Franz Rosenzweig, Die Schrift und das Wort. Zur neuen Bibelübersetzung (1926): „Der wesentliche Inhalt aber ist grade das, was sich der festlegenden und fernrücken­den Gewalt der Schrift entzieht: Wort Gottes an den Menschen, Wort des Menschen an Gott, Wort der Menschen vor Gott. Man braucht nur an die legi­timste, weil einer unmittelbaren Notlage abhelfende, also wahrhaft not-wendige, Form der Schriftlichkeit zu denken, von der alle andern Formen das, was sie an Legitimität besitzen, zu Lehn haben, an den Brief.“

Die Schrift und das Wort. Zur neuen Bibelübersetzung

Von Franz Rosenzweig

Alles Wort ist gesprochnes Wort. Das Buch steht ursprünglich nur in seinem, des gelauteten, gesunge­nen, gesprochenen, Dienst; so wie noch heute beim theaterlebendigen Drama oder gar bei der Oper. Nur so, so technisch, so mittelhaft, so vorläufig, wie wir da vom »Buch« sprechen, nur so war einst Bang und Stand des Buchs überhaupt gegenüber dem gespro­chenen Wort.

Aber das Technische hat eine gefährliche Gewalt über seinen eigenen Herrn; unversehens wird aus dem Mittel ein Zweck, aus dem Vorläufigen das End­gültige, aus dem Technischen Magie. Das Buch, statt dem Wort zu dienen, wandelt sich zur wort­beherrschenden, wortverwehrenden, zur »heiligen Schrift«. Heilige Schriften, kommentiert »nach dem Buchstaben«, dem laut-losen, stummen, alex­andrinischer Homer, neuplatonischer Platon, jü­dische und christliche Bibel, Koran, bezeichnen das Ende des wortdienstbaren, des mit vollkommener Selbstverständlichkeit laut gelesenen Buchs, wie es die Antike überall einzig kannte und wie es noch heut, wo antike Tradition lebendig ist, im jüdischen »Lernen« etwa, bekannt ist; und sind die Vorläufer des modernen, des stummen, und weil stumm, des­halb vom Menschen losgelösten, mit unbegrenzten Möglichkeiten ausgestatteten, aber eben deshalb zu räumlicher und zeitlicher Heimatlosigkeit verdamm­ten Buchs . Die Schrift im prägnanten Sinn, die heilige, eröffnet das unübersehbare, an keine menschliche Aufnahmekraft mehr sich bindende »Schrifttum«; dies Wort hat nur scheinbar einen edleren Ton als das fremde: Literatur, für das es eintritt; in Wahrheit spiegelt es wie dieses in seiner abstrakten Endung den hoffnungslosen Verzicht des Menschen, je mit diesem unendlichen Bücherhaufen zu Rande zu kommen.

Wo Fluch ist, da sucht der Mensch notwendig nach Lösung vom Fluch. Mit der Schriftwerdung der schriftlichen zugleich entsteht überall eine sich an jene knüpfende mündliche Lehre. Sie ist überall, mag sie in sich noch so fragwürdig sein, wie es der »Rabulismus« des Talmud, die Dialektik der scho­lastischen, der Vorlesungsbetrieb der modernen Universität, die »Wortverwaltung« der protestan­tischen Predigt gewiß sind, doch durch die einfache Tatsache ihrer Mündlichkeit die Rettung des Men­schen. Ein Mund mag noch so erbarmungslos sein, er ist doch von Fleisch und nicht von Papier; so wird er müde und läßt darum meist doch den Wech­sel von Tag und Nacht in Geltung, er muß auch essen, und mindestens dann wird er auch ein Plauderwort finden; das Buch aber ist unermüdlich, ohne Achtung für Tag und Nacht, ohne Sinn für das mensch­liche Bedürfen nach ausspannendem Wechsel. Mag der Mund also auch einer sein, der »nichts sagt, als was im Buche steht«, und mag der »heilige Geist« des mephistophelischen Spottworts, der Geist von Gei­stesgnaden, noch so dünn aus ihm rinnen, der wahre heilige Geist, der Geist des Menschen, wird durch ihn gerettet. Noch das Bildungsgeschwätz über den neuesten Roman, ja noch das Zeitungsfeuilleton darüber in seiner doch immerhin auf die Frühstücks­halbstunde abgepaßten Länge hat etwas von solcher den Fluch der Literatur, ihrer Zeitlosigkeit, ban­nenden Segenskraft des Mündlichen.

