Liebe Gemeinde, diese Geschichte kennen wir alle. Man möchte fast sagen: Zur Genüge. Sie heißt ja „Die Geschichte vom Sündenfall“.…
Franz Kafka über den Uhrmacher-Gott (Tagebücher 1910-1923): „Ich knüpfte damals gern an das in einer christlichen Zeitschrift – ich glaube »Die christliche Welt« – gefundene Thema an, in welchem eine Uhr und die Welt und der Uhrmacher und Gott einander gegenübergestellt waren und die Existenz des Uhrmachers jene Gottes beweisen sollte.“
Über den Uhrmacher-Gott Von Franz Kafka 31. Dezember 1911 Während ich manchmal glaube, daß ich während der ganzen Gymnasialzeit und…
Hans Ferdinand Fuhs zur spielenden Weisheit (Sprüche 8,30f): „Spiel vermag zur Realität auf Distanz zu gehen und sie zugleich zu verwandeln. Spiel heißt, ungesichert mit Möglichkeiten umzugehen und mit offenen Fragen zu leben, nicht gleich in allem einen letzten Sinn entdecken zu müssen, die Freiheit zu haben, dem Zwang eines geschlossenen Welt- und Lebensordnungssystems zu widerstehen.“
Zur spielenden Weisheit (Sprüche 8,30f) Von Hans Ferdinand Fuhs Das Spiel der Weisheit vor (nicht für) JHWH spielt an auf…
Schreiben des bayerischen Pfarrers Rudolf Stählin an Landesbischof Hans Meiser in Sache Wehrdienst vom Juni 1940: „Der Krieg, in dem ich den gewaltigen Eingriff der Hand Gottes in unser gewohntes Leben spüre, macht vor keinem Lebensbereich Halt. Eine alte Weltgestalt wird durch ihn zerbrochen mit allen ihren Institutionen und Formen. Auch die Gestalten des inneren, des geistigen Lebens werden durch ein läuterndes Feuer hindurchgeführt. Diese Seele unseres Volkes erfährt durch den Krieg ein Sterben, das Verheissung hat auf ein neues Leben hin. Dieses Geschehen von übergeschichtlicher, apokalyptischer Bedeutung brennt uns heiss in der eigenen Seele. Es macht auch nicht Halt vor meinem kirchlichen Dienst, der mich mit verantwortlich macht für das Heil der Seele meines Volkes. Mit vielen Freunden und Brüdern weiss ich mich eins in der sehnsüchtigen Hoffnung und im Vertrauen darauf, dass sich uns im Erleben dieses Krieges die rechten Wege erschliessen, auf denen wir die Menschen unseres Volkes, die bisher in der Kirche nicht den lebendigen Gott fanden, mit dem Evangelium, das uns anvertraut ist, erreichen.“
Schreiben Rudolf Stählins an Landesbischof Hans Meiser in Sache Wehrdienst als Pfarrer vom Juni 1940 Nachdem der Thüngener Pfarrer (und…
Paulusapokalypse (pseudepigraphische Visio Sancti Pauli aus dem vierten Jahrhundert): „O elende Seele, ich bin der Engel, der dir anhing, täglich dem Herrn berichtend deine bösen Werke, die du Tag und Nacht getan hast; und wenn es in meiner Macht gewesen wäre, so würde ich dir auch nicht an einem einzigen Tage gedient haben, aber nichts davon konnte ich tun. Denn Gott ist barmherzig und ein gerechter Richter, und er hat uns geboten, dass wir nicht aufhören sollen, der Seele zu dienen, bis ihr bereut. Du aber hast die Zeit der Reue verloren. Und ich bin dir heute ein Fremder geworden und du mir. Lass uns also zu dem gerechten Richter gehen; ich will dich nicht entlassen, bevor ich vom heutigen Tage an weiß, dass ich dir ein Fremder geworden bin. Und der Geist verwirrte sie, und der Engel beunruhigte sie. Als sie aber zu den Mächten gekommen war, da sie schon in den Himmel einzutreten fortging, da wurde eine schlimme Last über die andere auf sie gelegt. Denn der Irrtum und die Vergesslichkeit und das Zutragen kamen ihr entgegen und der Geist der Hurerei und die übrigen Mächte und sagten zu ihr: Wohin gehst du, elende Seele, und wagst es, in den Himmel zu eilen? Halt an, dass wir sehen, ob wir an dir unser Eigentümliches haben, weil wir keinen heiligen Helfer bei dir sehen.“
