Karl Jaspers Fundamentalkritik an Rudolf Bultmanns Entmythologisierungsprogramm „Wahrheit und Unheil der Bultmannschen Entmythologisierung“ von 1953: „Wie dürftig und spracharm unser Dasein, wenn mythische Sprache nicht in ihm gilt! und wie unwahr, wenn die unumgängliche mythische Denkweise mit albernen Inhalten erfüllt wird. Die Herrlichkeit und das Wunder der mythischen Anschauung muss gereinigt, aber nicht abgeschafft werden. Entmythologisierung ist fast ein blasphemisches Wort. Es ist nicht Aufklärung, sondern Aufkläricht, die das Wort Mythus so entwerten kann. Hört die Pracht des Sonnenaufgangs auf, eine leibhaftige, immer neue, beschwingende Wirklichkeit zu sein, eine mythische Gegenwart, auch wenn wir wissen, daß wir mit der Erde uns bewegen, also vom Aufgang keine Rede sein kann? Hört das Erscheinen der Gottheit auf dem Sinai, im Dornbusch, auf, ergreifende Wirklichkeit zu sein, auch wenn wir wissen, dass im Sinne raum-zeitlicher Realität hier menschliche Erlebnisse stattgefunden haben? Entmythologisieren, das würde bedeuten, ein Grundvermögen unserer Vernunft zum Erlöschen zu bringen.“

Wahrheit und Unheil der Bultmannschen Entmythologisierung Von Karl Jaspers Inhaltsübersicht Situation, aus der diese Kritik entspringt. I. Zwei brüchige Voraussetzungen … Mehr

Karl Jaspers über seine religiöse Erziehung: „Als wir einmal zu spät zur Unterrichtsstunde gekommen waren, wurden wir bestraft dadurch, dass wir diesmal nicht beteten. Wir verwunderten uns über diese Strafe, die uns völlig gleichgültig war, aber hatten ein Gefühl von Mitleid und respektvollem Schonungsbedürfnis gegenüber dem Pfarrer.“

Über die religiöse Erziehung im Elternhaus schrieb Karl Jaspers 1938: Wenn Kierkegaard auf die Frage, warum er glaube, einmal antwortet: … Mehr

Karl Jaspers, Unsterblichkeit (1957): „Die philosophische Einsicht ist nie wie ein Wissen, das ich besitze. Solange wir in der Zeit leben, ist uns die Sehnsucht nach der zeitlichen Gegenwart derer, die entschwunden sind, nur in der Erinnerung zu sein scheinen, unumgänglich. Uns ist in der Zeit die Trauer auferlegt. Durch keinen Unsterblichkeitsgedanken ist sie zu tilgen, aber sie ist selber hineinzunehmen in die übergreifende philosophische Einsicht.“

Unsterblichkeit Von Karl Jaspers Kein Mensch weiß, was nach dem Tode aus ihm wird. Von jeher glaubten die meisten und … Mehr

Karl Jaspers, Der Prophet Ezechiel. Eine pathographische Studie (1947): „Aus dem Rausch zur Klarheit, aus der verwirrenden Leidenschaft des irdischen Lebens zur hinreißenden Leidenschaft des Lebens im Dienste der Gottheit, das ist bei Ezechiel ins Äußerste und Maßlose getrieben durch das Absinken in die Rationalisierung des bloß ord­nenden Verstandes und in die sinnliche Vergegenwärtigung.“

Der Prophet Ezechiel. Eine pathographische Studie (1947) Von Karl Jaspers Über Verfasser und Deutung des Buches Ezechiel sind die Alttestamentler … Mehr

Karl Jaspers über das Tragische: „Erst ein Glaube, der ein anderes als das immanente Sein kennt, erlöst vom Tragischen. So ist es bei Dante, bei Calderon. Das tragische Wissen, die tragischen Situa­tionen, das tragische Heldentum, alles ist radikal verwandelt, weil es durch die Darstellung aufgenommen ist in den Sinn der Vorsehung und in die Gnade, die von diesem ganzen un­geheuren Nichtigsein und Sichselbstzerstören der Welt erlöst.“

Über das Tragische Von Karl Jaspers Schuld Das Tragische wird sich verständlich als Folge der Schuld und als die Schuld … Mehr

Karl Jaspers, Das Gewissen vor der Bedrohung durch die Atombombe (1950): „Die Atombombe wird erst dann unmöglich, wenn Gewalt unter dem Recht steht. Dies setzt die übergeordnete Menschheitsinstanz voraus, deren Entscheidung getragen wird von den Rechtsformen, die die Souveränität jeder Staatlichkeit gebeugt haben unter eine Weltordnung der freien Menschheit in der Gegenseitigkeit des Mit­einanderredens und gesetzlich geordneten Ringens um die ständige Besserung der immer auch noch ungerechten Zustände.“

Das Gewissen vor der Bedrohung durch die Atombombe (1950) Von Karl Jaspers Es herrscht Einmütigkeit in der Verurteilung der Atombombe … Mehr

Karl Jaspers, Die Idee des Arztes (1953): „Es gehört zu seinem Wesen, menschenfreundlich zu handeln, auch wo er nicht heilen kann, und noch dem hoffnungslosen Kranken beizustehen. Der Arzt bringt dem Geisteskranken eine Gesinnung entgegen, die ihm gebietet, dem Unglücklichen, den er nicht gesundmachen kann, noch das Maximum von Lebens­möglichkeit zu geben, in ihm noch den Menschen zu ehren.“

Die Idee des Arztes[1] Von Karl Jaspers Der priesterliche Typus des Arztes der Urzeiten, der hippokrati­sche Arzt, der mit unbefangenem … Mehr

Karl Jaspers, Theologie und philosophischer Glaube (Philosophische Autobiographie, 1953): „Noch nach dem Ersten Weltkrieg hatte ich für Theologie kein Interesse. Soweit sie nicht wissenschaftliche historische Forschung war, die der Sache nach auch der Philosophischen Fakultät angehören konnte, erschien sie mir so brüchig, daß sie wohl als eines der Symptome des Zeitalters, aber nicht an sich mich angehen konnte. Doch die Theologie nicht zu beachten, zeigte sich auf die Dauer als unmöglich.“

Theologie und philosophischer Glaube Von Karl Jaspers Als ich zu philosophieren begann, habe ich mir nicht einfallen las­sen, daß mich … Mehr

Karl Jaspers, Die Schuldfrage (1946): „Politische Freiheit beginnt damit, daß in der Mehrheit des Volkes der einzelne sich für die Politik seines Gemeinwesens mit haftbar fühlt, – dass er nicht nur begehrt und schilt, – dass er vielmehr von sich verlangt, Realität zu sehen und nicht zu handeln aus dem in der Politik falsch angebrachten Glauben an ein irdisches Paradies, das nur aus bösem Willen und Dummheit der anderen nicht verwirklicht wurde, – daß er vielmehr weiß: Politik sucht in der konkreten Welt den je gangbaren Weg, geführt von dem Ideal des Menschseins als Freiheit.“

Die Schuldfrage Von Karl Jaspers Dr. med., o. ö. Prof. der Philosophie 1946 LAMBERT SCHNEIDER HEIDELBERG Vorwort Aus einer Vorlesungsreihe … Mehr