Jean-Pierre de Caussade, S. J. (1675–1751), Hingabe an Gottes Vorsehung (L’Abandon à la Providence Divine): „Seelen, die im Lichte wandeln, singen Lieder des Lichtes. Die sich im Dunkel vorwärtstasten, singen Lieder der Finsternis. Diese und jene muss man ihr gottgegebenes Lied zu Ende singen lassen, ohne seinem Inhalt etwas beifügen zu wollen. Man lasse alle Tropfen der bittern Galle fließen, womit Gott betäubt. So taten Jeremias und Ezechiel. Ihre Worte waren nur Seufzer und Klagen. Der Trost lag stets nur in der Fortsetzung ihrer Trauergesänge. Wer ihren Tränenstrom gehemmt hätte, würde uns schönste Stellen der Schrift geraubt haben. Der Geist, der trostlos macht, ist der einzige, der auch zu trösten vermag. Trostlosigkeit und Trost sind zwei Wasser, die aus derselben Quelle fließen.“

P. J.-P. DE CAUSSADE S. J. HINGABE AN GOTTES VORSEHUNG BENZIGER VERLAG EINSIEDELN KÖLN Die kirchliche Druckerlaubnis erteilte: Chur, den … Mehr

Gustav Heinemann, Bekenner und kritischer Geist. Zum 75. Geburtstag Karl Barths (1961): „Als 1938 England, Frankreich und Italien im Münchner Pakt mit Hitler unter Preisgabe der Tschechoslowakei den Frieden retteten, war es Karl Barth klar, dass nun der neue Weltkrieg heraufzog. Sein damaliger Brief an Prof. Hromadka in Prag bleibt Zeugnis eines tieferen Verständnisses vom Zeitgeschehen, wie es nur aus der Kraft zur Unterscheidung der Geister erwachsen kann. Als die Katastrophe sich ausgetobt hatte und Deutschland 1945 zerschmettert am Boden lag, war Karl Barth einer der ersten, die inmitten des Strafgerichtes über unserem Volk einer Versöhnung aus neuen Anfän­gen das Wort redete.“

Bekenner und kritischer Geist. Zum 75. Geburtstag Karl Barths Von Dr. Dr. Gustav Heinemann Das theologische Werk von Karl Barth … Mehr

J. Neville Ward über Jean-Pierre de Caussade, L’Abandon à la Providence Divine: „Zugleich lehrte er aber auch, dass der Christ auf dem Weg zur Vollkommenheit entdecken werde, dass Enttäuschungen – ja alles, was das natürliche Selbst frustriert – Gelegenheiten zur besonderen Gnadenerfahrung von Gott sind. Solche Erfahrungen, die wie Zeichen von Gottes Abwesenheit erscheinen, werden im Glauben durchlebt zu überaus überzeugenden Beweisen seiner Gegenwart. Sie sind zugleich die wirksamsten Übungen in Loslösung und in der Läuterung unserer Liebe zu Gott – weg von der Liebe zu seinen Gaben hin zur Liebe zu Gott selbst.“

Abandonment (Hingabe, Selbsthingabe) Von J. Neville Ward Dieser Begriff wurde von bestimmten französischen Schriftstellern des 17. Jahrhunderts verwendet, um das … Mehr

J. Neville Ward über Jean-Pierre de Caussade S. J. (1675–1751): „Welche Lebenslage uns auch immer gegenwärtig betrifft, sie ist in dem Sinne als Gottes Wille zu verstehen, dass Gott ihr faktisches Bestehen zulässt und sie zum Kontext unseres gegenwärtigen Dienstes an ihm macht. Weil Gott in jeder Situation gegenwärtig ist – sei es klar oder verborgen –, erscheint sein Wille in dem, was er uns zu tun, zu tragen oder zu genießen aufträgt. De Caussade sprach vom gegenwärtigen Augenblick als einem ‚Schleier Gottes‘, der, im Licht des Glaubens betrachtet, zugleich eine ‚Enthüllung Gottes‘ ist. Er prägte dafür den Ausdruck ‚Sakrament des gegenwärtigen Augenblicks‘ und erläuterte das christliche Leben als ein aktives und passives Mitwirken mit Gott – Moment für Moment. Die von ihm empfohlene Gebetsweise ist ein einfaches Warten auf Gott, ein achtsames Erkennen seiner Gegenwart und ein williges Mitwirken an seinem Willen.“

Jean-Pierre de Caussade Von J. Neville Ward Jean-Pierre de Caussade (1675–1751) trat 1693 in das Noviziat der Jesuiten in Toulouse … Mehr