Paulusapokalypse (Visio Sancti Pauli) Bearbeitet von Hugo Duensing (1877-1961) Die Visio Pauli ist eine in zahlreichen griechischen, lateinischen und volkssprachlichen…
Eduard Thurneysen über Karl Barth in seiner Frühzeit (1973): „Barth ist nicht nur «Hieronymus im Gehäuse», der ist er wohl auch, aber zugleich ist er der Kämpfer für Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit, der vom Evangelium her die Not der ganzen Welt als das Feld sieht, auf dem es zu wirken gilt. Es muss, wie Barth gelegentlich zu sagen pflegte, zwischen Bibel und Zeitung zu blitzen beginnen wie zwischen den beiden Polen eines elektrischen Lichtbogens, damit es hell wird auf Erden.“
Über Karl Barth in seiner Frühzeit Von Eduard Thurneysen Karl Barth war von 1911—1921 Pfarrer in Safenwil. Bedenken wir diese…
Friedrich Heer über Sergej Bulgakow (1871-1944): „Geschichte ist wesensgemäß Apokalypse — die Offenbarung Gottes durch das Getöse der Ereignisse. Für jeden Menschen ist sein eigenes Leben solch eine Apokalypse, und gleicherweise birgt jede Epoche ihre eigene Enthüllung. Die Geschichte ruft uns zu einem prophetischen Verständnis, und wir müssen auf ihren Ruf durch prophetische Einsichten und Kühnheit antworten.“
Sergej Bulgakow Von Friedrich Heer Sergej Nikolajevic Bulgakow, geboren am 29. Juli 1871. Studierte von 1890—94 Jura in Moskau, hatte…
Friedrich Wilhelm Hopf, Predigt über Psalm 119,96 (Mai 1945): „Wir werfen jetzt nicht Steine auf andere, sondern schlagen an die eigene Brust und rufen: o unsere Schuld, unsere Schuld, unsere übergroße Schuld! Denn wir haben oft geschwiegen, wo wir als Kirche Jesu Christi in Deutschland hätten laut reden und deutlich Zeugnis geben müssen: Es ist nicht recht! Wir hätten reden müssen zum Mord an den Blöden in den Heil- und Pflegeanstalten. Wir hätten reden müssen zu dem großen Unrecht an anderen Völkern und zu der unheimlich anwachsenden Menschenvergötterung … Stattdessen ist mal leider mitgelaufen, hat mitgeschrieen und mitgesungen, wo für einen Christen ein ernstes Schweigen das Richtige gewesen wäre. So war’s überall in Deutschland. So war’s auch in Mühlhausen. Denkt ihr noch an den November 1938, wie es damals in unserem Dorfe zuging, an jedem trüben Tag, der für immer ein häßlicher Schandfleck in der Geschichte unserer christlichen Gemeinde bleiben wird? Wißt ihr noch, was man damals unserer Schuljugend angetan hat, als man sie von Haus zu Haus führte dorthin, wo Gewalttätigkeit und Ungerechtigkeit verübt wurden, als man in den Herzen unserer getauften Klinder wirklich mehr zerschlug als die Scherben von Glas und Porzellan von damals? Wer aber hat damals laut und deutlich gesagt: Es ist nicht recht!? Ist nicht das Schweigen in einem solchen Fall auch eine Mitschuld?“
Predigt über Psalm 119,96 (Mai 1945) Von Pfarrer Friedrich Wilhelm Hopf Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm…
Paul Schempp, Brief an eine Schwermütige in der Heilanstalt G. (1945): „Wenn ich könnte, so würde ich Sie zu Weihnachten holen und Ihrer Mutter und Schwester bringen, und Sie müssten die Engelein singen hören, bis auch Ihnen das Herz im Leibe lacht: »Ja, in dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesus Christ!« Aber so oder so, Sie werden bald aus Ihrer Höhle herauskommen und sich wundern müssen, »wenn Er, wie Ihm gebühret, mit wunderbarem Rat das Werk hinausgeführet, das dich bekümmert hat«.“
Brief an eine Schwermütige in der Heilanstalt G. Kirchheim, den 12. Dezember 1945 Liebe Frau N.! Mit Erschrecken und Trauer…