Landgebot der Herzöge von Bayern gegen die Wiedertäufer im Jahre 1527: „Da diese Lehre dem heiligen Evangelium und dem Wort Christi, unseres Heilandes, unserem heiligen Glauben völlig entgegensteht und widerstreitet, wurde sie vor vielen Jahrhunderten in allen geistlichen und weltlichen Belangen im Heiligen Reich und der ganzen Christenheit als Verderben für Leib und Leben verdammt und entsprechend verboten. Solche Ketzer und ihre Anhänger dürfen an keinem Ort, wo die Obrigkeit zuständig ist, in irgendeiner Weise geduldet werden; gegen sie ist mit wirksamer Verhaftung und peinlicher, strenger Rechtsprechung sofort und ernsthaft vorzugehen.“

Landgebot (Mandat) der Herzöge von Bayern gegen die Wiedertäufer vom 15. November 1527 Von Gottes Gnaden Wilhelm und Ludwig, Brüder, … Mehr

Eberhard Jüngel, Menschlich bis in den Tod hinein. Weihnachten ist das Fest des liebenden Gottes (1971): „Ganz und gar Liebe — das ist unser Leben nicht. Und das mag denn am Christfest besonders deutlich werden: uns fehlt, was gefeiert wird; es mangelt unserer Welt an Liebe. Doch hätte man nicht vom Weihnachtsengel vernehmen können, dass ein anderer in dem reich ist, worin wir arm sind? Dieser Reichtum ist nicht auf Kosten anderer entstan­den. Liebe ist ursprünglicher Überfluß. Sie kommt aus sich selbst und strömt über – oder sie wäre nicht Liebe. Als Empfänger dieser überströmenden Liebe ist der Mensch geschaffen. Kein Mensch kann von sich aus lieben, sowenig er von sich aus sprechen und lachen kann. Der Mensch zehrt von einem Plus, das nicht erst er geschaffen hat. Von diesem Plus redete der Weihnachtsengel, als er aller Welt große Freude verkündete.“

Menschlich bis in den Tod hinein. Weihnachten ist das Fest des liebenden Gottes (1971) Von Eberhard Jüngel I Es sei … Mehr

Walter Sparn über Paul Althaus: „Althaus ist zweifellos niemals Nationalsozia­list gewesen, gleichwohl ist er angesichts der nationalen Katastrophe und ange­sichts der Entchristlichung Deutschlands einer politischen Romantik erlegen, die ihn für die Revolution von rechts votieren ließ. Die hier erhoffte Unmittel­barkeit, Versöhntheit und Heimatlichkeit war ein blinder Fleck seines Denkens; seine Annahme normativer Realitäten wie ‚Volk‘ und seine ‚theozentrische‘, dem persönlichen Majestätsgott so entscheidenden Platz einräumende Theologie haben das wechselseitig verdeckt. Aber die theologische Kritik von Identifika­tionswünschen, die sich als Selbstverständlichkeiten tarnen, ist eine Aufgabe, die auch die in manchem ernüchterten Nachgeborenen stets vor sich haben.“

Paul Althaus Von Walter Sparn Als Systematiker, Lutherforscher und Paulusausleger gehört Paul Althaus im deutschen Sprachbereich zu den wichtigsten lutherischen … Mehr

Adolf von Harnack, Weihnachten (1928): „Der Friede — für den inneren und äußeren Menschen, für Haus und Familie, für Handel und Wandel, für die Staaten und den ganzen Weltkreis, für Leben und Sterben gibt es nichts Köstlicheres als den Frieden, und wenn wir auf die Stimmen der Völker, ihrer Lehrer, Propheten und Dichter lauschen, so ist es der Friede, den sie alle preisen und heiß begehren. Aber diesem heißen Begehren ent­spricht nicht, wenn wir näher zusehen, die klare Einsicht, wie ein vollkommener Friede beschaffen sein muß, und noch weniger die Einsicht, wie man zu ihm gelangt. Wirre Stimmen hören wir vielmehr und halbwahre Urteile: ‚Der Krieg ist der Vater aller Dinge und jeglichen Fort­schritts‘, ‚Wenn du Frieden willst, so rüste den Krieg‘, ‚Dauernder Friede erschlafft die Menschen‘, ‚der frische, fröhliche Krieg‘ und ähnliches. Aber von solchen Unklar­heiten ist die Menschheit nun endlich befreit worden, befreit durch das furchtbare Erlebnis des Weltkrieges, ja, diese Befreiung ist sein einziger positiver und segensreicher Erfolg — wenn die Menschheit bereit ist, ihn zu erkennen und anzunehmen. Der Weltkrieg hat uns gelehrt, was der Krieg ist und in noch fürchterlicherer Weise sein wird — vorher haben wir das nicht gewusst — aber eben dadurch hat er uns auch gelehrt, was der Friede ist.“

