Heinrich-Hermann Ulrich, Theologie der Haushalterschaft (1981): „Die Gemeinde Jesu Christi steht deshalb nicht nur unter dem Gesetz der Sammlung und der eigenen Auferbauung, sondern ebenso der Sendung in die Welt. Als Leib Christi ist sie das Werkzeug dieser Sendung, und die Charismen sind das Kräftepotential des dafür erforderlichen Dienstes. In den Charismen, die Christus seiner Gemeinde gibt, will er sein Auferstehungsleben allen Menschen und, wie etwa die orthodoxe Kirche betont, dem ganzen Kosmos mitteilen.“

Theologie der Haushalterschaft Von Heinrich-Hermann Ulrich Als junger Pfarrer nahm ich 1952 an der zweiten Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in…

Gerhard O. Forde, Über das Sein eines Theologen des Kreuzes (1997): „Ein Theologe des Kreuzes sagt, was eine Sache ist. In heutiger Sprache: Ein Theologe des Kreuzes nennt die Dinge beim Namen. Wer ‚alles durch das Leiden und das Kreuz betrachtet‘, ist gezwungen, die Wahrheit zu sagen. Die Theologie des Kreuzes gibt also den theologischen Mut und den begrifflichen Rahmen, um die Sprache festzuhalten. Sie wird zweifellos auch eine kritische Prüfung der Sprache und ihres Gebrauchs beinhalten. Sie wird anerkennen, dass der verschwundene Teil des Vokabulars erschreckend und anstößig sein kann. Doch sie wird erkennen, dass gerade das Kreuz und die Auferstehung die einzige Antwort auf dieses Problem sind – nicht Tilgung oder Ignoranz.“

Über das Theologe-Sein des Kreuzes (On Being a Theologian of the Cross) Von Gerhard O. Forde Wir befinden uns in…

Martin Luther, Das Magnificat, verdeutscht und ausgelegt (1521): „O ein wie reiner Geist ist das gewesen, der von Gottes Güte, sie zu lieben, zu loben und ihr zu folgen, nicht ablässt in der höchsten Not. Einen solchen Geist erzeigt hier die Mutter Gottes Maria, daß sie, mitten in den großen, überschwänglichen Gütern schwebend, ihnen dennoch nicht verfällt, nicht ihren Nutzen darin sucht, sondern ihren Geist rein behält in Liebe und Lob des bloßen Gutseins Gottes, bereit, willig und gern anzunehmen, wenn Gott sie derselben wieder berauben und einen armen, nackten, Mangel habenden Geist ihr lassen wollte.“

Das Magnificat, verdeutscht und ausgelegt (1521) Von Martin Luther Der Lobgesang der Maria (Lukas 1,46-55) – nach dem ersten Wort…

Jürgen Moltmann über Theodizee (1983): „Wie kann man nach Auschwitz noch von ‚Gott‘ reden? Wie überhaupt noch vom Menschen? Drei Punkte wurden in der christlichen Diskussion um eine Theologie nach Auschwitz wichtig: (a) Die Frage nach der Rechtfertigung Gottes kann nicht beantwortet werden, aber sie darf auch niemals aufgegeben werden. Die Frage nach Gott lebt fort in einem unstillbaren Hunger nach Gerechtigkeit. (b) Es kann keine Theologie nach Auschwitz geben, die nicht auch die Theologie in Ausch­witz aufnimmt: die Gebete der Opfer. Gott selbst war in ihren Gebeten gegenwärtig; als ihr Leidensgefährte hält er Hoffnung aus, wo keine Hoffnung mehr möglich ist. (c) Die Frage der Theodizee bleibt offen – bis zur neuen Schöpfung, in der Gottes Gerechtigkeit wohnt und die Antwort gibt.“

Theodizee Von Jürgen Moltmann 1. Der Begriff (vom Griechischen für „Rechtfertigung Gottes“) geht zurück auf G. W. F. von Leibniz:…