Aber ein Buch, und grade das Buch, von dem in unsrer, der jüdisch-christlichen Kulturwelt jenes Verhängnis der Schriftwerdung und Verliterarisierung des Worts seinen Anfang nahm und an dem auch das Heilmittel, die mündliche Lehre, die Tra­dition, zuerst erprobt wurde, dieses eine Buch allein unter allen Büchern unsres Kulturkreises, gerade es kann sich nicht mit jenem Heilmittel der neben der Schrift bestehenden Mündlichkeit zufrieden geben; gerade es und allein es darf auch als Buch selber nicht ganz ins Schrifttum, nicht ganz in die Literatur ein­gehen. Sein einzigartiger Inhalt verwehrt grade ihm, ganz Schrift zu werden. Es muß Wort bleiben. Es kann nicht die selbständige, ästhetische Würde der Schrift gewinnen, weil es nicht die Vorbedingung dieser Würde, die Ferne, gewinnen kann. Denn sein Inhalt, das Wesentliche seines Inhalts, versagt sich der Verrückung ins Gegenständliche, Gegenüber­stehende, — Verfaßte, das alles Literaturgewordene kennzeichnet. Literaturfähig ist hier nur das Bei­werk, an dem eine literarische Betrachtung infolge­dessen hängen bleibt. Der wesentliche Inhalt aber ist grade das, was sich der festlegenden und fernrücken­den Gewalt der Schrift entzieht: Wort Gottes an den Menschen, Wort des Menschen an Gott, Wort der Menschen vor Gott. Man braucht nur an die legi­timste, weil einer unmittelbaren Notlage abhelfende, also wahrhaft not-wendige, Form der Schriftlichkeit zu denken, von der alle andern Formen das, was sie an Legitimität besitzen, zu Lehn haben, an den Brief: um schon einzusehn, daß diese Legitimation der Schriftwerdung dem Wort von und an und vor Gott nie zuteil werden kann; Gott ist gegenwärtig, und wenn er durch Boten handelt, so sind das keine Brief­träger, die ein Vorgestriges, inzwischen vielleicht schon von den Ereignissen Überholtes anbringen, sondern unmittelbar in diesem ihrem Augenblick handelt aus ihnen und spricht durch sie Gott.

Deshalb ist es für die Schrift, für diese eine Schrift, eine Lebensfrage, daß nicht bloß neben ihr, sondern in ihr selbst das Wort erhalten bleibt. Das Gottes­wort kann auf das Menschenwort, das wirkliche, ge­sprochene, lautende Menschenwort nicht verzich­ten, die Bibel allein erzwingt sich unter allen Bü­chern des literarischen Zeitalters, vorliterarischen wie literarischen, die vorliterarische Leseweise — mit dem hebräischen Ausdruck für Lesen, der dem Abendland vom Koran her bekannt ist und der (nicht etwa: Schreiben) auch für das Alte Testament die geläufigste Bezeichnung hergegeben hat: die Kria, den Ruf. Um dieser Forderung willen pflegen die Kulte alle die laute Lesung. Ihr diente in Lu­thers Übersetzung der Rückgriff auf die gesprochene Sprache des Volkes. Ob sie für die bestimmte Zeit und das bestimmte Volk erfüllt ist, diese Prüfungs­frage ergeht an jede neue Übersetzung.

