Karl Barth, Was ist der Mensch? (1960): „Er ist der, der in sei­ner Verborgenheit ebenso wenig ernstlich und wirklich geleugnet werden kann wie der wahre Gott in seiner Verborgenheit. Und er ist darin wahrer Mensch, dass der wahre Gott seiner gedenkt, und zwar tätig und wirksam gedenkt: trotz der Pracht und Schande seiner vielen Kleider, aber auch in der ganzen Pracht und Schande, die sein Teil ist. Er ist darin wahrer Mensch, dass der wahre Gott sein Gott ist: der Gott, der es auf ihn abgesehen hat, der für ihn Gott ist, der tatsächlich gerade ihn geliebt hat, liebt und lieben wird.“

Was ist der Mensch? Von Karl Barth Wer sich in der Bibel ein wenig auskennt, dem mag bei dieser Frage: … Mehr

Martin Buber, Gläubiger Humanismus (1963): „Von entscheidender Bedeutung für die Frage eines authentischen gläubigen Humanis­mus in unserer Zeit ist mithin die Erkenntnis, dass das wahre humanum und die Glaubens­erfahrung in demselben Boden der Begegnung wurzeln. Ja, in der fundamentalen Glaubenserfahrung selbst darf man die höchste Stufe der realen Begegnung sehen.“

Gläubiger Humanismus Von Martin Buber Der aufrichtige Dank, den ich hier Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Bernhard und denen, die … Mehr

Heinrich Vogel: Kreuz und Hakenkreuz. Thesen des Protestes, der Frage und der Bitte an die Glaubensbewegung Deutsche Christen (April 1933): „Kein Zeichen dieser Welt hat neben dem Kreuz Platz und Recht. Die Zeichen dieser Welt sind alle unter dem Kreuz. Wir protestieren nicht gegen das Hakenkreuz, das wir vielmehr als das Zeichen unseres deutschen Volkstums anerkennen, sondern wir protestieren gegen jede Vermengung oder Gleichordnung des Hakenkreuzes mit dem Kreuz.“

Kreuz und Hakenkreuz. Thesen des Protestes, der Frage und der Bitte an die Glaubensbewegung Deutsche Christen Von Heinrich Vogel Vorwort. … Mehr

Jean-Pierre de Caussade, S. J. (1675–1751), Hingabe an Gottes Vorsehung (L’Abandon à la Providence Divine): „Seelen, die im Lichte wandeln, singen Lieder des Lichtes. Die sich im Dunkel vorwärtstasten, singen Lieder der Finsternis. Diese und jene muss man ihr gottgegebenes Lied zu Ende singen lassen, ohne seinem Inhalt etwas beifügen zu wollen. Man lasse alle Tropfen der bittern Galle fließen, womit Gott betäubt. So taten Jeremias und Ezechiel. Ihre Worte waren nur Seufzer und Klagen. Der Trost lag stets nur in der Fortsetzung ihrer Trauergesänge. Wer ihren Tränenstrom gehemmt hätte, würde uns schönste Stellen der Schrift geraubt haben. Der Geist, der trostlos macht, ist der einzige, der auch zu trösten vermag. Trostlosigkeit und Trost sind zwei Wasser, die aus derselben Quelle fließen.“

P. J.-P. DE CAUSSADE S. J. HINGABE AN GOTTES VORSEHUNG BENZIGER VERLAG EINSIEDELN KÖLN Die kirchliche Druckerlaubnis erteilte: Chur, den … Mehr

Gustav Heinemann, Bekenner und kritischer Geist. Zum 75. Geburtstag Karl Barths (1961): „Als 1938 England, Frankreich und Italien im Münchner Pakt mit Hitler unter Preisgabe der Tschechoslowakei den Frieden retteten, war es Karl Barth klar, dass nun der neue Weltkrieg heraufzog. Sein damaliger Brief an Prof. Hromadka in Prag bleibt Zeugnis eines tieferen Verständnisses vom Zeitgeschehen, wie es nur aus der Kraft zur Unterscheidung der Geister erwachsen kann. Als die Katastrophe sich ausgetobt hatte und Deutschland 1945 zerschmettert am Boden lag, war Karl Barth einer der ersten, die inmitten des Strafgerichtes über unserem Volk einer Versöhnung aus neuen Anfän­gen das Wort redete.“

