Karl Barth, Reich Gottes und Kirche (1940): „Was das Neue Testament als Sünde beschreibt, ist vielmehr der Glaube des Menschen an sich selbst – im Gegensatz zum Glauben an Jesus Christus – jene Selbstgerechtigkeit, in der der Mensch unter Umständen immer noch ein ganz brauchbarer Idealist sein kann. Denn das Reich Gottes ist nach dem Neuen Testament sehr schlicht eben Jesus Christus selber als die uns unverdient zugewendete Wohltat Gottes. Er kommt. Er macht alles neu. Er ist unsere Hoffnung. Und dass wir ihm dankbar entgegengehen, das ist unsere Zubereitung für ihn und also auf das kommende Reich Gottes.“

Reich Gottes und Kirche (1940) Von Karl Barth Herr J. Tscherner hat mir im Kirchenblatt (Nr. 13 vom 29. März … Mehr

Eberhard Buschs letzte Begegnung mit Karl Barth: „So sang er auch jetzt, obwohl das Fenster seines Zim­mers zur nachtdunklen Straße hin offenstand. Ich warf einen fragenden Blick dorthin. Ob es wohl Beschwerden wegen nächtlicher Ruhestörung geben könnte? Doch er liebte es zu betonen: »Lasset den Lobgesang hören!« Sei es denn jetzt auch zu vorgerückter Stunde!“

Stets sein gewärtig Meine letzte Begegnung mit Karl Barth kurz vor seinem Tod ist mir um so unvergeßlicher, als sie … Mehr

Karl Barth, Brief an Hans von Soden in Sachen Treueid auf Adolf Hitler (1934): „Ein Eid auf Hitler nach nationalsozialistischer und also maßgeblicher Interpretation bedeutet, dass sich der Schwörende mit Haut und Haar, mit Leib und Seele diesem einen Manne verschreibt, über dem es keine Verfassung, kein Recht und Gesetz giebt, dem ich zum vornherein und unbedingt zutraue, dass er ganz Deutschlands und so auch mein Bestes unter allen Umständen weiß, will und vollbringt, von dem auch nur anzunehmen, dass er mich in einen Konflikt führen könnte, in dem er Unrecht und ich Recht hätte, schon Verrat wäre, dem ich mich also, wenn ich ihm Treue und Gehorsam schwöre, entweder den Einsatz meiner ganzen Person bis auf meine verborgensten Nachtgedanken oder eben gar nichts zuschwöre.“

Brief an Hans von Soden, Marburg, vom 5. Dezember 1934 in Sachen Treueid auf Adolf Hitler Von Karl Barth Prof. … Mehr

Karl Barth im Gespräch mit Heinrich Vogel über die ewige Vollendung in Gottes Reich: „»Ist es nicht eine viel schönere und kräftigere Hoffnung, dass dort das offenbar wird, was wir jetzt so gar nicht verstehen – nämlich dass dieses Leben nicht vergeblich war, weil Gott nicht umsonst zu ihm gesprochen hat: Gerade dich habe ich geliebt!?« Und er fügte hinzu: »Sicher, das wird dann schon etwas ändern. In diesem Licht wird sie dann gewiss ganz oben sitzen am Tisch, während wir« – er deutete auf sich und den Freund –, »während wir dann, wenn wir überhaupt zugelassen werden, ganz unten zu sitzen haben werden.«“

Ganz oben am Tisch Ich muß vorausschicken, daß es von der folgenden Geschichte zwei Fassungen gibt. Ich erzähle sie so, … Mehr

Karl Barths ‚Retraktionen‘ von 1932 zu seiner Predigt ‚Der Pfarrer, der es den Leuten recht macht‘ von 1916: „Die Predigt enthält aber, und dar­auf muss ich die Leser warnend aufmerksam machen, eine Reihe von Fehlern und Irrtümern, die ich damals leider nicht als solche erkannt habe, die aber heute als solche preiszugeben sind. Ich erwähne nur das Gröbste: Diese Predigt ist nicht, wie es unbedingt sein sollte, eine Auslegung, sondern trotz der Anlehnung an einen bibli­schen Text und gerade diesem Text aufs Höchste zuwider eine eigenmächtige Aussprache dessen, wessen passen­der oder unpassenderweise mein eigenes Herz damals voll war. Sie ist keine evangelische, sondern eine menschlich-gesetzliche Predigt. Dass ich als ‚Quellen‘ mei­nes Wissens um das, was ich sagte, ‚mein Gewissen‘ und (!) die Bibel angegeben habe, war ehrlich genug und er­klärt Manches. Es ist aber sehr bedauerlich, dass ich da­mals ehrlicherweise diese Angaben machen mußte. Die am Schluss vorgetragene Lehre von der ‚Entscheidung‘ und von den beiden ‚Möglichkeiten‘ endlich ist, so wie sie dasteht, offene Irrlehre. Es besteht Anlass, diesem oder jenem jüngeren Pfarrer, der sich aus verständ­lichem Grund an dieser Predigt freuen sollte, zugleich sehr ernstlich zuzurufen: ‚Sei ein Mann und folge mir nicht nach!'“