Die Fessel, die heute alles geschriebene Deutsch in Bande der Stummheit schlägt, ist das Zeichensy­stem, in das die Worte eingebettet liegen: die Inter­punktion. Selbst wo ein geistvoll-eigenwilliger Schreiber, Hermann Grimm etwa, ihr rein logisches Gitter gesprengt hat — und mehr oder weniger sün­digen wohl alle deutschen Schreibenden an diesem Punkt gegen ihre alten Schulmeister —, selbst da kommt es höchstens zu einer Annäherung an das mehr musikalische als logische Interpunktionsprin­zip der Franzosen, das doch wieder dem durch seine freie Wortstellung in keine typischen Melodien ein­gehenden Wuchs des deutschen Satzes nicht gemäß ist. Wo diese Fessel der Stummheit also um jeden Preis gesprengt werden muß, wie eben bei der deut­schen Bibel für den heutigen lesenden, verlesenen, zerlesenen Menschen, da bedarf es eines schärferen Mittels. Martin Buber hat es gefunden. Vom Auge her sollte das Band der Zunge gelöst werden. Da mußte unter aller logischen Interpunktion, hier im Bunde, dort im Kampf mit ihr, das Grundprinzip der natürlichen, der mündlichen Interpunktion ent­bunden werden: der Atemzug.

Der Atem ist der Stoff der Rede; so ist das Atem­schöpfen ihre natürliche Gliederung. Es steht unter seinem eigenen Gesetz: Mehr als zwanzig oder allen­falls dreißig Worte wird man kaum sprechen ohne ein tiefes, nicht bloß nachfüllendes Erneuern des Atems, meist sogar nur fünf bis zehn; aber inner­halb dieser Grenzen folgt die Verteilung der atem­erneuernden Schweigen dem inneren Zuge der Rede, der ja nur gelegentlich von ihrem logischen Aufbau bestimmt ist, meist aber unmittelbar die Bewegun­gen und Erregungen der Seele selber in seinen Stärke- und vor allem in seinen Zeitmaßen spiegelt.

So gliedert sich die ziehende Rede in untereinander gleichwertige, sozusagen (aber wirklich nur sozu­sagen) zeitgleiche Atemzüge, vom einzelnen Ja der göttlichen Bestätigung des menschlichen Ungehor­sams bis zur vielwortigen Nennung der fünf Könige, gegen welche die vier zogen. Logisch unzweideutig gesonderte und infolgedessen durch Punkt getrennte Sätze, wie etwa Kajins entsetzliche Antwort: »Ich weiß nicht. Bin ich meines Bruders Hüter?« zieht die Wiedergabe des lebendigen, atmenden Zugs der Rede in eine Bewegung zusammen und gibt ihr so erst ihre ganze, sonst durch die logische Interpunk­tion halb verdeckte Entsetzlichkeit. Wiederum er­halten Kommas, ohne ihren logischen Charakter als untergeordnete Trenner einzubüßen, durch die hin­zutretende Atemkehre ein geruhiges Ausschwingen, das ihnen im Gedränge der nebengeordneten oder im Geschiebe der untergeordneten Satzteile sonst notwendig verlorengehen muß.

Diese Gliederung kann aber nur aus dem Text selbst heraus geschehen. Sie bleibt — wie letzthin im Über­setzen so vieles — »willkürlich«, »Versuch«. Nicht bloß für das Neue Testament, wo die Verseinteilung ja ein ganz spätes Produkt, erst des sechzehnten Jahrhunderts, ist und wo neuerdings die Koleneinteilung von verschiedenen Seiten[1] propagiert wurde, sind keine überlieferten Anhaltspunkte vor­handen; sondern auch für das Alte liegt die Sache nur scheinbar anders. Denn hier gibt es zwar eine altüberlieferte, seit mehr als tausend Jahren in Zeichen festgelegte Interpunktion, auf der auch die gebräuchliche Verszählung beruht, und sogar eine denkbar intensive Interpunktion, die nämlich nicht das Gefüge der Sätze sichtbar macht, sondern, in alle Ritzen des Satzes eindringend, unmittelbar nur das Verhältnis jedes einzelnen Worts zu seinem Nachfolger bezeichnet und nur mittelbar dadurch natürlich auch den Zusammenhang der Satzglieder aufklärt. Aber sie stellt, trotz ihrer durchgängig auch musikalischen Bedeutung, doch vor allem eine restlose logische Durcharbeitung des Textes dar — eine Leistung philologischer Interpretation übri­gens, vor der alle spätere Philologenarbeit an die­sem Text sich verstecken muß. Das Musikalische in ihr ist fast durchweg — abgesehen von einzelnen Stellen, etwa gesanghaften Phrasierungen mancher Namensketten — nur funktioneller Ausdruck des Logischen: wer die Art kennt, wie beim »Lernen« des Talmud das was der Laie für Singsang hält, das musikalische »Stellen« des gelesenen Satzes, sein logisches Verständnis vorwegnimmt, oder wer auch etwa nur im Ohr hat, wie Hermann Cohen schwie­rige Platon- oder Kantsätze schon im Lesen »stellte«, der wird jenes Getragensein der logischen Bedeu­tung von dem musikalischen Wert auch für die bi­blischen Interpunktionszeichen verstehen.

