Kurt Walter, Wartende Menschen. Adventsandacht zu Lukas 12,35-36 aus dem KZ Dachau (1944): „Wenn wir wirklich Gemeinde Jesu Christi sind, wenn das wirklich wahr ist, dass wir warten auf den Tag, da der Herr kommt, dann wollen wir doch all das andere Warten unserer trüben Tage, das Warten auf das Ende unserer Gefangenschaft, auf unsere Heimkehr, das Warten auf eine bessere Zeit, all unser Warten, das mit soviel Ungeduld und Mutlosigkeit und Haltlosigkeit, auch manchmal schon mit soviel mürrischer Verhärtung geschieht, — dann wollen wir doch dieses unser menschliches Warten auf alle diese Dinge, die im letzten ja nur Schein sind, doch klein werden lassen vor dem Warten auf die große Wirklichkeit unseres Gottes, und wollen unsere Herzen erfüllen lassen mit der Freude derer, die auf ihren Herrn warten! Das wäre Adventsfreude!“

Wartende Menschen. Adventsandacht zu Lukas 12,35-36 aus dem KZ Dachau 1944 Von Kurt Walter „Lasset eure Lenden umgürtet sein und…

Jürgen Henkys, Singender und gesungener Glaube: „Das Kirchenlied ist ein Glaubenslied: ‚O du meine Seele, / singe fröhlich, singe, / singe deine Glaubenslieder‘. Glaube ist dabei zu verstehen als Inhalt (fides quae canitur) und als Antrieb (fides qua canitur). Singen, ‚was Gott an uns gewendet hat und seine süße Wundertat‘, heißt ein Lied-Credo vernehmen lassen. Der Glaube als Inhalt kann aber singend nicht recht geltend gemacht werden ohne den Glau­ben des Herzens und dessen Gebärde: ‚O gläubig Herz, gebenedei / und gib Lob deinem Herren‘.“

Singender und gesungener Glaube. Das Kirchenlied im christlichen Leben[1] Von Jürgen Henkys In der Themaformulierung wird das Kirchenlied auf den…

Karl Barth, Wir sehnen uns nach deiner letzten Offenbarung (Gebet): „Sei und bleibe du aber auch derselbe über und in dem so verwirrenden und verwirrten, bedrückenden und bedrückten menschlichen Tun und Geschehen unserer Tage! Sage und zeige allen, dass sie dir nicht verloren sind, dass sie dir aber auch nicht davonlaufen können! Erweise dich überall als der Herr der Frommen und der Gottlosen, der Klugen und der Törichten, der Gesunden und der Kranken – als der Herr auch unserer armen Kirche.“

Wir sehnen uns nach deiner letzten Offenbarung Lieber himmlischer Vater! Wir danken dir.Und nun laß es geschehen und gelten in…

Reinhold Schneider, Pascals Drama (1954): „Pascal fordert den Widerspruch heraus und hat ihn schon einbezogen. Er hat mit solcher Meisterschaft die Stimmen seiner Gegner geführt, dass er als Verzweifelter oder auch Skeptiker aufgefaßt werden konnte. Lächelnd — mit dem in seiner Totenmaske vollendeten Lächeln — hätte er es hingenommen als Hülle seiner Wahrheit. Unverhüllt kann die Wahrheit ja gar nicht sein. Der Geist ist machtlos in der Ordnung des bösen Gelüstes, unerkennbar, scheinbar nicht da. Und auch Gott macht sich in gleichem Maße erkennbar, als er sich unerkennbar macht. So auch weht um das Heilige ein Schein der Bosheit, um den höchsten Eifer ein Schatten der Dämonie, um Jesus Christus die Frage: ob er des Zimmermanns Sohn sei oder ob er rase. Und im Schatten dieser Frage steht die von Christus gegründete Kirche, deren Grenzen wir nicht kennen, steht der Christ. Er ist im wesentlichen ein Fragender; aber nach Pascals Meinung sollte er jede Frage wagen. Denn die Antwort ist der im Fleische und in der Todesangst verborgene Gott.“

