Eberhard Jüngel, Wege und Aporien der evangelischen Kirchen in der DDR (1993): „Eine Kooperation mit dem Staatssicherheitsdienst unter den Zielsetzungen des Staatssicherheitsdienstes konnte für eine theologisch verantwortungsbewusste Kirche unter keinen Umständen in Betracht kommen. Galt doch für den Staatssicherheitsdienst in gesteigertem Maße, was Georg Lukacs für die kommunistische Ethik generell behauptet hatte: nämlich, dass sie die Aner­kennung der Notwendigkeit, Böses zu tun, zur höchsten Pflicht mache, und dass die Erfüllung dieser Pflicht das größte Opfer sei, das die Revolution ihren Anhängern abverlange. Der Kirche konnte dergleichen nur als verwerflicher Aberglaube erscheinen. Dennoch ist es zu höchst problematischen, zum Teil auch verwerflichen Kontakten mit dem Staatssicherheitsdienst gekommen.“

Wege und Aporien der evangelischen Kirchen in der DDR (1993) Von Eberhard Jüngel Herr Landtagspräsident, Herr Ministerpräsident, Herr Vorsitzender, meine … Mehr

Friedrich Heer, Was mir half: „Ein Vulkan, der in mir brennt, und alle Brände meines Lebens, in den Formen von Verzweiflung, und in den Formen von Fruchttragen, unterhält, nährt, mich also als einen Brennen­den hält, erhält, verbrennt, versehrt, ernährt. Die Dornbusch-Situation also: Jeder Mensch ist ein bren­nender Dornbusch. Leider wissen das die meisten Menschen nicht, verbrennen also ihr Leben auf kleiner Sparflamme, ver­aschen sich in „Leistungen“, „Arbeiten“, Erfolgen und zuge­hörigen Mißerfolgen.“

Was mir half Von Friedrich Heer Ich fahre, Frühsommer 1980, in Wien mit der U-Bahn, meiner Wohnung zu. Eine alte … Mehr

Siegfried Einstein, Aus einem Jom Kippur in der Synagoge zu Laup­heim: „Lothar Goldstein stand in einer frem­den Synagoge und hörte, wie der Kantor mit der vollen Baritonstimme seine und des ganzen Volkes Israel Sünden bekannte, und er lächelte, da er an sei­nen Vater dachte, der auch in späteren Jahren Tränen in den Augen hatte, wenn das Kol Nidre gesungen ward. Ganz in sich zusammengekrochen konn­te er dasitzen, der Jude Maximilian Goldstein, der Warenhausbesitzer und Kriegsteilnehmer, ganz traurig und ver­lassen wie ein einzelner Baum inmitten eines Trümmerfeldes schien der Vater an Dinge zu denken, die der Knabe Lothar auch beim besten Willen nicht verstanden hätte und über deren Aus­maß und Bedeutung Maximilian Gold­stein selbst sich nicht im klaren war.“

Aus einem Jom Kippur in der Synagoge zu Laupheim Von Siegfried Einstein Am 10. Oktober begingen die Juden in der … Mehr

Hans Joachim Iwand über die Gottesfurcht: „Mit der falschen Furcht Gottes, eben der, die aus der Angst geboren ist, hängt auch die Flucht in die Werke zusammen, die die Haltlosigkeit dieser Position zwar verdeckt, aber nicht aufhebt. Kein menschliches, sondern allein »Gottes eigent­liches Werk«, also Jesus Christus als der für uns gestorbene und auferstandene Herr ist dieser Furcht gewachsen. Gottesfurcht recht verstanden weiß also darum, dass nichts, was der Mensch an seinen eigensten Möglichkeiten hat, weder als Gesinnung noch als Tat, im Zornge­richt Gottes Bestand hat.“

Gottesfurcht IV. Dogmatisch Von Hans Joachim Iwand Während die östliche Theologie die Gottesfurcht paränetisch behandelt, begegnen in der abendländischen Entwicklung … Mehr

Eberhard Buschs letzte Begegnung mit Karl Barth: „So sang er auch jetzt, obwohl das Fenster seines Zim­mers zur nachtdunklen Straße hin offenstand. Ich warf einen fragenden Blick dorthin. Ob es wohl Beschwerden wegen nächtlicher Ruhestörung geben könnte? Doch er liebte es zu betonen: »Lasset den Lobgesang hören!« Sei es denn jetzt auch zu vorgerückter Stunde!“

Stets sein gewärtig Meine letzte Begegnung mit Karl Barth kurz vor seinem Tod ist mir um so unvergeßlicher, als sie … Mehr

Karl Barth, Reich Gottes und Kirche (1940): „Was das Neue Testament als Sünde beschreibt, ist vielmehr der Glaube des Menschen an sich selbst – im Gegensatz zum Glauben an Jesus Christus – jene Selbstgerechtigkeit, in der der Mensch unter Umständen immer noch ein ganz brauchbarer Idealist sein kann. Denn das Reich Gottes ist nach dem Neuen Testament sehr schlicht eben Jesus Christus selber als die uns unverdient zugewendete Wohltat Gottes. Er kommt. Er macht alles neu. Er ist unsere Hoffnung. Und dass wir ihm dankbar entgegengehen, das ist unsere Zubereitung für ihn und also auf das kommende Reich Gottes.“

Reich Gottes und Kirche (1940) Von Karl Barth Herr J. Tscherner hat mir im Kirchenblatt (Nr. 13 vom 29. März … Mehr

Deutschgläubiges „Erntedank“-Gedicht im Nationalsozialismus (1935): „Wir lernten nicht, das Knie zu beugen, / die Hand zu heben im Gebet, / Gott lebt in uns sich selbst zum Zeugen, / sein Atem ist’s, der uns durchweht. / Nach seinem Willen sind wir Samen, / Frucht auf dem Acker dieser Welt, / auch unser Tod trägt seinen Namen …“

Deutschgläubiges „Erntedank“-Gedicht Am Sonntag, den 29. September 1935, wurde vormittags 10 Uhr auf das Erntedankfest hin eine Morgenfeier aus Leipzig … Mehr

Karl Barth, Brief an Hans von Soden in Sachen Treueid auf Adolf Hitler (1934): „Ein Eid auf Hitler nach nationalsozialistischer und also maßgeblicher Interpretation bedeutet, dass sich der Schwörende mit Haut und Haar, mit Leib und Seele diesem einen Manne verschreibt, über dem es keine Verfassung, kein Recht und Gesetz giebt, dem ich zum vornherein und unbedingt zutraue, dass er ganz Deutschlands und so auch mein Bestes unter allen Umständen weiß, will und vollbringt, von dem auch nur anzunehmen, dass er mich in einen Konflikt führen könnte, in dem er Unrecht und ich Recht hätte, schon Verrat wäre, dem ich mich also, wenn ich ihm Treue und Gehorsam schwöre, entweder den Einsatz meiner ganzen Person bis auf meine verborgensten Nachtgedanken oder eben gar nichts zuschwöre.“

Brief an Hans von Soden, Marburg, vom 5. Dezember 1934 in Sachen Treueid auf Adolf Hitler Von Karl Barth Prof. … Mehr