. … Mehr

Erhard Mueller, Predigt zum Bußgebet Daniels (9,15-18) vom 16. November 1938 (Auszug): „Aller Antisemitismus, sofern er der Ausdruck stolzer Selbstgerechtigkeit ist und er gibt sich heute so – ist eine Verachtung der Vergebung am Kreuz, ein Trotzen auf eigene Gerechtigkeit. Hier, an dieser Stelle gilt es radikal umzukehren, Buße zu tun! Weh der Kirche, die hier schweigend beiseite steht, die hier nicht vielmehr in die Knie bricht vor ihrem ganzen Volk, wie Daniel es vor der Gemeinde tut: »Wir liegen vor dir nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit«!“

Predigt zum Bußgebet Daniels (9,15-18) vom 16. November 1938 (Auszug) Von Erhard Mueller Das Bekenntnis der Schuld als der Wurzel … Mehr

Martin Niemöller, Rede auf der Kirchenversammlung in Treysa 1945: „Es handelt sich ja eben nicht darum, dass wir als Kirche in der Vergangenheit dies und das falsch gemacht haben, es handelt sich nicht um Fehler, sondern wir haben grundsätzlich das uns aufgetragene Amt im Ungehorsam versäumt und sind damit schuldig geworden. Deshalb haben wir Buße zu tun und umzukehren im rechten Gehorsam, deshalb mit Ernst zu fragen, wie es nun anders, ganz anders werden kann und soll. – Wir sind eine Behördenkirche gewesen, und dieser Umstand hat es uns erleichtert, nur das traditionell Übliche zu tun und nicht weiter zu fragen, was denn eigentlich unsere Verantwortung war; die Kirche der Zukunft wird nie wieder Behördenkirche sein dürfen. Wir haben als Landeskirche in erster Linie unser Augenmerk darauf gerichtet, den Bestand zu wahren, und darüber haben wir den Blick für notwendige Entwicklungen und für die drängenden Aufgaben des Augenblicks verloren.“

Bericht im Auftrag des Reichsbruderrats. Rede auf der Kirchenversammlung in Treysa 1945 Von Martin Niemöller Meine verehrten Herren und Brüder! … Mehr

Friedrich Wilhelm Hopf, Predigt über Psalm 119,96 (Mai 1945): „Wir werfen jetzt nicht Steine auf andere, sondern schlagen an die eigene Brust und rufen: o unsere Schuld, unsere Schuld, unsere übergroße Schuld! Denn wir haben oft geschwiegen, wo wir als Kirche Jesu Christi in Deutschland hätten laut reden und deutlich Zeugnis geben müssen: Es ist nicht recht! Wir hätten reden müssen zum Mord an den Blöden in den Heil- und Pflegeanstalten. Wir hätten reden müssen zu dem großen Unrecht an anderen Völkern und zu der unheimlich anwachsenden Menschenvergötterung … Stattdessen ist mal leider mitgelaufen, hat mitgeschrieen und mitgesungen, wo für einen Christen ein ernstes Schweigen das Richtige gewesen wäre. So war’s überall in Deutschland. So war’s auch in Mühlhausen. Denkt ihr noch an den November 1938, wie es damals in unserem Dorfe zuging, an jedem trüben Tag, der für immer ein häßlicher Schandfleck in der Geschichte unserer christlichen Gemeinde bleiben wird? Wißt ihr noch, was man damals unserer Schuljugend angetan hat, als man sie von Haus zu Haus führte dorthin, wo Gewalttätigkeit und Ungerechtigkeit verübt wurden, als man in den Herzen unserer getauften Klinder wirklich mehr zerschlug als die Scherben von Glas und Porzellan von damals? Wer aber hat damals laut und deutlich gesagt: Es ist nicht recht!? Ist nicht das Schweigen in einem solchen Fall auch eine Mitschuld?“

Predigt über Psalm 119,96 (Mai 1945) Von Pfarrer Friedrich Wilhelm Hopf Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm … Mehr

Kirchlich-theologische Sozietät, Ein Wort an die Gemeinden zur Entnazifizierung (1946): „Darf ich denn als Christ andere anklagen und belastende Tatsachen gegen sie vorbringen? Die Ant­wort muss heißen: Wenn du ohne den Drang nach persönlicher Vergeltung nicht reden kannst, dann schweig! Wenn du aber im Namen unschuldiger Opfer, um der Sühne böser Taten willen, um der Sicherung des Volkes und vor allem der Jugend vor neuem Nationalsozialis­mus und Militarismus willen Tatsachen vorbringen kannst, dann rede und steh zu deiner Rede!“

Ein Wort der Kirchlich-theologischen Sozietät an die Gemeinden zur Entnazifizierung Liebe Mitchristen! Nationalsozialismus und Militaris­mus sind nach Wurzel, Geist und … Mehr

Gustav Radbruch zur Schuldfrage und Strafverfolgung bezüglich der NS-Verbrechen (Rechtsphilosophie): „Uns genügt, dass zum mindesten die Unmenschlichkeitsverbrechen nach einem jedem Menschen bewußten übergesetzlichen, natürlichen Recht ein schweres Unrecht darstellen. Verschuldetes Unrecht ist aber, wie Kant gezeigt hat, mit Strafwürdigkeit identisch, und solchen zu dienen, die trotz erkennbarer Straf­würdigkeit sich auf mangelnde positive Strafbarkeit berufen, kann nicht wohl der Sinn des Prinzips nulla poena sein.“

Zur Schuldfrage und Strafverfolgung bezüglich der NS-Verbrechen Von Gustav Radbruch Ein Spruch von Theodor Storm lautet: „Vom Unglück erst zieh … Mehr

Reinhold Schneider über Schuld und Neuanfang nach 1945: „Wir glauben, diese Mahnung unserem Volke schuldig zu sein und zugleich der Welt und den Toten allen. Das unsägliche Leid darf nicht verlorengehen für das Leben der Völker; die Gnade, die Gottes Barmherzigkeit in der Schuld verborgen hat, muß errungen werden. Es ist die Gnade der Wandlung, der Herzensveränderung, der Wiedergeburt, erneuter Einsicht in die Wirklichkeit unseres Lebens vor Gott, eines neuen Trachtens und Denkens.“

Über Schuld und Neuanfang nach 1945 Von Reinhold Schneider Ein Vorgang, der fast ohne Beispiel ist, rollte in wenigen Jahren … Mehr

Karl Jaspers über sich selbst in seiner Lebensbeschreibung von 1946: „Als ich mit 18 Jahren (1901) aus der Kirche austreten wollte, sagte mein Va­ter: ‚Mein Junge, es ist leicht, nein zu sagen, wenn man nichts Bes­seres weiß. Die Welt ist zu gutem Teil des Teufels. Die menschlichen Ordnungen soll man achten, wenn sie nicht offenbar schaden. Man kennt das Unheil nicht, das entsteht, wenn sie zerbrechen. Wir sind nicht allein auf der Welt. Solange man lebt, hat man die Verpflich­tung, an alle anderen zu denken.’“

Lebensbeschreibung[1] Von Karl Jaspers Geboren bin ich am 23.2.1883 in Oldenburg, evangelischer Konfes­sion. Ich bin aufgewachsen in der Geborgenheit eines … Mehr