Nun sind aber jene Zeichen, die sogenannten Ak­zente — denn auch diese Funktion von Silbenbetonern haben sie, neben der von Interpunktion und der von Noten, genauer: Notengruppen —, überdies, ihres Charakters als ungeheurer philologischer Lei­stung unbeschadet, nie, wenigstens vor der restaurativ gewaltsamen Orthodoxie der jüdischen Eman­zipationsepoche nie, mehr gewesen als eben die Lei­stung großer und ehrwürdiger Vorgänger, denen der Spätere vertrauend und gern folgt, von denen er sich aber in aller Bescheidenheit auch abzuweichen gestatten darf und muß. Wenn der klassische jü­dische Kommentator, ohne dessen nun bald neun­hundertjährige Erklärungen kaum eine jüdische Bibel gedruckt wird, wenn Raschi mit seiner un­erreichten Ausgeglichenheit kindhaften Eingewachsenseins in die volkstümliche Überlieferung und helläugigen Eigenblicks in den Text, wenn Raschi gleich den ersten Satz der Bibel in klarem Wider­spruch zu jenen überlieferten Zeichen interpretiert, dann ist damit jedem Späteren Richte und Maß ge­geben.

So hilft beim Alten Testament die überlieferte In­terpunktion dem Übersetzer, der die Pflicht erkannt hat, die Schrift wieder vom Atem des Worts durch­ziehen zu lassen, nicht so viel als er selber vielleicht anfangs meinte. Es geht damit anders als mit dem überlieferten Vokal- und gar Konsonantenbestand des hebräischen Textes, der in einem für den heuti­gen, kritisch voreingenommenen Menschen überra­schenden Maß seine so gut wie durchgängige Zuver­lässigkeit, oder vorsichtiger ausgedrückt: Brauch­barkeit, weist. Dort, bei der Kolengliederung, han­delt es sich eben nur scheinbar um eine schon den Setzern der Akzentzeichen bewußte Aufgabe; die doch in Wahrheit für sie gar nicht bestand, da ihnen die Mündlichkeit des Mikra, des »Gerufs«, durch das Gesetz des Kults gesichert war und es ihnen also nur darauf anzukommen brauchte, innerhalb dieser ge­sicherten Mündlichkeit für Verständlichkeit zu sor­gen. Während hier, beim überlieferten Wortlaut sel­ber, der Alttestamentler von heute, mit all seinem amtscharismatischen Scharfsinn und mit all seiner gegen jene alten Juden um mehr als tausend Jahre fortentwickelten Kenntnis des biblischen Hebräisch, doch in der heikelen Situation ist, vor genau der glei­chen Aufgabe zu stehen, vor der jene standen, und also auch an den fragwürdigsten Stellen des Textes doch immer nur ein bestenfalls Wahrscheinliches für ein immerhin Mögliches zu setzen.

