Martin Haug, Die Kirche des Neuen Testaments (1932): „Das Recht in der Kirche des Neuen Testaments ist ein wirkliches »Kirchenrecht«, geschaffen von der Gemeinde, in der alle Dinge aus dem Glauben und in der Liebe geschehen, und gültig gemacht durch den befreiten Willen der Gemeinde, die alles dankbar gebraucht, auch das Recht, das ihr hilft, Gott und den Brüdern zu dienen. Dieses Kirchenrecht ist seinem ganzen Wesen nach verschieden von dem staatlichen Recht. Es wird nicht getragen von der Macht des Staates, sondern von dem Geist in der Gemeinde; es ist auch nicht starr, sondern beweg-lich, weil die Liebe nicht nur Altehrwürdiges konserviert und auch nicht uniformiert, sondern darauf achtet, was jetzt und hier dem Aufbau der Gemeinde dient.“

Der spätere württembergische Landesbischof Martin Haug (1895-1983) hatte 1931 eine theologisch beachtenswerte Vortragsreihe zur Kirche des Neuen Testaments gehalten, die … Mehr

Hans Joachim Iwand, Um die Einheit und Reinheit der Bekennenden Kirche (1936): „Es gibt eine Gottlosigkeit der Heiden, sie hat etwas Er­barmungswürdiges an sich, denn sie kennen ja nicht den Herren der Herrlichkeit — aber es gibt auch, und nur allzu oft und nur allzu nahe, eine Gottlosigkeit derer, die einmal mit dem Evangelium er­leuchtet sind und das heilsame Wort Gottes geschmeckt haben — der Herr unser Gott wolle uns allesamt davor bewahren, dass wir dahin abstürzen und andere dahin mitreissen. Gibt es denn niemanden mehr, der diese Furcht versteht? Der uns von daher versteht? Sind wir einander so ferne gerückt, dass wir uns nicht mehr verstehen können in der Furcht Gottes? Aus der Furcht vor Gott haben wir bekennen müssen vor den Menschen, aus der Furcht vor Gott dürfen wir heute von dem, was wir bekannt haben, nicht weichen.“

Um die Einheit und Reinheit der Bekennenden Kirche Wort des Vorbereitenden Ausschusses des Reichsbruderrats, verfasst von H. J. Iwand, Berlin, … Mehr

Søren Kierkegaard über die Freude: „»Ich freue mich an meiner Freude, aus, in, mit, bei, an, durch und mit meiner Freude« – ein himmlischer Kehrreim, der gleichsam plötzlich unseren übrigen Gesang abschneidet; eine Freude, die gleich einem Windhauch kühlt und erfrischt, ein Stoß des Passats, der vom Hain Mamre zu den ewigen Hütten weht.“

Über die Freude Von Søren Kierkegaard Es gehört sittlicher Mut dazu, zu trauern; es gehört religiöser Mut dazu, froh zu … Mehr

Martin Niemöller, Vortrag am 22. Januar 1946 in der Neustädter Kirche in Erlangen zur deutschen Schuld: „Es kann sein, dass unse­re Schuld viel schwerer wiegt, die wir die Botschaft von Buße und Glauben kannten. Wir hätten das wache Gewissen haben müs­sen, aber wir haben auch das Leben zum Götzen gemacht! Ich habe auch bekannt, so lange es ging, aber als ich im KZ sah, wie man die Juden misshandelte, habe ich selbst nicht mehr gewagt, meinen Mund aufzutun. Auch ich bin verantwortlich für das, was im deut­schen Volk geschehen ist. Wir Christen ha­ben diese Schuld anzufassen und zu beken­nen. Wenn wir sie nicht anfassen, bleibt diese Schuld: dreißig bis vierzig Millionen Tote durch die Hände deutscher Menschen: aber keiner in Deutschland findet sich bereit, die­se Schuld zu bekennen.“

Vortrag am 22. Januar 1946 in der Neustädter Kirche in Erlangen (auf Einladung der dortigen Evangelischen Studentengemeinde) Von Martin Niemöller … Mehr

