Odo Marquard, Theodizee, Geschichtsphilosophie, Gnosis (1983): „Der Mensch braucht — angesichts dieser nun an ihn gerichteten übermächtigen Anklage — sozusagen ein Alibi, einen Sündenbock, einen, von dem er sagen kann: nicht ich bin — nicht wir sind — schuld an den Übeln, sondern ‚der‘ ist — ‚die‘ sind — schuld an den Übeln. Der einschlägig optimale Sündenbock war offensichtlich Gott; doch der steht jetzt — im geschichtsphilosophischen Zeitalter, dem nach dem Ende Gottes — nicht mehr zur Verfügung Darum muss das, was zuvor als Anklage des Menschen gegen Gott — als transzendenter, sozusagen als menschheitsaußenpolitischer Streit — abgemacht werden konnte, jetzt als Anklage des Menschen gegen Menschen — also als immanenter, als menschheitsinnenpolitischer Streit — ausgefochten werden. Folglich muss geschichtsphilosophisch — seit die Menschen selber die Urheber sind — der Sündenbock nunmehr unter den Menschen selber gefunden werden.“

Theodizee, Geschichtsphilosophie, Gnosis Von Odo Marquard Jacob Taubes hat — zugespitzt formuliert — die These vertreten: die Zentralphilosophie der Neuzeit … Mehr

Helmut Merklein, Kreuz. Biblisch-theologisch: „Im gekreuzigten, ‚für uns zum Fluch gewordenen‘ Christus (Galater 3,13) kann der homo peccator sich selbst wiederfinden, um in ihm eine neue Identität (die des alter Christus) zu gewinnen (3,28). Der Glaubende hat daher sein Fleisch (ein für allemal) gekreuzigt (5,24), so dass er (bleibend) ein mit Christus Gekreuzigter ist (2,19), in dem dieser selbst lebt (2,20).“

Kreuz. Biblisch-theologisch Von Helmut Merklein Das Kreuz ist Hinrichtungsinstrument, ursprünglich ein „Pfahl“ (staurós; vgl. lateinisch crux, Marter­holz), der bei den … Mehr

Fridolin Stier: „Nicht oft genug kann die Menschheit an die gefährliche Nachbarschaft der Übermächte erinnert werden, die um sie walten, unberechenbar und niemals zu bewältigen. Gedankenlos, bewußtseinseng nur von ihren Geschäften und Hän­deln in Atem gehalten, von all dem Lärm darum betäubt, lebt sie dahin, als wäre nur ihre Welt die einzig wahre.“

Meine Solidarität mit den Menschen verwehrt mir nicht, mich durch solche Botschaften aus dem Unter­grund der unverfügbaren Gewalten in freudige … Mehr

Nicolás Gómez Dávila, Aphorismen über Gott und die Welt: „Gott ist die Wahrheit aller Illusionen. / Weisheit besteht darin, Gott nicht lehren zu wollen, wie man die Dinge zu machen hat. / Der Mensch erschafft seine Götter nicht nach seinem Ebenbild – er entwirft sich selbst nach dem Ebenbild der Götter, an die er glaubt. / Die Verzweiflung ist die düstere Schlucht, durch die die Seele emporsteigt zu einem Universum, das die Gier nicht mehr trübt. / Der größte Irrtum der Moderne ist nicht, den Tod Gottes zu verkünden, sondern zu glauben, der Teufel sei gestorben.“

Aphorismen über Gott und die Welt Von Nicolás Gómez Dávila (1913-1994) Unsere letzte Hoffnung liegt in der Ungerechtigkeit Gottes. Wenn … Mehr

Johann Baptist Metz, Zeit ohne Finale? (1993): „Es gibt eine Angst davor, dass alles und alle hineingerissen sind in das Gewoge einer antlitzlosen und gnadenlosen Zeit, die schließlich jeden von hinten überrollt wie das Sandkorn am Meer und die alles gleich­gültig macht wie der Tod. Auch ein atomar explodierender Planet bliebe schließlich dem endlosen Tod einer Zeit «ohne Finale ins Nichts» ausgeliefert. Diese Art der Zeitherr­schaft treibt jede substantielle Erwartung aus; sie erzeugt jene heimliche Identitätsangst, die an der Seele der modernen Menschen frißt.“

Zeit ohne Finale? Zum Hintergrund der Debatte über «Resurrektion oder Reinkarnation» Von Johann Baptist Metz Im Hintergrund der Debatte, die … Mehr

Dietrich Ritschl, Gott als Ausleger und Kritiker der Geschichte loben (Praising God as Interpreter and Critic of History): „Es geht also darum, die Stimme Gottes, das Wort, zu hören. Und in der Haltung des Hörens auf seine Stimme interpretieren die Gläubigen ihrerseits auch die Geschichte: Gottes Deutung und Kritik gibt ihnen den Anstoß. Bestimmte Ereignisse, sei es in der Geschichte oder im Privatleben, können dann so gedeutet werden, dass sie mit dem, was die Stimme Gottes gesagt hat, übereinstimmen – oder auch nicht.“

Gott als Ausleger und Kritiker der Geschichte loben (Praising God as Interpreter and Critic of History) Von Dietrich Ritschl Im … Mehr

Jakob Fussenegger, Mohren-Taufe / Das ist: Christliche Taufe-Predigt. Bei der Taufe eines bekehrten Mohren / welcher vom Herrn Joß Kramer aus dem Königreich Guinea in Afrika / in die Stadt Lindau im Heiligen Römischen Reich am Bodensee gebracht wurde / und dort in der Pfarrkirche St. Stephan / am Abend des Pfingstfestes 1657 getauft wurde: „Wie Johannes der Täufer und die heiligen Apostel immer wieder den Hörern vorangingen und anschließend taufen ließen, so wird auch jetzt in besonderer Weise und durch die besondere Vorsehung Gottes (der da will, dass allen Menschen geholfen werde und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen sollen) ein Knabe, genannt Real, von heidnischen Eltern, geboren und im Heidentum aufgezogen, aus dem Königreich Guinea in Afrika zu uns gebracht. Nachdem er hier in der christlichen Religion ausreichend unterrichtet wurde und selbst den Wunsch äußerte, getauft zu werden, um durch die heilige Taufe in den Gnadenbund Gottes aufgenommen zu werden und in die Gemeinschaft der christlichen Kirche einzutreten, wird diesem christlichen Wunsch nun entsprochen. Dieser arme Heide, der wie wir in Sünde empfangen und im Heidentum aufgewachsen ist, würde ohne das Eingreifen des eingeborenen Sohnes Gottes, Jesus Christus, in Ewigkeit verdammt und verloren sein. Doch durch Christus, der ihn aus der Dunkelheit des Heidentums herausführt, wird er nun getauft.“

„MohrenTaufe / Das ist: Christliche Taufe-Predigt / Aus der ordentlichen und gewöhnlichen Fest-Epistel / des Heiligen Pfingsttags, Akt 2, 1–13. … Mehr