Warum Kruzifixe in deutschen Gerichtssälen unangebracht sind: „Der Gottessohn hängt nicht symbolisch am Kreuz. Daher vermag das Kruzifix eben kein Kultursymbol zu sein, und seien damit auch christliche Werte wie Barmherzigkeit und Nächstenliebe gemeint. Wie soll nun das Kruzifix, das den Vollzug einer Todesstrafe abbildet, in einem staatlichen Gerichtssaal, wo ja Religionsneutralität geboten ist, Geltung finden können? Wenn der Richter am Kopfende unter einem Kruzifix sitzt, wirkt dieses auf die gegenübersitzenden Zuschauer wie ein Hoheitszeichen: Spricht ein Richter in einem Strafprozess eine Verurteilung aus, so scheint dieses Urteil durch das Kreuz Christi hinter ihm als höhere göttliche Macht autorisiert worden zu sein. Damit wird die christliche Botschaft des Crucifixus in das genaue Gegenteil verkehrt. Dem Evangelium zufolge hat Jesus Christus am Kreuz von Golgota die Strafschuld der Menschen auf sich genommen, auf dass diese im rechtfertigenden Glauben an ihn von der eigenen Verdammnis freigesprochen werden.“

Warum Kruzifixe in deutschen Gerichtssälen unangebracht sind In der aktuellen Ausgabe von Christ in der Gegenwart (CiG) ist von mir…

Helmut Gollwitzer, Predigt über Psalm 98,1 (Sonntag Kantate, 1988): „Fangt neu an zu singen! Wie ihr auch dransein mögt, fangt neu an zu singen, lasst euch mitnehmen ins Singen, ins Got­teslob, ins Lob dieses Gottes – trotz allem, was ihr gegen ihn auf dem Herzen habt, trotz aller Klagen und Beschwerden gegen ihn –, macht mit bei den Lobgesängen! Ihr werdet sehen, wie wohl das euch tut, wie das euren geschlagenen, verstummten Herzen hilft, wie auch ihr all­mählich wieder mit hineingezogen werdet ins Singen, ins Danken, ins Loben.“

Helmut Gollwitzer (1908-1993) hatte 1988 am Sonntag Kantate in Berlin-Dahlem folgende Predigt zu Psalm 98,1 gehalten, die persönliche Frömmigkeit mit…

Hans Joachim Iwand, Über das Wesen und die Wurzel des Bösen (1960): „Meinen Sie vielleicht, die Deutschen hätten den Nationalsozialismus deswegen gemacht, weil sie so schlecht waren? Sie haben ihn doch deswegen gemacht, weil sie gut waren! Ach, alles, was mich dazu trieb, war ach so gut, war ach so lieb. Meine Studenten sind doch nicht darum damals so begeistert gewesen für diese Dinge, weil sie die Judenmorde wollten oder weil sie die Verbrechen wollten, die dann begangen sind, sondern weil sie meinten, hier sei ein Licht, hier sei Hoffnung; sonst wäre es ja so leicht, einfach den Menschen zu sagen, tue das doch nicht! Wer tut denn eine böse Tat um des Bösen willen?“

Im Januar 1960 hielt Iwand auf dem Kongress der Vereinigung der Studierenden an den theologischen Fakultäten (VSTF) in Leiden einen…

Alfons Deissler, Auslegung von Micha 6,8: „Man hat dir verkündet, o Mensch, was gut ist und JHWH an dir sucht: nichts anderes als Gerechtigkeit üben, Güte und Treue (ḥesed) lieben und in Dienmut wandern mit deinem Gott. Der Prophet gibt eine lapidare Antwort auf die Frage, was vor JHWH »Religion« ist. Er ver­weist dabei auf die wesentliche Willensoffenbarung Gottes, wie sie seit Mose von allen Propheten Israel verkündet wird. Der Angeredete wird hier ’ādām (= »Erdling«) genannt wie in Dtn 8,3; Jes 2,17; Lev 1,2; 13,2. Der Bescheid wird zuerst auf »das Gute« hin orien­tiert, d. h. aber im hebräischen Verständnis: was dem Menschen guttut und ihn glücken läßt. Vorab darum »sucht« Gott das Gute an ihm bzw. erwartet es von ihm. Das »Gute« be­steht in nichts anderem als in dem in der Form eines Dreispruches (drei ist die Zahl Gottes) Ausfor­mulierten und Konkretisierten: JHWHs erstes Anliegen ist »Recht und Gerechtigkeit« (miš­pāṭ; Leitwort des Amos).“