„Retraktionen“ zur Predigt Der Pfarrer, der es den Leuten recht macht (1932) Von Karl Barth Für eine Wiederveröffentlichung seiner Predigt … Mehr

Verena Pfenninger-Stadler, Brief an Karl Barth in Sachen Caprez-Roffler (1932) und Karl Barths Antwort: „Wir haben ja niemals von unseren Mitchristen, von den christlichen Redaktorinnen unseres Landes und nicht einmal von unseren Kirchenbehörden verlangt, dass sie das Wagnis, das wir im Glauben unternehmen, mit uns wagen. Wir haben uns gefreut über jeden, der mit uns ging, aber verlangt haben wir nur das Eine, dass man uns nehme und allenfalls bekämpfe als das, was wir sind: Menschen, die vielleicht irren, aber jedenfalls meinen, im Glauben gehandelt zu haben und daher von da allein angegriffen werden müssen.“

Brief an Karl Barth in Sachen Caprez-Roffler Von Veronika Pfenninger-Stadler Brig, Tunnelstraße 9,31. VII. 32 Herrn Prof. Dr. Karl Barth,Bonn … Mehr

Karl Barth, „So wahr mir Gott helfe!“ Die Frage des Führereides und ihre Behandlung in der Bekennenden Kirche in Deutschland im Sommer 1938: „Der neudeutsche Führereid ist ein Totalitätseid, mit wel­chem sich der Schwörende mit Haut und Haar, mit Leib und Seele dem unerforschlichen Willen einer ihm gänzlich unübersichtlichen anderen Instanz ver­schreibt. Treue und Gehorsam gegen Adolf Hitler be­deutet eo ipso (und eo ipso ohne jede Möglichkeit ir­gend eines Vorbehaltes!) die Inanspruchnahme des ganzen Menschen für den Dienst dieser mit allen Merkmalen einer Gottheit ausgestatteten Persönlichkeit.“

„So wahr mir Gott helfe!“ Die Frage des Führereides und ihre Behandlung in der Bekennenden Kirche in Deutschland im Sommer … Mehr

Karl Barth, Der Schrift gehorsam. Offener Brief in Sachen Frauenordination (1932): „Was findet man denn, wenn man in der Bibel überhaupt in dieser Weise Systeme allgemeiner Wahrheit, paragraphierte Gesetze für gestern, heute und morgen, für sich selbst und jedermann gefunden zu haben meint? Wirklich die Gebote Gottes? Und nicht tatsächlich doch bloß eine in die Bibel hineingetragene, höchst eigene, vielleicht sehr respektable, sehr erwägenswerte, aber doch menschliche Idee von Lebensgestaltung? Ist uns die Schrift dazu gegeben? Lassen wir sie so wirklich den Meister sein, dem wir gehorsam sind? Müsste nicht alle Beachtung und alle Verkündigung der immer konkreten Weisungen der Schrift darauf zielen, uns (wir können doch dem Worte Gottes nur dienen, wir können uns doch seiner nicht bemächtigen wollen!) zum Hören dessen zu erziehen, was Gott durch diese Weisungen uns in der Zeit unserer Not und in der Not unserer Zeit sagen will? Dürfen wir das, was Gott uns sagen will auf Grund dessen, was wir uns an Hand einer Anzahl von uns selbst ausgewählter Bibelstellen selbst gesagt haben, vorwegnehmen? Ist Gott nicht auch und gerade indem er durch die Schrift mit uns redet, ein freier und freibleibender Gebieter? Sind seine Gedanken nicht immer wieder höher als unsere Gedanken, auch als unsere noch so wohlerwogenen Schriftgedanken?“

Der Schrift gehorsam. Offener Brief in Sachen Frauenordination an den Herausgeber der Reformierten Kirchenzeitung, Herrn Pastor D. Wilhelm Kolfhaus in … Mehr

Karl Barth über Eduard Thurneysen (1935): „Er versteht die Kunst, einen Gedanken, ein Tun oder Verhalten so abzulehnen, dass der Andere sich dabei aufs stärkste aufgenommen fühlt und sich gerade so etwas sagen lassen kann, was er sich, bloß von außen kritisiert, nimmermehr sagen lassen würde. Es gleicht so sein Studierzimmer – und doch auch seine Schau von Kirche und Welt – der Arche Noahs, die allerlei Tiere besteigen und dann bis auf weiteres gerettet, im Zeichen des Himmel und Erde verbindenden Bogens wieder verlassen durften. Man könnte fragen: wo er diese Art empfangen und gelernt habe? Die für ihn eindrucksvollsten Gestalten seiner Jugend und Studienzeit waren der große Seelsorger Christoph Blumhardt d.J. in Bad Boll und – der in seiner Art ebenfalls große Versteher unter den Theologen – Ernst Troeltsch.“

Über Eduard Thurneysen (1935) Von Karl Barth Die theologische Arbeit Eduard Thurneysens ist in ihren Anfängen hervorgewachsen aus den Motiven … Mehr