Roger Mehl über die Vaterlandsliebe (1962): „Man kann von einer Pathologie der Vaterlandsliebe sprechen. Die Verabsolutierung ihres Gegenstandes liegt in der Natur jeder Liebesleidenschaft: alle guten Eigenschaften werden auf ihn übertragen, alle übrigen Gegenstände verachtet oder gehaßt. So hat die Vaterlandsliebe bei den einzelnen Nationen zu Argwohn und Empfindlichkeit geführt, zum Machtwillen, zu Verachtung oder Hass dem Ausland gegenüber, zur Bildung eines Mythenkranzes, der die inter­nationalen Beziehungen vergiftet.“

Vaterlandsliebe Von Roger Mehl Vaterlandsliebe ist ein spontanes und tiefes Gefühl, das einerseits zu aufopferndem, ja heldischem Handeln anspornen kann,…

Dietrich Ritschl, »Story« als Rohmaterial der Theologie (1976): „Der »story« kommt unter allen Sprechweisen für die Theologie eine ganz besonders hohe Bedeutung zu, die im folgenden analysiert werden soll. Nicht, daß die Theologie selbst sich in »stories« artikulieren solle (eine »narrative Theologie« ist – genau genommen – eine Fehlbezeichnung), aber sie hat es ganz wesentlich mit »stories« zu tun.“

»Story« als Rohmaterial der Theologie Von Dietrich Ritschl In der hier vorliegenden Arbeit bespreche ich nur einen Teil des »Rohmaterials«…

Dietrich Ritschl, Predigt zu 1. Johannes 4,17 bei der Beerdigung der Dichterin Marie Luise Kaschnitz (1974): „Ja geht denn ihre Geschichte weiter, jetzt, nach dem Tod? Sie geht doppelt weiter: einmal – und das scheint uns das Nächste – in unserer Erinnerung, aus der wir noch jahrelang Kraft und Hoffnung schöpfen können. Dann aber auch anders: nicht nur in unserer Erinnerung, sondern im Gedächtnis Gottes. Vielleicht ist Gottes Liebe und Gottes Gedächtnis dasselbe. Dort ist der Mensch bewahrt.“

Predigt zu 1. Johannes 4,17 (bei der Beerdigung der Dichterin Marie Luise Kaschnitz) Von Dietrich Ritschl Darin ist die Liebe…

Primo Levi über die Bedeutung der Häftlingsnummern in Auschwitz (Se questo è un uomo/Ist das ein Mensch, 1947): „Es dauerte Wochen und Monate, bis wir den Klang der Nummer auf Deutsch gelernt hatten. Und viele Tage lang, wenn die Gewohnheit der freien Tage mich veranlasst, nach der Uhrzeit auf meiner Armbanduhr zu schauen, erscheint mir mein neuer Name ironisch, die Nummer in bläulichen Flecken unter meiner Epidermis versteppt.“

Über die Bedeutung der Häftlingsnummern in Auschwitz Von Primo Levi Häftling: Ich habe gelernt, dass ich ein Häftling bin. Mein…

Helmut Gollwitzer, Gib meinen Augen Licht! Bibelarbeit zu Psalm 13,4 – Unterwegs zu einer Theologie des Friedens: „Matt und trüb sind unsere Augen, wenn wir krank sind und schwach, wenn wir verzagen, weil uns das Leben zu schwer ist und die Aufgabe zu groß, wenn wir no future sagen, wie heute so viele junge Menschen. Wenn wir um uns herum nur trübe Augen sehen, dann werden auch wir davon angesteckt.“

Gib meinen Augen Licht! Bibelarbeit zu Psalm 13,4 Von Helmut Gollwitzer „Schaue doch und erhöre mich, Herr, mein Gott! Gib…

Erik Peterson, Der Reiche und der Arme (1952): „Das Schlimme an der Geschichte vom Reichen und Armen ist, daß sie eigent­lich nie zu Ende gegangen ist. Denn als der Arme und der Reiche gestorben waren und in der anderen Welt sich befanden, lag der Arme noch immer vor den Augen des Reichen [nur daß keine Tür da war, die von dem einen zum andern führte], und noch immer sah der Arme nicht zu dem Reichen auf und sprach kein Wort zu ihm.“

Der Reiche und der Arme (1952) Von Erik Peterson Der arme Mann lag noch immer auf der Straße vor dem…