Friedrich Wilhelm Hopf, Wer war Hermann Sasse?: „Im August 1949 wanderte er mit seiner Familie nach Australien aus, wohin ihn die dortige Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche an ihr Theologisches Seminar in North Adelaide berufen hatte. Hinter dem Abschied von Erlangen stand Sasses Protest gegen den Anschluß der Evangelisch-Lutherischen Kiche in Bayern an die von ihm als unionistisch abgelehnte „Evangelische Kirche in Deutschland“ (1948). Von Australien aus hat er vor allem durch seine „Briefe an lutherische Pastoren“ wie auch durch eine umfangreiche Korrespondenz das kirchliche Gesche­hen in Deutschland bis zu seinem Heimgang am 9. August 1976 mit innerster Teilnahme begleitet.“

Wer war Hermann Sasse? Von Friedrich Wilhelm Hopf Im Frühjahr des Revolutionsjahres 1933 wurde er Professor an der Universität Erlangen, … Mehr

Hermann Sasse, Luthers Glaube an die Eine Heilige Kirche (1943): „Wie die Welt gibt, das sehen wir an den zerstörten Städten Deutschlands, an den zer­trümmerten Domen am Rhein, den tausendjährigen Gotteshäu­sern, an den rauchgeschwärzten Ruinen der alten Kirchen von Hamburg, Lübeck und Rostock. Aber durch den namenlosen Jammer dieser Zeit, durch Sterbensnot und tiefste menschliche Verzweiflung hören wir die Stimme dessen, der da zu seiner Ge­meinde spricht: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“ Und wir sprechen mit dem Apostel: Ja, er ist un­ser Friede. Und wir beten mit der Kirche aller Zeiten: Amen, ja komm Herr Jesu! Und wir bekennen mit Herz und Mund, mit der ganzen Christenheit: Ich glaube an den Heiligen Geist, Eine Hei­lige Christliche Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen. Amen.“

Luthers Glaube an die Eine Heilige Kirche (1943) Von Hermann Sasse Fast drei Jahrhunderte lang hat die evangelische Kirche Augs­burgs … Mehr

Rudolf Bultmann, Am Sarge Hans von Sodens. Traueransprache zu 1. Korinther 4,1-4 (1945): „In einer Taufpredigt hat er vor Jahren einmal das rührende Vertrauen des kleinen Kindes so charakterisiert, dass man deutlich versteht: Er will damit indirekt das Vertrauen des Christen be­schreiben. Es ist ein Vertrauen, ‚das anmutet wie ein geheimes Wis­sen um eine höhere Macht und eine stärkere Liebe, als wir sie ihm bei aller Anstrengung, Hingabe und Zucht gewähren können, – wie eine stille Erinnerung an eine ewige Heimat, die ihm unverloren bleibt, während es seine Wanderung über die Erde antritt.’“

Am Sarge Hans von Sodens. Traueransprache zu 1. Korinther 4,1-4 Von Rudolf Bultmann Da verstirbt Hans von Soden am 2. … Mehr

Karl Barth, Warum führt man den Kampf nicht auf der ganzen Linie? Der Fall Dehn und die ‚dialektische‘ Theologie (1932): „Dürfte es nicht möglich sein, dass man auch zur Fort­führung des Falles Dehn nun allseitig an die theologische Ar­beit ginge und daß dabei aus der Fortführung eine Erledigung werden könnte? Dürfte nicht sogar der in dieser Sache offenbar besonders grimmige Kollege Hirsch in Göttingen mit mir einig darin werden, dass es an der Zeit wäre, diesen Streit aus dem Bereich der Straße auf ein unser aller und vor allem der evangelischen Theologie würdiges Niveau zu erheben? Ich fürchte, daß er und ich uns weder theologisch noch politisch je verständigen werden. Ich hoffe aber, dass sein und mein primäres Interesse der Theologie und nicht der Politik gehört.“

Warum führt man den Kampf nicht auf der ganzen Linie? Der Fall Dehn und die ‚dialektische‘ Theologie Von Karl Barth … Mehr

Richard Karwehl, Politisches Messiastum. Zur Auseinandersetzung zwischen Kirche und Nationalsozialismus (1931): „Die Prophetie der Kirche ist so völlig erloschen, dass selbst protestantische Pfarrer die säkularisierte Eschatologie der völkischen Bewegung mit der legitimen Eschato­logie kirchlicher Verkündigung verwechseln und mit Begeisterung in die Front des Nationalsozialismus einschwenken. Die Kirche hat kein das Einzelne und das Ganze packendes Wort zur Lage mehr. Sie hat ihren Rang verloren, sie hat die geistige Führung abgetreten an das politische Messiastum. Dort ist jetzt Kraft, Leidenschaft und Gläubigkeit. Dort sind Märtyrer, wenn auch Märtyrer des Säkulums. Der Nationalsozialismus ist hemmungs­los eschatologisch, darin nur den Sektierern, Adventisten und „Ernsten Bibelforschern“ vergleichbar. Die Kirche dagegen pflegt ein individua­listisches Seligkeitschristentum in Verbindung mit kleinbürgerlicher Ideologie und kirchlicher Selbstzufriedenheit.“