Pascals Drama (1954) Von Reinhold Schneider Man muß einen geheimen Gedanken im Hintergrund haben und von ihm ans alles beurteilen,…

Hanns Liljes schwülstige Kriegstheologie „Der Weg der Kirche Jesu Christi im Kriege“ (1939): „Wenn je, dann ist heute eine Stunde großer Verantwortung für unsere Kirche da. Lasst uns in aller Treue darum ringen, diese Aufgabe, die uns bis zum letzten Blutstropfen heute erfüllen kann, um unseres Volkes, um des Führers und seiner Räte, um des Heeres zu Wasser, zu Lande und in der Luft willen mit Vollmacht und Kraft zu tun. ‚Sei getrost, spricht der Herr, und lass uns stark sein für unser Volk und für die Städte unseres Gottes. Der Herr aber tue, was ihm gefällt!'“

Nicht erst mit der 1941 veröffentlichten Schrift „Der Krieg als geistige Leistung“ hatte Hanns Lilje (1899-1977), der spätere Landesbischof der…

Edmund Schlink, Die Verkündigung der Kirche im Kriege (1940): „Im Kriege droht der Verkündigung die Versuchung, dass sie die grundsätzliche Infragestellung des politischen Handelns durch das göttliche Recht verschweigt und durch ihr Schweigen den Krieg als Ausnahmezustand, in dem allem der Anspruch, die Machtmittel und der Erfolg entscheiden, sanktioniert. Dieses Schweigen ist zwar aus der territorialgeschichtlichen Vergangenheit der Kirchen lutherischen Bekenntnisses in Deutschland verständlich, aber von daher wahrlich nicht entschuldbar. Die Kirche, die dem lutherischen Bekenntnis treu bleibt und Luther, der die Frage der Gehorsamspflicht im Kriege in kritischer Offenheit erörtert hat, als ihren Lehrer emst nimmt, muss unüberhörbar die Frage der Rechtmäßigkeit an den Grund des Krieges und an die Methoden der Kriegsführung richten. Aller politische Rechtsanspruch ist zu stellen unter Gottes Wort und keineswegs von vornherein mit dem göttlichen Recht zu identifizieren.“

Bemerkenswert ist, wie Edmund Schlink im Frühjahr 1940 in seinem Vortrag „Die Verkündigung der Kirche im Kriege“ jegliche Kriegstheologie vermieden…

Breslauer christliches Wochenblatt ‚Evangelischer Ruf‘ auf der Titelseite seiner Ausgabe vom 14. Oktober 1933: „»Nichtarier werden gebeten, die Kirche sofort zu verlassen.« Da steigt Christus vom Kreuze des Altars herab und verlässt die Kirche.“

Christus expulsus Im Zusammenhang mit der geplanten Einführung eines Arierparagraphen in der Deutschen Evangelischen Kirche (DEK) veröffentlichte das Breslauer christliche…

Karl Barth, Der Sinn des kirchlichen Fortschritts (1939): „Weil auch das wahr ist, dass wir zwar Zeit haben, aber bald keine Zeit mehr haben werden, darum muss es in der Kirche mitten in der Evo­lution immer auch Revolutionen geben, genauer ge­sagt: Reformationen, d. h. Erneuerungen, Wieder­herstellungen von Grund aus, Rückgriffe, bzw. Vor­griffe auf den Grund und das Ziel der Kirche in Jesus Christus, radikale Besinnungen auf jenes Eine, im Wechsel der Zeiten Beharrende, das nun doch so einfach, wie Vinzenz von Lerinum es sich ge­dacht hat, der Kirche nicht zur Verfügung steht, das vielmehr nach einem Worte Calvins in ‚vielen Auferstehungen‘ der Kirche neu geschenkt, aber auch von der Kirche selbst immer neu erbetet, erkannt, erobert werden muss.“

Der Sinn des kirchlichen Fortschritts (1939) Von Karl Barth Als ich eingeladen wurde, in diesem Winter einen Bernoullianums-Vortrag zu halten,…