Über die Nächstenliebe Von Benno Jacob (1862–1945) Benno Jacob, Rabbiner in Göttingen und Dortmund, ist einer der ganz wenigen Bibelwissenschaftler, … Mehr
Kategorie: Ethik des Evangeliums
Helmuth James Graf von Moltke im Brief an die Ehefrau Freya (Januar 1945): „Der entscheidende Satz jener Verhandlung war: ‚Herr Graf, eines haben das Christentum und wir Nationalsozialisten gemeinsam, und nur dies eine: Wir verlangen den ganzen Menschen.‘ Ob er sich klar war, was er damit gesagt hat? Dann wird Dein Wirt ausersehen, als Protestant vor allem wegen seiner Freundschaft mit Katholiken attackiert und verurteilt zu werden, und dadurch steht er vor Freisler nicht als Protestant, nicht als Großrundbesitzer, nicht als Adliger, nicht als Preuße, nicht als Deutscher – das alles ist ausdrücklich in der Hauptverhandlung ausgeschlossen, sondern als Christ und als gar nichts anderes.“
Nun kann mir nichts mehr geschehen (Brief an die Ehefrau Freya) Von Helmuth James Graf von Moltke Tegel, den 10.1.1945 … Mehr
Kornelis Heiko Miskotte, Der Appell der Kunst (Wenn die Götter schweigen): „Die Kunst ist es, die uns sozusagen ante festum einlädt, unter dem Lebensbaum zu sitzen, dessen Zweige sich in einem Umkreis von fünfhundert Wegjahren über die Völker und über die Welt ausbreiten. Die Kunst ist es, die — wie seinerzeit, und mit Recht, die Weisheit – gegen die irreligiöse und religiöse Torheit der Menschen hat ’schreien‘ müssen, und die nun ihre Stimme erhebt als ‚eine Stimme verschwebenden Schweigens‘ – nicht so sehr, um uns vom Tode abzumahnen, als vielmehr um uns, ohne Vermittlung und Zwischenweg, das Leben zu zeigen.“
Der Appell der Kunst Von Kornelis Heiko Miskotte Die Kunst ist es, die uns sozusagen ante festum einlädt, unter dem … Mehr
Gisbert Greshake, Wüste – Ort der Gegenwart Gottes: „Wüste ist der Raum, wo der Mensch auf seine eigene Winzigkeit und Ohnmacht verwiesen wird. Sie ist der Ort des Bösen und des Todes. Bis heute noch ist die geologische Wüste ein solcher Ort. Überall findet man Spuren des Todes: bleichende Knochen von Kamelen, Schafen und Ziegen und zahlreiche Autowracks, die bezeugen, daß viele ihren Weg abbrechen mussten und nicht wunschgemäß ans Ziel gekommen sind. Gerade so aber, als Ort des Todes und des Bösen, ist die Wüste ein Bild jener Dimension unserer Existenz, in der wir allein sind, verlassen, ungeborgen, vielen Gefährdungen ausgesetzt. Sie ist gleichsam eine ‚Ikone‘ dafür, daß es Augenblicke und Situationen in unserem Leben gibt, in denen wir auf unsere eigene Nichtigkeit zurückgeworfen werden und Todeserfahrung machen.“
Wüste – Ort der Gegenwart Gottes Von Gisbert Greshake Wenn in der Heiligen Schrift von Wüste die Rede ist, so … Mehr
Hans Graf von Lehndorff, Neuanfang des Glaubens im Insterburger Männerkreis der Bekennenden Kirche in Ostpreußen (1941/42): „Wie konnte es geschehen, dass ich 31 Jahre alt werden und in dies schäbige Gemeindehaus kommen musste, um zu erfahren, dass es noch etwas anderes gab als meine kleine Existenz, nämlich eine Welt, die nach allen Seiten offensteht, in der man leben und atmen kann und die eine Fülle von Entdeckungen für mich bereithält? Ich saß vornübergebeugt, vergaß meine Umgebung und staunte nur über das, was aus diesem Menschen zu mir sprach. Zu mir ganz allein – denn wer sonst unter den Anwesenden hätte seine Worte so verstehen können, wie ich sie verstand? Ich holte immer wieder tief Luft und wusste, dass die enge Wand, die mich umgab, an einer Stelle durchstoßen worden war.“