Wilhelm Vischer, „Der im Himmel Thronende lacht“ (1966): „Es gab sogar und gibt vielleicht noch Kirchen, in denen das Lachen des im Himmel Thronenden in hellem Ostergelächter widerhallt. Das ist das Lachen des Glaubens. Und wie die Auferweckung Jesu nur eine Spielart der ugaritischen oder sonst einer Naturmythologie wäre, wenn Jesus nicht wirklich ein Mensch gewesen wäre, als solcher gelebt, gelitten und die ganze Bitterkeit des Todes geschmeckt hätte und in der Erde begraben worden wäre, so ist auch der Osterglaube nur echt, wenn er am Leiden Jesu teilnimmt. Darum gilt den Jüngern Jesu immer noch: ‚Selig seid ihr, die ihr jetzt weinet; denn ihr werdet lachen.‘ Weinend sind sie selig durch den gewissen Trost, dass der im Himmel Thronende lacht.“

„Der im Himmel Thronende lacht“ Von Wilhelm Vischer Diese Aussage des zweiten Psalms stößt an die Grenze der weiten biblischen … Mehr

Martin Luther über die Dankbarkeit gegenüber Gott: „Alle Kreaturen schreien uns an, dass wir Gott dankbar sein sollen, wie auch am Ende dieses Evangeliums geschrieben ist. Wir haben edler und köstlicher Gehör und Sprache als dieser hier im Evangelium, denn wir habens von der Mutter. Da soll man fröhlich sein und sprechen: ich danke dir, Gott, dass du mir so feine Ohren und Sprache gegeben hast.“

Alle Kreaturen schreien uns an, dass wir Gott dankbar sein sollen Von Martin Luther Alle Kreaturen schreien uns an, daß … Mehr

Karl Barth, «Du sollst Dir kein Bildnis — noch irgendein Gleichnis machen». Eine Erklärung zur Diskussion über die Münsterscheiben (1952): „Das Christusbild auf der Scheibe aber hat die fatale Eigenschaft, unver­änderlich sich selbst gleich zu bleiben, sich der Ge­meinde dauernd aufzudrängen und in dieser seiner Beharrlichkeit ein Hindernis der fortwährend notwendigen Neugeburt der Verkündigung und des Glaubens zu sein. Aus dem Gottesbild entsteht not­wendig die Abgötterei. Die Kirche zerstört sich selbst, wenn sie ihr Vorschub leistet. Was für Apollo am Casino recht ist, ist darum für Christus im Mün­ster noch lange nicht billig!“

«Du sollst Dir kein Bildnis — noch irgendein Gleichnis machen». Eine Erklärung zur Diskussion über die Münsterscheiben. Von Karl Barth … Mehr

Leonhard Goppelt, Versöhnung durch Christus nach dem Neuen Testament (1967): „Paulus versucht nun nicht spekulierend und objektivierend zu erklären, wie sich diese Erweisung der Liebe Gottes sachlich, insbesondere zeitlich, zur Bekundung seines Zornes verhalte. Er bringt die Wörter Versöhnung und Zorn nie direkt zusammen. Er verkündigt die Versöhnungstat Gottes und ruft alle auf, sich mit Gott versöhnen und dadurch aus dem Zorn retten zu lassen. Für den Glauben ist der Zorn gerade nicht entschwunden, er sieht ihn mehr als jeder andere Mensch, aber der Glaube findet allen Bekundungen des Zornes gegenüber, auch gegenüber dem Zorn des Endgerichtes, das große Dennoch: Nichts „kann uns scheiden von der Liebe Gottes“ (Röm. 8, 38 f.)“.

Versöhnung durch Christus nach dem Neuen Testament (1967) Von Prof. D. Leonhard Goppelt, Universität Hamburg Die Botschaft von der Versöhnung … Mehr

Sophie Scholl, Brief an Fritz Hartnagel (1942): „Der Anblick eines unschuldigen kleinen Mäuschens in der Falle hat mir immer Tränen in die Nase steigen lassen, und dass ich darüber froh wurde wieder, und jetzt noch froh bin trotzdem, kann ich bloß einem Vergessen verdanken, das aber doch keine Lösung ist. Es kann ja hier auf Erden auch keine Lösung geben. Im Römerbrief heißt es: denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes. Sintemal die Kreatur unterworfen ist der Eitelkeit ohne ihren Willen, sondern um deß Willen, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung. – Fritz, lies dieses Kapitel unbedingt selbst durch, nach diesem Brief, oder jetzt gleich. Und lies den herrlichen Satz zu Beginn: Denn das Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.“

Brief an Fritz Hartnagel Von Sophie Scholl Ulm, 28.10.1942 Mein lieber Fritz!Heute habe ich einen Brief von Dir erhalten und … Mehr