Ernst Cassirer über das Wiederkehr des Mythus in der Gesellschaftskrise (Vom Mythus des Staates, 1945): „Der Mythus ist nicht wirklich besiegt und unterdrückt worden. Er ist immer da, versteckt im Dunkel und auf seine Stunde und Gelegenheit wartend. Diese Stunde kommt, sobald die anderen bindenden Kräfte im sozialen Leben des Menschen aus dem einen oder anderen Grunde ihre Kraft verlieren und nicht länger imstande sind, die dämonischen mythischen Kräfte zu bekämpfen.“

Über das Wiederkehr des Mythus in der Gesellschaftskrise Von Ernst Cassirer Die mythische Organisation der Gesellschaft scheint von einer vernünftigen…

Jürgen Moltmann über die Hoffnung (1983): „Wie der Glaube den Menschen an den gekreuzigten Christus bindet, so öffnet die Hoffnung diesen Glauben auf die allumfassende Zukunft des auferstandenen Christus. In der Hoffnung auf das Reich Gottes erfährt der Christ auch den Widerspruch zwischen Auferstehung und Leben und einer Welt des Bösen und des Todes. Glaube, der sich zur Hoffnung öffnet, bringt nicht Frieden, sondern Unruhe. Im Gegensatz zur erlebten Wirklichkeit nimmt die Liebe die Erde an, weil sie auf die neue Schöpfung hofft. So zieht die Hoffnung die Glaubenden hinein in das Leben der Liebe und befreit sie zur Solidarität mit der ganzen leidenden Schöpfung.“

Hoffnung Von Jürgen Moltmann 1. Die europäische Geschichte des Hoffnungsbegriffs ist geprägt von der Spannung zwischen der griechischen Philosophie und…

Kristlieb Adloff, »Mein ist die Rache, redet Gott«. Zum Umgang mit den biblischen Feindpsalmen: „Was ist das für ein Gott, dem wir uns so, von aller frommen Maskerade entblößt, in rückhalt­loser Wahrhaftigkeit zumu­ten können? Das ist der Punkt, um den es geht, wenn wir uns den befremdli­chen »Feindpsalmen« aussetzen. Es geht um Gott selbst, um einen befremdlichen Gott, von dem wir uns kein Bild machen dürfen, und sei es das Bild eines Gottes der Liebe nach menschlichen Maßstä­ben.“

»Mein ist die Rache, redet Gott«. Zum Umgang mit den biblischen Feindpsalmen Von Kristlieb Adloff »Herr, Gott, des die Rache…

Leonhard Hutter, Vom Kreuz und den Tröstungen (Compendium locorum theologicorum, 1610): „Zeigt nicht auch die Philosophie gewisse Tröstungen? Sie zeigt zwar gewisse Tröstungen, doch sind sie sehr schwach und können in schwereren Leiden nicht standhalten. Solche sind: 1. Die Notwendigkeit, woraus der oft zitierte Spruch stammt: ‚Ertrage es, beklage es nicht, was du nicht ändern kannst.‘ 2. Die Würde der Tugend, dass man wegen des Schmerzes nichts Unrechtes tue. 3. Ein gutes Gewissen. 4. Beispiele anderer. 5. Hoffnung auf einen guten Ausgang. 6. Der Ruhm eines unvergänglichen Namens – und andere ähnliche.“

Vom Kreuz und den Tröstungen (Compendium locorum theologicorum) Von Leonhard Hutter 1. Aus welchen Gründen lässt Gott es zu, dass…

Karl Barth, Alle!, Predigt zu Römer 11,32 (1957, Strafanstalt Basel): „Eingeschlossen! Über die nächste Bedeutung dieses Wortes will ich in diesem Haus, in welchem es so viele verschlossene Türen gibt, kein einziges Wort verlieren. Der Mensch kann noch ganz anders und viel schlimmer eingeschlossen sein, als ihr es hier seid. Eingeschlossen vielleicht in ein Leid, das ihn betroffen hat und das nun aus seinem Herzen und Leben nicht mehr weichen will! Eingeschlossen in einen Kummer, Zorn und Haß, den er gefaßt und vielleicht mit Recht gefaßt hat, gegen Menschen, die ihm ein Unrecht, etwas Böses oder Ungeschicktes angetan haben!“

Alle!, Predigt zu Römer 11,32 (1957) Von Karl Barth Gebet vor der Predigt: Herr unser Gott, du willst, daß die…