Micha 6,8 als Grundsatz biblischer Ethik Von Alfrons Deissler „Man hat dir verkündet, o Mensch, was gut ist und JHWH…

Hans Joachim Iwands Predigtmeditation über Matthäus 28,1-10 (Osternacht, 1947): „In dieser tiefen Nacht, da hinter dem Kreuz die dunkle, böse, regungslose Tarantel aufleuchtet in allen ihren giftigen Farben, sitzt der Engel in seinem reinen Kleid, sitzt wie nach getanem Werke, und spricht zu denen, die ins Angesicht der Tarantel schauen mußten: Fürchtet euch nicht! Freuet euch! Es ist alles nicht wahr. Wahr ist, was allein wahr sein kann. Dass Jesus nicht hier unten ist. Wahr ist, dass sich die Welt mit dieser Tat übernommen hat. Wahr ist, dass die Geschichte mit Jesus Christus weitergeht, so wie sie begonnen hat, in Galiläa und von Galiäa aus. Wahr ist, dass es heißen wird: tamen vicisti, Galilaee!“

Hans Joachim Iwands Predigtmeditation über Matthäus 28,1-10 aus dem Jahr 1947 zeigt eine Expressivität, die sich über jegliche Textbesinnlichkeit hinwegsetzt:…

Helmut Gollwitzer über den rechten Osterzweifel (Jesu Tod und Auferstehung nach dem Bericht des Lukas, 1941): „Ein Osterzweifel muss in das Herz kommen, ein fröhlicher und respektloser Zweifel gegenüber der Herrschaft des To­des auf Erden, gegenüber der Hoffnungslosigkeit unseres Lebens, der Unabänderlichkeit des Weltlaufes, der Unbe­kanntheit und Ferne Gottes, den harten Gesetzen des Verge­hens, der Sinnlosigkeit des Leides, der Überlegenheit der Macht über das Recht, der Unterworfenheit der Wahrheit unter die Lüge.“

In seinem Buch „Jesu Tod und Auferstehung nach dem Bericht des Lukas“ (Theologische Existenz heute 77, München: Evangelischer Verlag Albert…

Karl Barth, Was ist Ostern? (1926): „Es kann nur noch ein Wunder geschehen, nein, nicht ein Wunder, das Wunder Gottes, Gottes unbegreifliches, ret­tendes Eingreifen und Erbarmen, die umfassende, aus dem Tode zum Leben führende Erneu­erung von ihm her, Gottes Schöpferruf, Gottes Lebenswort – und das heißt eben: Auferste­hung! Auferstehung von den Toten! Auferstehung, nicht Fortschritt, nicht Entwicklung, nicht Aufklärung, sondern, was das Wort sagt, ein Ruf vom Himmel her: Steh auf, du bist tot, aber ich will dir Leben geben.“

Den folgenden Text „Was ist Ostern“ hat Karl Barth 1926 verfasst: Was ist Ostern? Was ist Ostern? Auferstehung, antwortet uns…

Eberhard Jüngel, Einige Bemerkungen zum Menschsein des Menschen aus theologischer Perspektive: „Der Mensch existiert nicht nur aus der Beziehung Gottes zu ihm. Er bezieht sich seiner­seits auf Gott. Er bezieht sich aber auch auf seine natürliche und soziale Umwelt. Und er be­zieht sich in allen diesen Beziehungen immer auch auf sich selbst. Der Mensch ist also ein beziehungsreiches Wesen, ein Wesen, dessen Sein nach dem Urteil Luthers überhaupt nur in praedicaemento relationis angemessen bestimmt werden kann. Ein auf sich selbst reduzierter Mensch wäre nichts anderes als eine Leiche.“

Einige Bemerkungen zum Menschsein des Menschen aus theologischer Perspektive Von Eberhard Jüngel Kurz, eloquent und hintersinnig hat Eberhard Jüngel die…