Bekenner und kritischer Geist. Zum 75. Geburtstag Karl Barths Von Dr. Dr. Gustav Heinemann Das theologische Werk von Karl Barth … Mehr

J. Neville Ward über Jean-Pierre de Caussade, L’Abandon à la Providence Divine: „Zugleich lehrte er aber auch, dass der Christ auf dem Weg zur Vollkommenheit entdecken werde, dass Enttäuschungen – ja alles, was das natürliche Selbst frustriert – Gelegenheiten zur besonderen Gnadenerfahrung von Gott sind. Solche Erfahrungen, die wie Zeichen von Gottes Abwesenheit erscheinen, werden im Glauben durchlebt zu überaus überzeugenden Beweisen seiner Gegenwart. Sie sind zugleich die wirksamsten Übungen in Loslösung und in der Läuterung unserer Liebe zu Gott – weg von der Liebe zu seinen Gaben hin zur Liebe zu Gott selbst.“

Abandonment (Hingabe, Selbsthingabe) Von J. Neville Ward Dieser Begriff wurde von bestimmten französischen Schriftstellern des 17. Jahrhunderts verwendet, um das … Mehr

J. Neville Ward über Jean-Pierre de Caussade S. J. (1675–1751): „Welche Lebenslage uns auch immer gegenwärtig betrifft, sie ist in dem Sinne als Gottes Wille zu verstehen, dass Gott ihr faktisches Bestehen zulässt und sie zum Kontext unseres gegenwärtigen Dienstes an ihm macht. Weil Gott in jeder Situation gegenwärtig ist – sei es klar oder verborgen –, erscheint sein Wille in dem, was er uns zu tun, zu tragen oder zu genießen aufträgt. De Caussade sprach vom gegenwärtigen Augenblick als einem ‚Schleier Gottes‘, der, im Licht des Glaubens betrachtet, zugleich eine ‚Enthüllung Gottes‘ ist. Er prägte dafür den Ausdruck ‚Sakrament des gegenwärtigen Augenblicks‘ und erläuterte das christliche Leben als ein aktives und passives Mitwirken mit Gott – Moment für Moment. Die von ihm empfohlene Gebetsweise ist ein einfaches Warten auf Gott, ein achtsames Erkennen seiner Gegenwart und ein williges Mitwirken an seinem Willen.“

Jean-Pierre de Caussade Von J. Neville Ward Jean-Pierre de Caussade (1675–1751) trat 1693 in das Noviziat der Jesuiten in Toulouse … Mehr

Hans Graf von Lehndorff aus seinem Ostpreußischen Tagebuch über Pfingsten 1945 im sowjetischen NKWD-Internierungslager Rothenstein (Königsberg): „Im Keller der Ruhrabteilung hat die Stations­schwester — keine gelernte Krankenpflegerin, aber ein Mensch von großer Kraft und Herzenswärme — einen kleinen Tisch mit zwei Kerzen zurechtgemacht und ein Kruzifix aufgestellt. Riesig fällt mein Schatten in den Raum. Ins Dunkel hinein fällt das Sprechen nicht schwer, und das Evangelium vom reichen Mann und dem armen Lazarus gibt die Worte von selbst. Denn viele von denen, die jetzt sterbend auf den Brettern liegen, waren früher wohlhabende Leute.“

Pfingsten 1945 im sowjetischen NKWD-Internierungslager Rothenstein (Königsberg) Von Hans Graf von Lehndorff Was sind uns alles für Kranke und Sterbende … Mehr

Edward Kessler, Schmerz (Pain): „Vielleicht ist dein Schmerz wie ein Gedicht, / ein Mysterium, das durch Deutung lebendig bleibt, / aber niemals gelöst werden kann wie ein Puzzle. Ganz sicher / nicht von Ärzten mit der Nase im Empirischen – / als hätte Hiob bloß / ein Schmerzmittel und einen guten Hautarzt gebraucht. / An manchen Tagen wünschst du dir, dein Schmerz / würde sich auf einen Zeh oder Finger zurückziehen, / irgendein entbehrliches Körperteil, / statt durch das ganze Universum zu wandern / und sich mit klangvollen Namen wie ‚Angst‘ zu schmücken.“

Schmerz (Pain) Von Edward Kessler Weder Stoiker noch christlicher Heiliger,scheinst du kaum geeignet für den Schmerz.Und da du offensichtlich kein … Mehr