Politisches Messiastum. Zur Auseinandersetzung zwischen Kirche und Nationalsozialismus[1] Von Richard Karwehl Der Vortrag Richard Karwehls (1885-1979), Pfarrer an der Pauluskirche … Mehr

Günther Dehns Vortrag „Kirche und Völkerversöhnung“ vom 6. November 1928 in der Ulrichskirche zu Magdeburg: „Wir sollen uns sodann hüten, von uns aus auch nur das Geringste dazu zu tun, dem Krieg ein romantisches oder gar christliches Gesicht zu geben. Es ist allgemein üblich, dass von der Kirche der Tod fürs Vaterland unter den Gesichtspunkt des reinen Opfertodes gestellt wird, unter das Bibelwort: „Niemand hat größere Liebe denn die, daß er sein Leben lasse für seine Freunde.“ Wir wollen ganz gewiss diesem Tod seine Würde und auch seine Größe lassen, aber ebenso gewiß wollen wir auch die Wahrheit sagen. Es wird bei dieser Darstellung eben außer acht gelassen, dass der, der getötet wurde, eben auch selbst hat töten wollen. Damit wird die Parallelisierung mit dem christlichen Opfertod zu einer Unmöglichkeit.“

Wie kein anderer „Vorfall“ war der Vortrag Günther Dehns „Kirche und Völkerversöhnung“ vom 6. November 1928 in der Ulrichskirche zu … Mehr

Hans Joachim Iwand, Über den Verlust der theologischen Existenz heute (1953): „Wir haben nach 1945 nichts Eiligeres zu tun gehabt (und zwar unter dem Segen der liberalen, der sogenannten ‚freien Wissenschaft‘), als unsere Häuser noch mal mit demselben Stroh zu decken, das uns eben über dem Kopf in Flammen aufging, denn wir sind offenbar nicht gewillt (als Wissenschaftler nicht willens) zu sehen, dass das längst fällige Gericht über den modernen Wissenschaftsbegriff, der kein Wahrheitszeugnis mehr abgibt, von Gott her, d. h. notwendig und nicht durch Zufall erfolgt ist. Gott muß abreißen, ehe er aufbaut. Von ihm her sollten wir begreifen, was durch seine Gerichte niedergelegt worden ist. Wir sollten bereit sein, uns mit dem 19. Jahrhundert kritisch ausein­anderzusetzen, und nicht die Sünden unserer Väter, über die ein solches Gericht ergangen ist, wiederholen.“

Über den Verlust der theologischen Existenz heute Von Hans Joachim Iwand I. Es sind zwei Fragen, oder sagen wir lieber, … Mehr

Hermann Schreiber, Nichts anstelle vom lieben Gott. Über Gustav Heinemann als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten (1969): „Die Frage, ob er diesen Staat denn nicht liebe, macht ihn beinah böse: »Ach was, ich liebe keine Staaten, ich liebe meine Frau; fertig!« Aber nicht einmal seine Frau vermag zu sagen, ob ihn die Aussicht, der erste Repräsentant eben dieses Staates zu werden, nun beschwere oder ob sie ihn verlocke. So wenig hat diese Aussicht ihn verändert, dass Hilda Heinemann einmal, als ein fremder Interviewer den Gatten nach dessen Ambition auf das höchste Staatsamt fragte, in den spontanen Ruf ausbrach: »Ja, sag mal, Gustav, wie ist es denn nun eigentlich?«“

Vor 125 Jahren, am 23. Juli 1899, wurde Gustav Heinemann in Schwelm an der Ruhr geboren. Hier Hermann Schreibers Porträt … Mehr

Kanzelwort des bayerischen Landesbischofs Hans Meiser vom Mai 1945: „Soll es je wieder besser werden mit unserem Volk, dann nur, wenn es aller Selbstüberhebung und allem Lügenstolz, allen Ungeistern und Abgöttern den Abschied gibt und sich zu dem Herrn, seinem Gott zurückfindet. Darum rufen wir unserem Volk und unseren Gemeinden zu: kehret heim zu Gott! Lernt wieder nach seinem Willen fragen und euch seinen Ordnun­gen beugen! Hört nicht länger auf die Sirenenstimmen falscher Propheten, holt euch Rat und Weisung allein bei dem Herrn!“

Nur 15 Tage nach der bedingungslosen Kapitulation und dem damit verbundenen Ende der NS-Herrschaft in Deutschland hatte der damalige bayerische … Mehr