Klaus Raschzok, Textiler Klassiker. Zweihundert Jahre Talar mit Beffchen: „Die Stola auf dem schwarzen Talar dagegen besitzt für sich genommen keine überzeugende Aussagekraft und degeneriert zum persön­lichen Schmuckabzeichen. Sie wirkt wie eine unangemessene Verdoppelung dessen, was der schwarze Talar bereits aus sich heraus signalisiert: Hier agiert eine Person im Gottesdienst im amtlichen Auftrag der Kirche als ordinierte Pfarrerin oder Pfarrer. Der Talar gelangt damit bereits überall dort an seine Grenze, wo mehrere Geistliche zusam­men gottesdienstlich tätig werden. Er ist im Grunde ein Gewand für die solistisch wahrge­nommene Prediger- oder Liturgenrolle im evangelischen Gottesdienst. Überall dort, wo es stärker auf die Bewegungsdimension wie Interaktion der menschlichen Körper im Gottes­dienst ankommt, erweist sich der schwarze Talar als eher hinderlich. Insofern kommt dem gelegentlich unreflektiert artikulierten Unmut über ein zu gehäuftes Auftreten von schwarz gekleideten Talarträgerinnen und Talarträgern bei Ordinations- oder Einführungsgottesdienst durchaus ein gewisses Wahrheitsmoment zu. wahrge­nommene Prediger- oder Liturgenrolle im evangelischen Gottesdienst.“

Klaus Raschzok, Professor für praktische Theologie in Neuendettelsau, hat einen höchst instruktiven Artikel über die zweihundertjährige Geschichte des evangelischen Pfarrertalars … Mehr

Jürgen Habermas Anfrage an die akademische Theologie: Wenn es doch so sei, dass die Wahrheitsansprüche der Religion nicht nur für eine Doktrin gelten, sondern religiöse Erkenntnis sich als religiöse Sozialisation vollziehe, als Nachfolge auf einem Heilsweg – warum, entkoppelten sich dann die Theologen zunehmend von der rituellen Praxis der Gemeinde?

Schade, leider nicht dabei gewesen. Also doch nur indirekte Rede aus der Feder von Christian Geyer über das, was Habermas … Mehr

Gebetsautismus im Evangelischen Gesangbuch im Gefolge Immanuel Kants: „Da überdem Menschen alles, was eigentlich nur auf ihre eigene moralische Besserung Beziehung hat, bei der Stimmung ihres Gemüts zur Religion, gern in Hofdienst verwandeln, wo die Demütigung und Lobpreisungen gemeiniglich desto weniger moralisch empfunden werden, jemehr sie wortreich sind: so ist vielmehr nötig, selbst bei der frühesten mit Kindern, die des Buchstabens noch bedürfen, angestellten Gebetsübung, sorgfältig einzuschärfen, dass die Rede (selbst innerlich ausgesprochen, ja sogar die Versuche, das Gemüt zur Fassung der Idee von Gott, die sich einer Anschauung nähern soll, zu stimmen) hier nicht an sich etwas gelte, sondern es nur um die Belebung der Gesinnung zu einem Gott wohlgefälligen Lebenswandel zu tun sei, wozu jene Rede nur ein Mittel für die Einbildungskraft ist; weil sonst alle jene devote Ehrfurchtsbezeugungen Gefahr bringen, nichts als erheuchelte Gottesverehrung statt eines praktischen Dienstes desselben, der nicht in bloßen Gefühlen besteht, zu bewirken.“

Gebetsautismus im Evangelischen Gesangbuch im Gefolge Immanuel Kants Im Evangelischen Gesangbuch Ausgabe Bayern/Thüringen finden sich unter den Nummern 896, 897 … Mehr

Martin Walsers Gottvermissen („Über Rechtfertigung. Eine Versuchung“): „Wenn ich von einem Atheisten, und sei es von einem „bekennenden“, höre, dass es Gott nicht gebe, fällt mir ein: Aber er fehlt. Mir. Wenn ich gefragt werde, wie das bei mir sei mit dem Schreiben, sage ich meistens: Mir fällt ein, was mir fehlt. Oder ich sage: Meine Muse ist der Mangel. Allerdings sage ich gern dazu: Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr. Dieser Satz ruht sich, wenn er gesagt ist, aus. Zu sehr.“

Zugegeben, da ist verletzte Eitelkeit im Spiel, was Martin Walser in seiner Rede „Über Rechtfertigung. Eine Versuchung“ an der Harvard … Mehr