Hans Graf von Lehndorff aus seinem Ostpreußischen Tagebuch über Pfingsten 1945 im sowjetischen NKWD-Internierungslager Rothenstein (Königsberg): „Im Keller der Ruhrabteilung hat die Stations­schwester — keine gelernte Krankenpflegerin, aber ein Mensch von großer Kraft und Herzenswärme — einen kleinen Tisch mit zwei Kerzen zurechtgemacht und ein Kruzifix aufgestellt. Riesig fällt mein Schatten in den Raum. Ins Dunkel hinein fällt das Sprechen nicht schwer, und das Evangelium vom reichen Mann und dem armen Lazarus gibt die Worte von selbst. Denn viele von denen, die jetzt sterbend auf den Brettern liegen, waren früher wohlhabende Leute.“

Pfingsten 1945 im sowjetischen NKWD-Internierungslager Rothenstein (Königsberg) Von Hans Graf von Lehndorff Was sind uns alles für Kranke und Sterbende … Mehr

Edward Kessler, Schmerz (Pain): „Vielleicht ist dein Schmerz wie ein Gedicht, / ein Mysterium, das durch Deutung lebendig bleibt, / aber niemals gelöst werden kann wie ein Puzzle. Ganz sicher / nicht von Ärzten mit der Nase im Empirischen – / als hätte Hiob bloß / ein Schmerzmittel und einen guten Hautarzt gebraucht. / An manchen Tagen wünschst du dir, dein Schmerz / würde sich auf einen Zeh oder Finger zurückziehen, / irgendein entbehrliches Körperteil, / statt durch das ganze Universum zu wandern / und sich mit klangvollen Namen wie ‚Angst‘ zu schmücken.“

Schmerz (Pain) Von Edward Kessler Weder Stoiker noch christlicher Heiliger,scheinst du kaum geeignet für den Schmerz.Und da du offensichtlich kein … Mehr

Martin Luther, Ein christlicher Trostbrief an die Miltenberger, wie sie sich an ihren Feinden rächen sollen, aus dem 120. Psalm (Februar 1524): „So bleibt euch nur noch dies eine: dass ihr euch, wie dieser Psalm zeigt, in dieser Not an den Herrn haltet und vor ihm über solche böse Zungen schreit und mit Ernst und ganzem Herzen bittet um starke Schützen, die scharfe Pfeile auf den Teufel schießen, treffen und nicht verfehlen, und um feurige Wacholderkohlen, die mit Brunst und Eifer die verführten, blinden Leute anzünden und mit gutem Leben erleuchten – zum Preis und zur Ehre des Namens Gottes. Werdet ihr das tun, so sollt ihr in Kürze sehen, wie reichlich ihr euch am Teufel und seinen Schergen gerächt habt, dass euer Herz darüber lachen wird.“

Ein christlicher Trostbrief an die Miltenberger, wie sie sich an ihren Feinden rächen sollen, aus dem 120. Psalm (Februar 1524) … Mehr

The Question of God in the Age of AI and the Freedom of the Children of God (2018): „If the future of Artificial Intelligence has caught up conceptually with the idea of God, then the metaphysical question of God can no longer be posed in the same way. It cannot be answered philosophically alone—it must be answered liturgically by Christians: within the gathered community of believers, the one God is invoked by name—the God who acted for the salvation of the nations through his people Israel and who revealed himself decisively in his Son, Jesus Christ. Christian faith is not directed toward whatever we can imagine as the greatest within ourselves, but toward the one to whom we may entrust ourselves ‚in life and in death‘ (Heidelberg Catechism).“

The Question of God in the Age of AI and the Freedom of the Children of God “That than which … Mehr

Dieter Ising über Johann Christoph Blumhardt: „Geistliches Neuwerden heißt für ihn, im Blick auf den kommenden Herrn zu leben. Geheilt zu werden heißt, bereits jetzt einen Vorgeschmack auf künftige Gnadenerweise zu erhalten. Auch die von Blumhardt nie beschönigte Tatsache, dass manche Menschen keine oder nur teilweise Heilung erfahren, erhält ihre eschatologische Deutung: Die Geistesgaben werden erst in einer künftigen, allerdings nahe bevorste­henden Gnadenzeit in ihrer ganzen Fülle ausgeschüttet.“

Johann Christoph Blumhardt Von Dieter Ising I. Biographie Mit dem Namen Johann Christoph Blumhardts, 1805 in Stuttgart gebo­ren, später Pfarrer … Mehr