Neuanfang des Glaubens im Insterburger Männerkreis der Bekennenden Kirche in Ostpreußen (1941/42) Von Hans Graf von Lehndorff Wenn man mich … Mehr
Eberhard Jüngel, Der Tod als Geheimnis des Lebens (1975): „Der Tod kommt also keineswegs nur als das Ende des Lebens in Betracht, sondern er gilt als ein ständig im Leben selber sich bereits vollziehender Konflikt mit dem Leben. So können Krankheit, Schwachheit, Gefangenschaft, Exil in der Terminologie des Todes beschrieben werden. Tod ist nicht nur das Ereignis am Ende, sondern wo immer das Leben sich selbst entfremdet wird, sieht der Glaube Israels bereits den Tod am Werk. Als Ereignis am Ende des Lebens bringt der Tod nur an den Tag, was im Verlauf des Lebens schon immer möglich ist und auch schon immer geschieht: nämlich die Lädierung und Zerstörung von Lebensverhältnissen. Im Tod kommt heraus, was der Mensch ausgerechnet mit seinem Leben aus dem Leben macht. Mit unserem Leben verletzen wir das Leben.“
Der Tod als Geheimnis des Lebens[1] Von Eberhard Jüngel Für die Theologie – als Rede von Gott – stellt sich … Mehr
Ernst Wolf, Die Unmittelbarkeit des Rufs zur Nachfolge (Sozialethik): „Vom Evangelium her geschieht das neue Handeln in der Nachfolge auf Grund der im Glauben geschenkten Freiheit der Selbstverleugnung. Diese Freiheit der Selbstverleugnung ist der Ausdruck für die Spannung, in der der Christenmensch sich zur Welt der Selbstbehauptung befindet. Denn solange der Mensch sich selbst und seine Wünsche will, gehört er auch der Welt der Selbstbehauptung an. Durch den Glauben ist er davon befreit. Aus der Verleugnung seiner selbst hat er die neue Freiheit gewonnen: vom Evangelium her im Auftrag Gottes, gleichsam in Verlängerung des Handelns Jesu Christi selbst, aber nie von ihm gelöst, neu mit der Welt als der Schöpfung Gottes umzugehen. Nachfolge ist so der Name für das christliche Leben in der Welt.“
Die Unmittelbarkeit des Rufs zur Nachfolge (Sozialethik) Von Ernst Wolf Die neutestamentliche Forderung des „Nachfolgens“, die als Ausdruck für die … Mehr
Rolf Wischnath, Grüne Zweige und die Sehnsucht. Warum sind die grünen Zweige in der Kirche grün?: „Und die abgerissenen Zweige und die ausgehauenen Bäume haben mithin ihren Sinn: Die geschlagenen und gescheiterten Menschen, die Armen und Schwachen, die Opfer und Verlierer, die am Boden liegen – manche denken: kaputte Typen, der letzte Dreck, nur noch für die Mülltonne. Auch hier ist es wie mit den geschlagenen Bäumen und den grünen Zweigen: Wenn man sie ins Licht holt und ihnen gibt, was sie zum Leben brauchen, schmücken sie. Wie sie haben auch die versehrten Menschen Glanz und unzerstörbare Würde – und eine Sehnsucht im Leib.“
GRÜNE ZWEIGE UND DIE SEHNSUCHT. WARUM SIND DIE GRÜNEN ZWEIGE IN DER KIRCHE GRÜN? Von Rolf Wischnath Weihnachten muss sein. … Mehr
Eberhard Jüngel, Evangelischer Indikativ. Untergang oder Renaissance der Religion?: „Als Sachwalterin des Evangeliums hat die Kirche also für das ambivalente Phänomen der Zivilreligion eine ausgesprochen diakritische Funktion. Sie hat die Zivilreligion in jedem Fall »aufzuheben«: entweder in dem von Hegel beschriebenen bekannten dreifachen Sinn oder aber in dem einfachen Sinne, daß sie ihr als einem Exzeß von Aberglauben, so gut sie es kann, ein schnelles Ende macht. In beiden Fällen wäre das der Dienst, die die (als Teilsystem der Gesellschaft existierende) Kirche dem Ganzen der Gesellschaft, dem Staat und dem Volk, das in diesem Staate lebt, schuldet.“
Evangelischer Indikativ. Untergang oder Renaissance der Religion? (1995) Von Eberhard Jüngel Die Kirche hat gegenüber der Zivilreligion eine unterscheidende Funktion: … Mehr