Der Zwang zur Freiheit, der dem Übersetzer so an diesem Punkte verhängt ist, die Notwendigkeit, die Atemzüge des Worts allein aus den Schriftzügen der Schrift zu erhorchen, wird ganz deutlich da, wo die Rede nicht nach ihrem Inhalt allein sich gliedert, sondern einem selbstauferlegten Gesetz folgt: in den gebundenen Rhythmen der Poesie. Die metrische Bindung ergibt j a von selbst, wenigstens in einer Poe­sie, die wie die dichterischen Partien der Bibel auf die Reize der Überschneidung von Vers und Ge­danke verzichtet, eine obere Grenze auch für die Länge des »Atemkolons«; am Versschluß holt man da eben auch Luft. Aber während sonst diese obere Grenze zugleich auch die untere ist, man also die metrische Gliederung unmittelbar an der Schreib­weise ablesen kann und das poetische Gebild so viel Zeilen hat wie Verse, ist das in der neuen Überset­zung zwar meist, aber nicht grundsätzlich der Fall. Sondern hier bricht bisweilen die atmende Bewe­gung der natürlichen Rede den gebundenen Tanz­schritt der Poesie. So in den Verkündungen des sterbenden Jaakob an seine Stammsöhne. Da ent­sprechen die zwei ersten Kolen der Übersetzung durchweg nur einem Verse des Metrums, am ein- drücklichsten in der Verkündung an Jehuda. Die sich von innen her rhythmisierende Rede des Worts siegt da über den abgemessenen Takt des Gesanges, Prosa über Poesie.

Denn Poesie ist zwar die Muttersprache des mensch­lichen Geschlechts — wir brauchen die Hamann-Herdersche Weisheit nicht zu verleugnen. Aber eben nur des Geschlechts. So wie noch heute die Sprache jedes Kindes ursprünglich lyrisch und magisch ist, verzücktes Aufzucken des Gefühls und wirkungs­kräftiges Werkzeug der Begier, und beides oft im gleichen Laut, und wenn selbst im Wort, dann doch auch es nur lautend: und wie dann doch das Kind erst zum Menschen wird, wenn durch diese seine »Ursprache« die unlyrische und unmagische, sang- und spruchfremde Fülle des Wortes bricht, ein Her­vorbrechen, das wie jede echte Offenbarung immer erst hinterher wahrgenommen wird und sich der zeitlichen Festlegung auf einen bestimmten Augen­blick der Vergangenheit entzieht: so bricht auch eines Tages, und niemand weiß nachher welchen Tages, durch jene Ursprache des Menschengeschlechts die Sprache der Menschheit im Menschen, die Sprache des Worts. Die Bibel ist der Hort dieser Sprache des Menschen, weil sie Prosa ist. Prosa noch im verzückten Sang der Kündung, noch im wirkungs­mächtigen Spruch des Gesetzes. Sie ist als Schrift Niederschlag, nachträglicher, Nieder-Schrift, des ge­schehenen Durchbruchs des Worts, der in der Ge­schichte des Geschlechts genau da steht, wo in der Geschichte des Einzelnen: am Augenblick seiner Menschwerdung. Das Wort, das keine Maße und Bindungen erträgt, weil sich die Seele in ihm ent­bindet und vermißt, ist in sie gesprochen, spricht aus ihr. Es gab vor und außer ihr Prosa; das war Nichtpoesie, ungebundene, keine entbundene Rede, ungemessenes, nicht maßlos – übermäßiges Wort. Alle Poesie, die seither in ihrem Lichtkreis ent­standen ist — ja die Poesie mehr als die Prosa; Je­huda Halevi mehr als Maimonides, Dante mehr als Thomas, Goethe mehr als Kant—ist von ihrem Geist der Prosa begeistert. Seither ist in das nächtige Schweigen, das das Menschengeschlecht in seinen Ursprüngen umgab, jeden von jedem und alle vom Draußen und vom Drüben trennend, das Tor ge­brochen, das nie ganz mehr zugehen wird: das Tor des Worts.

Quelle: Die Kreatur 1 (1926/1927), Heft 1, S. 124-130.


[1] Norden, Agnostos Theos, S. 361. Roland Schütz, Die Bedeutung der Kolometrie für das N.T. (Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft 1922, 161 ff.). Roman Woerners Übersetzungen der Evangelien und der Apokalypse.

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