Weihnachten (1928) Von Adolf von Harnack Preisen muß man es, daß jedes Jahr ein Tag wiederkehrt, an dem Freude und … Mehr

Hans Joachim Iwand, Predigtmeditation zu 2. Korinther 1,18–22 (1953): „Gerade die bedeutendsten Prediger und Theologen, die uns das Ja Gottes in Jesus Christus in anfechtungsvoller Zeit bezeugt haben, sind heute der Kirche durch solch einen Schatten verdunkelt. Könnte nicht der letzte Sonntag vor Weihnachten eine Gelegenheit sein, vor der offenen Tür dem Ja Gottes in Jesus Christus sich neu an die Hand zu fassen, ‚uns mit euch‘! zu sagen, und so die Gemeinde von dem Argwohn zu befreien, als wollten wir Herr sein über ihren Glauben, um vielmehr von neuem Mitarbeiter zu werden an ihrer Freude.“

Predigtmeditation zu 2. Korinther 1,18–22 (1953) Von Hans Joachim Iwand Ja und Nein zugleich war keine gute Theologie (Shakespeare, König … Mehr

Manès Sperber, Bis ans Ende aller Tage? (1979): „Ich bin ein europäischer Jude, der jeden Augenblick dessen bewusst bleibt, ein Überlebender zu sein, und der nie die Jahre vergisst, in denen ein Jude zu sein ein todeswürdiges Verbrechen gewesen ist. Selbst in jenen Jahren habe ich, Freund vieler Freunde, die Juden und Nichtjuden zwischen ihnen nie unterschieden; jeder war mir in seiner Weise gleich lieb. Und das ist so geblieben. Auch als Nichtjude wäre ich nie ein Antisemit gewesen, dann ich bin unfähig, Feindschaft gegen ein Volk oder eine Rasse zu empfinden.“

Bis ans Ende aller Tage? Von Manès Sperber In einer frühen Phase seines Werdens erfährt ein jegli­cher, daß er ein … Mehr

Friedrich Mildenberger, Probleme der Lehre von Christus seit der Aufklärung (1968): „Müsste nicht besser unser Bemühen um ein Verständnis Jesu damit beginnen, dass wir anerkennen: Nicht wir sind die Fragenden! — Sehen wir uns von der modernen Christologie, wie sie Schleiermacher inaugurierte, in die Stellung der nach ihrer Menschlichkeit Fragenden gedrängt, so werden wir dabei den Verdacht nicht los, dass es gerade die Fra­gen sind, die die Antwort bestimmen, die man angeblich in der geschichtlichen Erscheinung Jesu findet. Nicht wir sind die Fra­genden — wir sind vielmehr die Gefragten, von Gott in Jesus Christus gefragt, wohin wir gehören.“

Probleme der Lehre von Christus seit der Aufklärung Von Friedrich Mildenberger Wir haben alle die knappe dogmatische Formel gelernt, in … Mehr

Paul Tschackert über Johann Heinrich Schönherr, und den Königsberger Religionsprozess 1835—1841 (1906): „Eine Anwendung auf außereheliche Geschlechtsgemeinschaft, wie Gegner ausgestreut haben, hat diese Anweisung nie finden sollen. Obgleich diese Anweisung nur das Geheimnis des engeren Kreises bleiben sollte, wurde sie doch bekannt und schnell missdeutet, so dass man den Königsberger ‚Muckern‘ die schlimmsten Verfehlungen nachsagte. Wenn endlich so kluge Männer wie Ebel und Diestel den Schönherrschen gnostisierenden Dualismus als eine höhere Stufe göttlicher Offenbarung, die uns über das bisherige Bibelverständnis und die daraus geflossene lutherische Kirchenlehre hinausheben solle, selbst ansahen und andere zu derselben Ansicht anzuleiten suchten, so waren sie jedenfalls von der gesunden Lehre abgewichen. Ebel begab sich nach Württemberg in ländliche Zurückgezogenheit, wo er 1861 starb; Diestel blieb in Königsberg bis an seinen Tod (gest. 1854).“

Christopher Clarks neues Buch „Skandal in Königsberg“, DVA, 2025, bezieht sich auf den Königsberger Religionsprozess 1835—1841. Hierzu Paul Taschackerts RE-Artikel … Mehr